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Waiblinger Zwillinge in der Fußball-Nationalmannschaft

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Ilayda (links) und Dilara Acikgöz spielen beim FSV Waiblingen - und in der Nationalmannschaft. Ilayda im zentralen Mittelfeld, Dilara auf der Außenbahn. © Ralph Steinemann Pressefoto

Fußball: Ilayda und Dilara Acikgöz von den Waiblinger C-Junioren haben es in den DFB-Nachwuchskader geschafft

Womöglich wäre alles ganz anders gekommen, hätte die Mutter aufgepasst. Ilayda und Dilara Acikgöz (15) spielten schon im Kindergarten Fußball. Die Erzieherin habe das der Mutter auch gesagt, erzählen die beiden. Aber: „Unsere Mutter hat sich nichts dabei gedacht.“ Gut so. Mittlerweile spielen die eineiigen Zwillinge nicht nur in der männlichen U-15-Oberligamannschaft des FSV Waiblingen – und sind hier sogar Tabellenführer –, sondern haben es auch ins Jugend-Nationalteam geschafft.

Der Kindergarten steht in Gottwollshausen, einem Stadtviertel im Schwäbisch Haller Stadtteil Gailenkirchen. Genauso die Grundschule, in der die Fußballkarriere der Acikgöz-Mädchen erst richtig begann. Zunächst noch in Mädchenteams, doch bald, weil „ein Kumpel unseres Vater gefragt hat, ob wir nicht mal zu den Jungs kommen wollten“, zusammen mit dem anderen Geschlecht. Bei denen gefällt es den beiden besser. „Das Tempo ist höher“, sagt Dilara.

Sie ist um 15 Minuten älter und vielleicht deshalb meist schneller und bestimmter in ihren Antworten. Ilayda antwortet eher sanfter, ist aber – fast – immer der Meinung ihrer Schwester. Was Fußball und das Leben im Allgemeinen betrifft, müssten sie nicht viel reden. Sie wissen, dass sie dieselben Ansichten haben.

Das rührt womöglich daher, dass die Mädchen schon immer alles gemeinsam gemacht haben; wobei „alles“ zu 90 Prozent Fußball meint. Von Gottwollshausen ging’s zum FC Union Heilbronn (D-Junioren), danach über Schwäbisch Hall zum FSV Waiblingen. Der Schritt zum FSV ging einher mit dem Einzug ins Internat des Olympiastützpunkts Stuttgart. Angeregt hatte all das der Württembergische Fußballverband, der für seine Auswahlspielerinnen immer auf der Suche ist nach Vereinen, die die Mädchen weiterbringen.

Das scheint beim FSV Waiblingen gelungen zu sein. Dilara: „Ich denke schon, dass wir einen großen Schritt gemacht haben. Einerseits, weil wir hier alleine leben und für uns sorgen müssen“, andererseits durch die sportliche Herausforderung.

Fußballerisch top mit einem starken Willen

Auch Vereinstrainer Tomislav Zoric ist voll des Lobes: „Fußballerisch sind sie top ausgebildet, beidfüßig, starkes Zweikampfverhalten, sie haben einen unglaublichen Willen. Wenn alle diese Einstellung hätten, hätten wir wahrscheinlich 20 Nationalspieler.“

Die Jungs in der FSV-C-Jugend haben in diesem Punkt offensichtlich Nachholbedarf. Womöglich bekommen sie deshalb ab und zu auch einen Rüffel von den Mädels. „Die beiden gehören zu den Meinungsführerinnen“, sagt Zoric. „Wenn sie was sagen, hören die Jungs auch.“

Unkonzentrierte Mitspieler kann Dilara nicht brauchen. Dann müsse sie eben einschreiten. Die Zwillinge wiederum, sagt der Trainer, seien immer konzentriert. „Darauf kann man sich verlassen.“

Konzentriert und gut organisiert müssen sie auch sein, um ihren Tagesablauf zu bewältigen. 6.15 Uhr aufstehen, 7 Uhr Frühtraining, danach machen sie sich auf den Weg in die Lindenschule in Untertürkheim, an der die Mädchen in diesem Jahr ihren Realschulabschluss machen. Nach Schulende um 13 Uhr geht’s nach Hause, Hausaufgaben erledigen, um 16.30 Uhr schließlich nach Waiblingen zum Training. Im Internat sind sie erst wieder nach 20 Uhr.

Bei sechs bis sieben Trainingseinheiten in der Woche, Sichtungs- und Kaderlehrgängen von WFV und DFB bleibt wenig Freizeit. „Aber wir haben schon auch unsere freien Abende“, sagt Ilayda. Dann sei Zeit, auch mal fernzusehen. Und was schauen die beiden dann? „Fußball“, sagt ihre Schwester.

Dilara ist nach sechs Wochen Verletzung erst wieder eingestiegen

Dilara war gerade sechs Wochen lang auf Fußballdiät. Ein gebrochener Unterarm, passiert im Länderspiel gegen Spanien, hat sie außer Gefecht gesetzt. Erst seit dieser Woche ist sie wieder im Training. Den nächsten Lehrgang der U 17 verpasst sie deshalb noch. Sie hofft aber, dass sich das deutsche Team für die U-17-Weltmeisterschaft qualifiziert und sie dann mitspielen wird.

Schwester Ilayda kommt gerade erst vom Algarve-Cup in Portugal zurück, wo sie mit der U 16 des DFB erfolgreich war. Drei Spiele, drei Siege, Ilayda steuerte zwei Treffer bei. Für sie steht im Mai das nächste Länderspiel mit der U 16 an gegen Frankreich. Zuvor schon sind die Zwillinge wieder gemeinsam in einem Auswahlteam: Mit der WFV-Auswahl geht’s zum Länderpokal.

Aber auch der ist nur ein Zwischenschritt zum großen Ziel Profi-Fußballerin. Auf dem Weg dorthin setzen sich die Mädchen aber erst einmal geerdetere Zwischenziele: „Den nächsten Schritt machen, sich im Alltag weiterentwickeln und gesund bleiben.“

So mancher Durchschnittskicker hätte deutlich dicker aufgetragen.