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Warum ist Haubersbronn plötzlich so gut?

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Patrick Manshaupt, Spielführer beim TSV Haubersbronn. © ZVW / Ralph Steinemann Pressefot
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Rodrigo Campos da Cunha © Ralph Steinemann Pressefoto

Beim Blick auf die Tabelle der Fußball-Kreisliga A I reibt man sich derzeit verwundert die Augen. Auf Platz vier steht der TSV Haubersbronn. Wie geht das denn? Vor zwei Jahren in der Relegation gerettet, in der vergangenen Spielzeit eigentlich abgestiegen, jetzt in der Spitzengruppe.

Die Situation

Der TSV rettete sich in der Saison 2016/17 gerade noch in der Abstiegsrelegationsrunde. Danach übernahm Rodrigo Campos da Cunha die Mannschaft, Trainer Michael Farkas wurde Abteilungsleiter.

Campos jedoch kämpfte von Anfang an gegen den Abstieg, im Grunde erfolglos. Der TSV durfte nur deshalb in der Liga bleiben, weil kein Bezirksligist in die Staffel kam, die beiden Erstplatzierten TSV Leutenbach und KTSV Hößlinswart aufstiegen und es deshalb keinen Absteiger in der A I gab. Und so ging der TSV in die Saison 2018/19 als heißer Abstiegskandidat. Jetzt ist er Vierter.

Dabei gab es doch einige Veränderungen im Team, wichtige Spieler wie Patrick Schandl verließen den TSV oder hörten zum Saisonende auf. Auch jetzt beklagt der TSV Ausfälle. Oliver Böck ist längere Zeit in Australien, Matthias Kurz (Knieverletzung), Ibrahim Önder (Bänder am Sprunggelenk und Syndesmoseband gerissen), Fabian Clauß (Leistenprobleme), David Utrata (Kreuzbandriss) stehen nicht zur Verfügung, Nick Smetazco auch nur eingeschränkt.

Das sagt Trainer Rodrigo Campos da Cunha

„Der ganze Verein musste sich erst an mich gewöhnen“, sagt Rodrigo Campos da Cunha (38). Er spreche Probleme sehr direkt an, damit kann nicht jeder sofort umgehen. Aber Fußball sei ihm wichtig: „Fußball ist mehr als nur Sport.“ Ihm gehe es auch nicht in erster Linie darum, neue Spielsysteme, sondern „die Grundwerte des Fußballs zu vermitteln“: Disziplin, Respekt, Zuverlässigkeit, Leidenschaft, Zusammenhalt ...

Gerade das jedoch sei heute schwierig, die Spieler denken anders als früher. „Fußball ist nicht mehr an erster, sondern an dritter oder vierter Stelle.“ Der gebürtige Brasilianer – er kam als Zehnjähriger nach Deutschland – aber will das nicht als Vorwurf an die Spieler sehen („Sie sind eben so erzogen worden“), sondern als Herausforderung an sich und den Verein. „Der Trainern ist nicht nur Ansprechpartner im sportlichen Bereich.“

An dem aber wird er in erster Linie gemessen. In der aktuellen Situation sieht das recht gut aus, auch wenn Campos sagt: „Ich lasse mich von der Tabelle nicht täuschen.“ Aber ihm gefällt die Entwicklung der Mannschaft, die sich personell und in der Umsetzung seiner Ideen sehr verändert habe. „In der vergangenen Saison habe ich nahezu 90 Minuten an der Linie gecoacht, jetzt reicht die Zeit vor dem Spiel und in der Halbzeitpause.“ Die Mannschaft übernehme selbst viel mehr Verantwortung.

Dennoch verfolgt Campos weiterhin keine höhergesteckten Ziele. „Mein Ziel war es eigentlich, eine langweilige Saison zu haben.“ Also eine ohne Abstiegsangst. Das Beste, was passieren könne, sei, dass der Verein im Frühjahr in aller Ruhe für die kommende Spielzeit in der Kreisliga A planen kann.

Das sagt  Abteilungsleiter Michael Farkas

„Es hat sich gelohnt, dass wir ruhig geblieben sind. Mannschaft und Trainer sind jetzt auf einer Wellenlänge“, sagt Abteilungsleiter Michael Farkas. Nachdem sein Nachfolger mit sieben Niederlagen gestartet ist, habe es durchaus Unruhe im Umfeld gegeben und Druck auf die Abteilungsleitung. Der ist nicht geringer geworden, als sich Beni Sigle (Liga-Torschützenkönig 2016/17) in der Winterpause verabschiedete. Farkas: „Aber die Mannschaft war mit dem Trainer immer zufrieden. Und wir haben die Situation mit ihm offen besprochen.“
Die Winterzugänge Massimiliano Bloch und Ibrahim Önder hätten zudem „charakterlich gut gepasst“. Die Früchte aber erntet der TSV erst jetzt. „Der Kader ist durcheinige Verletzte gerade sehr dünn. Aber die Jungs hauen sich voll rein.“
Vielleicht klappt es ja diesmal mit Farkas’ Saisonziel: „Endlich mal wieder eine ruhige und konstante Saison spielen.“

Das sagt der Spielführer Patrick Manshaupt

Patrick Manshaupt (26) kann sich noch gut erinnern an den schlechten Start 2017. „Da kamen viele neue Impulse vom Trainer, er hat einiges verändert.“ Und wenn Niederlage auf Niederlage folgt, kämen schon Zweifel auf. Mittlerweile sehe das ganz anders aus. „Der Unterschied zum Vorjahr ist, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen und dem Trainer vertrauen.“ Die Mannschaft halte am vereinbarten Konzept fest, auch wenn es Rückschläge gibt. Bestes Beispiel sei das 6:6 gegen den FSV Waiblingen II. „Wir sind vier- oder fünfmal zurückgelegen, aber immer wieder zurückgekommen.“

Als Saisonziel gibt Manshaupt dennoch lediglich an: „Schnell so viele Punkte wie möglich gegen den Abstieg sammeln.“ Niemand würde nun übermütig. „Wir wissen, wo wir herkommen.“


Noch ein paar Fakten

  • 2013 nach vielen Jahren aus der Kreisliga A I abgestiegen und nach zwei Jahren wieder zurückgekommen.
  • 2016/17 in der Abstiegsrelegation, ein Jahr später dem Abstieg nur entronnen, weil es keine Absteiger gab.
  • Aktuell mit 17 Punkten Tabellenvierter. Nur sieben Punkte auf eigenem Platz, aber zehn auf fremden Plätzen.
  • Torreichste Spiele: 6:6 gegen den FSV Waiblingen II, 6:2 gegen den TB Beinstein.
  • Erfolgreichste Torschützen: Massimiliano Bloch /8/9, Patrick Manshaupt (4), Maximilian Kraljic und Faruk Demirci (3).
  • Am Wochenende ist der TSV Haubersbronn spielfrei.