Rems-Murr-Sport

Was ist los bei der SV Winnenden?

BraehlerWill1
SVW-Gesamtvorsitzender Hans-Jürgen Will. © Munder / ZVW

Die Fußballabteilung der SV Winnenden gibt derzeit kein gutes Bild ab; vorsichtig formuliert. Keine C-, D- und E-Jugend, das Aktiventeam abgemeldet und den Abteilungsleiter abgesetzt. „Wir haben die Notbremse reingehauen“, sagt der SVW-Gesamtvorsitzende Hans-Jürgen Will. Alles zurück auf null – Neustart.

An der Startlinie jedoch steht ein Rennwagen, dem die Räder abhandengekommen sind. Und das schon vor vielen Jahren. Will: „Es ist uns in den letzten zehn, 15 Jahren nicht gelungen, die richtigen Leute zu finden.“ Zwar gab es Menschen wie Alexander Jänel und zuletzt Klaus Weißhäupl, die sich einsetzten und gute Ideen hatten, an der Umsetzung allerdings haperte es. Das lastet Will nicht den Ex-Abteilungsleitern an, sondern jenen, die diese im Stich gelassen haben. Bei den Winnender Fußballern macht der Vereinsboss nicht nur Ehrenamtsmüdigkeit aus wie vielerorts, sondern sogar eine „Ehrenamtsverweigerung“.

Deshalb habe der Gesamtverein eingreifen müssen. Klaus Weißhäupl, der nebenbei die Aktiven und (immer noch) drei Jugendmannschaften trainierte, sollte geschützt werden. Hinzu kam, so Will: „Die finanzielle Situation ist grenzwertig geworden. Ohne Stützung durch den Hauptverein wäre der Spielbetrieb kaum möglich gewesen.“ Und weil sich ein „kleiner fünfstelliger Betrag“ an Schulden anbahnte, zog der Hauptverein die Reißleine. Nicht einzugreifen wäre den anderen – funktionierenden – Abteilungen gegenüber nicht vertretbar gewesen. Die Ergebnisse des Fußballteams (unter anderem 0:26 gegen den FSV Waiblingen), sagt Will, seien am Ende auch zum „Reputationsrisiko“ für den Gesamtverein geworden.

Situation ist eskaliert

Der gute Ruf hat schon lange gelitten. Vor zehn, 15 Jahren spielten die Aktiven der SV Winnenden in der Bezirksliga, Abteilungsleiter war damals Rolf Weber. Der, so Will, habe durch sein Engagement, sein Netzwerk und seine Beziehungen auch zu Sponsoren viel bewirkt; zum Beispiel Geld besorgt, um die Mannschaft attraktiv zu machen. Heute gibt es nicht einmal mehr ein Saisonheft, durch das Geld akquiriert werden könnte. Diese Arbeit will sich niemand mehr machen. Die Mitgliederzahl der Fußballer ist seit der Fusion aus FC und TSV Winnenden 1991 von 850 auf 400 geschrumpft. Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in noch stärkerem Maße.

Auch der neue Abteilungsleiter Marco Möst (der zudem noch den Sportpark leitet und vor der Abmeldung der Mannschaft kurzfristig auch Trainer der Aktiven war) ist Einzelkämpfer. Unterstützt wird er von der Geschäftsstelle; organisatorisch und was die Finanzen anbelangt. Will: „Jede Rechnung läuft über sie.“

Möst soll nicht weniger gelingen als die Quadratur des Kreises. Die Situation ist eskaliert, weil sich niemand in der Fußballabteilung engagiert hat. Ausgerechnet nun, wo die Abteilung am Boden liegt und umfangreiche, langjährige Aufbauarbeit mit geringen Erfolgserlebnissen zumindest am Anfang warten, soll er Helfer finden?

„Ich weiß, auf was ich mich eingelassen habe“, sagt Möst. Wie seine Vorgänger ist er ohne Stellvertreter. „Aber den brauche ich jetzt nicht“, sagt er. „Fünf Jugendtrainer wären mir viel lieber.“ Denn ganz unten in der Jugend, bei Bambini und F-Jugend, soll der Aufbau beginnen. Eine E-Jugend im Spielbetrieb ist für die kommende Saison geplant, nicht sicher dagegen, ob wieder eine Aktivenmannschaft antritt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Jugend.

Möst und Will sind sich darüber im Klaren, dass es Jahre dauern wird, bis die Fußballabteilung wieder in ruhigem Fahrwasser ist. „Drei bis fünf Jahre“, sagt Will. „Vorher ist nichts zu erwarten.“ Und auch das ist ziemlich optimistisch gerechnet.

Kommentar von Sport-Redakteur Gisbert Niederführ

Eine Fußballabteilung geht vor die Hunde, weil sich ihre Mitglieder nicht engagieren. Die Kernstadt Winnenden hat 14 000 Einwohner, Breuningsweiler dagegen nur 890. Doch dort funktioniert alles bestens, viele arbeiten mit. Dass die Winnender das nicht einmal ansatzweise schaffen, ist eine Schande – für jedes einzelne Mitglied der Abteilung.