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Warum der Favorit SG Schorndorf schwächelt

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Es läuft nicht rund bei der SG Schorndorf, hier bei Robin Herzog im Auftaktspiel gegen den SV Unterweissach. © Ralph Steinemann Pressefoto

Alle waren sich einig gewesen: Meister der Fußball-Bezirksliga wird die SG Schorndorf. Schon in der vorangegangenen Spielzeit hatte sie die Meisterschaft leichtfertig verspielt und sich jetzt noch einmal verstärkt. Der Titel aber ist in weiter Ferne. Also große Unzufriedenheit bei der SG? Nicht bei allen.

Der Titelfavorit steht nur auf Platz sechs, dabei hat der Pokalsieger und Zweite der Saison 2017/18 den ohnehin schon starken Kader (Jan Nagel und Sokol Kacani beispielsweise haben Regionalliga gespielt) noch mit vier Spielern vom Landesligisten TSV Schornbach verstärk. Gegangen ist von der Stammelf nur Marcello Vulcano (SV Fellbach). Mit ihm jedoch verließ ein zentraler Spieler die SG.

Von Anfang an lief es schlecht. Auf zwei Unentschieden folgte ein 1:0 gegen den ebenfalls hoch eingeschätzten TSV Nellmersbach, es schien aufwärtszugehen. Ein Trugschluss. Nach elf Spielen hat die SG 16 Zähler, 14 Punkte Rückstand auf Platz eins. Vom Aufstieg kann sie allenfalls noch träumen. Warum aber bringt der beste Kader seine Qualität nicht auf den Platz?

Abteilungsleiter Jürgen Rösch ist gar nicht unzufrieden

„So unzufrieden sind wir gar nicht“, sagt Jürgen Rösch. „Wir haben gewusst, dass sich andere auch gut verstärkt haben.“ Beispielsweise SV Kaisersbach und SV Steinbach. Die Kollegen hätten allerdings geschickt der SG die Favoritenrolle zugeschoben.

„Was wir aber nicht auf dem Plan gehabt haben, das war die lange Urlaubszeit.“ Zu viele Spieler verpassten einen Großteil der Vorbereitung. Hinzu kamen viele Verletzte. Torwart Dennis Mayer, Defensivspieler Orkun Dogan, die Torjäger Sokol Kacani und Timo Strohmayer und Spielführer Dennis Greco. Rösch. „Der fehlt an allen Ecken und Enden.“ Mit den Neuzugängen ist Rösch dagegen zufrieden. „Sie sind menschlich top.“

Dass es zum Aufstieg kaum noch reichen wird, stört ihn nicht; auch wenn er „nicht ewig in der Bezirksliga bleiben will“. Zufrieden ist er vor allem insgesamt mit der Abteilung: Frauenfußball, Jugendabteilung, zweite Mannschaft. Und dass der SG immer wieder vorgeworfen wird, ihre Spieler gut zu bezahlen, will er nicht kommentieren. Auf seine Sponsoren könne er sich zwar immer verlassen, das Geld aber brauche er insgesamt für die Abteilung, nicht für die erste Mannschaft.

Trainer Sokol Kacani: Für viele ist der Druck zu groß

Sokol Kacani, Torjäger und zusammen mit Zoran Cutura Trainer, ist sich mit seinem Abteilungsleiter in einem einig: Die Vorbereitung war schlecht. Zu viele Spieler fehlten. „Was willst du machen, wenn immer nur sieben Leute da sind.“ Die Neuzugänge seien deshalb auch sportlich noch nicht wirklich in der Mannschaft angekommen. Zudem fehlen beziehungsweise fehlten mit ihm selbst, Strohmayer, Dogan, Selimi, Lednig, Greco Stützen der Mannschaft. „Die Viererkette zum Beispiel haben wir in jedem Spiel ändern müssen. Und wenn du auswärts nur einen oder zwei Spieler auf der Bank hast, dann stimmt etwas nicht.“

Der frühere albanische U-21-Nationalspieler vermisst zudem bei manchem Spieler Aggressivität und Bissigkeit auf dem Platz. Spielerisch locker allein reicht nicht zum Aufstieg. Womit wir beim Unterschied zu Abteilungsleiter Rösch angekommen wären. Kacani hat vor der Saison klar ausgesprochen, dass die SG aufsteigen will. Nur: „Mit dem Druck kann ich umgehen, 90 Prozent der Mannschaft aber nicht.“

Alles in allem hat das dazu geführt, dass die SG nur Sechster ist. Letztlich leistungsgerecht. „Die Tabelle lügt nicht.“

Zur Folge hat das jedoch, dass sich Kacani auf das Spiel am Samstagabend (19 Uhr) beim VfL Winterbach freut. „Die stehen vor uns. Endlich einmal sind wir nicht Favorit.“

In den beiden zurückliegenden Spielzeiten war das die SG jeweils – und hat kein einziges der vier Spiele gewonnen.

Noch ein paar Fakten zur SG Schorndorf

Die SG Schorndorf entstand 1992 durch die Fusion von VfL und TuS Schorndorf. Der VfL spielte 1966/67 und 72/73 in der 1. Amateurliga, damals dritthöchste Liga in Deutschland.
2005 schaffte es die SG in die Verbandsliga, stieg aber gleich wieder ab. Danach ging es immer weiter bergab, bis schließlich 2010 die Kreisliga B erreicht war.
Mitverantwortlich war auch ein tragisches Ereignis 2007. Auf dem Heimweg vom Training war SG-Spieler Francesco Mezzotero vom Bruder des Vereinsheimwirtes mit einer Pumpgun erschossen worden.
Der Weg nach oben begann 2013 mit dem Aufstieg in die Kreisliga A, seit 2015 spielt die SG in der Bezirksliga.
In der Saison 2017/18 scheiterte sie in der Aufstiegsrelegation.