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Waiblinger B-Junioren verpassen Aufstieg

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Symbolbild. © Danny Galm

Die B-1-Junioren des FSV Waiblingen haben den Aufstieg in die Fußball-Verbandsstaffel verpasst. Und das, obwohl sie sich in den beiden Aufstiegsspielen gegen den FSV Bissingen durchgesetzt hatten. Grund ist eine Falschauskunft des Verbands.

Das Sportgericht des Verbands erkannte den 3:0-Sieg des FSV im ersten Spiel nicht an, weil der FSV einen nicht berechtigten Spieler eingesetzt habe. Dabei hatte der Verband für diesen Spieler ausdrücklich grünes Licht gegeben.

Linus Danner war im Lauf der Saison vom VfB Stuttgart zum FSV gewechselt, war zunächst gesperrt gewesen, verletzte sich dann und wurde dem Verband deshalb nicht als neuer FSV-Spieler gemeldet. Doch er wurde schneller wieder gesund, der FSV beantragte Pass und Freigabe und erhielt die auch.

Im DFBnet, so Florian Wörtz, wurde Linus Danner vom 19. Juni an als spielberechtigt gemeldet. Wörtz ist Vater eines der Spieler und zudem Rechtsanwalt, deshalb hat er sich besonders mit dem Fall befasst.

Spieler ist frei laut DFBnet und telefonischer Auskunft

Die Waiblinger beließen es nicht bei einem Blick ins Internet, sondern erkundigten sich auch telefonisch bei Staffelleiter und Verband. Das bestätigen sowohl Jugendleiter Sandro Palmeri als auch Abteilungsleiter Lothar Obermayer. Beide Male lautete die Auskunft: Der Spieler kann mitmachen.

Die Auskunft aber war falsch. Der FSV Bissingen berief sich nach dem Spiel am 24. Juni auf einen, so Wörtz, „eher versteckten und unbekannten Passus in der Jugendspielordnung“. Paragraf 16, Nummer 2 lautet:

Wiederholungsspiele, Aufstiegsspiele oder sonstige Qualifikationsspiele gelten, auch wenn sie den Beginn des neuen Spieljahres überschreiten, als zum alten Spieljahr gehörig. An solchen Spielen darf kein Spieler teilnehmen, der zu einem Verein übergetreten ist und der nicht mindestens an zwei Spielen einer Mannschaft dieses Vereins der allgemeinen Verbandsspielrunde teilgenommen hat oder nicht mindestens für zwei Spiele der allgemeinen Verbandsspielrunde spielberechtigt gewesen wäre.

Wörtz: „Den Einwand des Vereins, dass die Spielberechtigung nach DFBnet als gegeben angezeigt worden sei und man sich sogar bei der Staffelleitung und dem Verband rückversichert habe, ließ das Sportgericht nicht gelten, weil allein die Jugendordnung maßgeblich sei und sich der Verein selbst darum zu kümmern habe, dass alles stimme.“

Dramatische Folgen für den FSV Waiblingen

Für die Waiblinger hat das dramatische Folgen. Juan Gentner, Trainer der B 1 (und zeitgleich Sportlicher Leiter sowie Chefscout des Vereins) trat aus Enttäuschung über diese Entscheidung sofort zurück. Aus der B 1 sind in der Zwischenzeit acht Spieler gegangen. Die Mannschaft droht zu zerfallen.

„Das wirft uns zwei, drei Jahre zurück“, sagt FSV-Jugendleiter Sandro Palmeri. Für ihn ist zum einen ärgerlich, dass die acht Spieler, die ihm fehlen, ursprünglich auch für die Bezirksstaffel zugesagt hatten. „Uns bricht jetzt der ältere Jahrgang komplett weg.“ Zudem sei es „extrem schwierig, einen Trainer zu finden“.

Vor allem aber ist Palmeri vom Verband enttäuscht. Der Verein habe sich schließlich bemüht, alles richtig zu machen, habe sich auf DFBnet und die Aussagen des Verbands verlassen. Selbst kurz nach dem 3:0-Erfolg über Bissingen habe Bezirks-Jugendspielleiter Tobias Müller, als bereits erste Gerüchte über einen Verstoß aufgetaucht waren, noch bestätigt: Alles ist okay. Auch er hatte nicht an den Passus in der Jugendspielordnung gedacht.

Nun fühlt sich der FSV alleingelassen, unfair behandelt und gibt als Rat an andere Vereine weiter: Achtung, man kann sich nicht immer auf die Aussagen des WFV verlassen.

Dem VfL Winterbach erging es 2016 ähnlich

Das erinnert an den Fall SC Korb – VfL Winterbach 2016. Die Winterbacher Aktiven hatten beim klaren Sieg in Korb einen U-18-Spieler, der zuvor schon in der zweiten Mannschaft gespielt hatte, für wenige Minute auch in der ersten Mannschaft eingesetzt. In der Spielordnung steht, dass U-23-Spieler zweimal am Tag eingesetzt werden dürfen. U 18 ist unter U 23, dachten sich die Winterbacher.

Über den Einsatz von U-18-Spielern gibt es keinen eigenen Vermerk in der Spielordnung, auch keinen Verweis, dass man nun in der Jugendspielordnung nachschauen müsse. Das aber stand sinngemäß im Sportgerichtsurteil, das den Korbern die drei Punkte zusprach. Wie im Fall FSV Waiblingen argumentierte der Verband: Ihr Vereine seid selbst dafür verantwortlich, dass ihr alles richtig macht.

Und man könnte ergänzen: Egal, welche Auskünfte ihr von uns bekommen habt.


"Nicht akzeptabel"

Ein Kommentar von Sportredakteur Gisbert Niederführ

Der Fußballverband sorgt dafür, dass Tausende von Kickern ihrem Hobby nachgehen können. Seine Arbeit ist unverzichtbar und der WFV macht sie überwiegend gut. Und doch wird eine Klage der Vereine immer wieder laut: Der Verband sei zwar eigentlich für die Vereine da, verhalte sich aber oft genau umgekehrt.

Der Fall FSV Waiblingen gibt diesem Vorwurf weitere Nahrung. Dabei sollte klar sein: Die Vereine müssen sich auf den Verband als höchste Instanz verlassen können. Falschauskünfte sind zwar nie auszuschließen, aber dann muss der Verband dafür sorgen, dass diese nicht wieder vorkommen; beispielsweise indem Statuten leicht und klar nachvollziehbar gestaltet werden.

Nicht akzeptabel allerdings ist es, die Informationspflicht auf die Vereine abzuwälzen und sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen.


DFBnet

Das DFBnet, heißt es auf der zugehörigen Internetseite, „steht für ein hochleistungsfähiges, prozessoptimiertes und vernetztes IT-System für die organisatorischen Aufgaben in Sportverbänden und Vereinen. Die zentrale Datenbank ermöglicht ein einheitliches und vor allem sicheres Ablegen und Pflegen der Verbands-, Vereins- und Spielerdaten.“

Über das Netzwerk werden Passanträge, Aufstellungen (und damit der Abgleich, ob ein Spieler überhaupt berechtigt ist) und Spielberichte abgewickelt. Der Schiedsrichter gibt hier seinen Bericht ein mit Ergebnis, Torschützen und Spielwertung.

Ist ein Spieler gesperrt, erscheint vor seinem Namen ein Schloss. Das war im Fall Linus Danner nicht der Fall.