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Was läuft schief bei den Winnender Kickern?

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Symbolbild. © Anne-Katrin Walz

1:12, 0:15, 0:26 – drei der Ergebnisse, die sich die SV Winnenden in der Fußball-Kreisliga A I schon geleistet hat. Was ist los bei dem Verein, immerhin aus einer Großen Kreisstadt, der es nach einigen Jahren in der Kreisliga B endlich in die zweitunterste Liga geschafft hat – sich hier aber nur blamiert?

Die Talfahrt hat bereits 2008 mit dem Abstieg aus der Bezirksliga begonnen. Zwei Jahre später reichte die Qualität auch für die Kreisliga A I nicht mehr aus. Die SVW stieg ab, durfte jedoch in der Kreisliga A II weitermachen, weil gleichzeitig die SV Winnenden II Kickers Kreisliga-BIV-Meister geworden war. Eine Hobbymannschaft, die spaßeshalber mal im Ligenbetrieb mitmischen wollte und sich auch gleich wieder auflöste, rettete die Winnender. 2012 war auch das Kreisliga-A-II-Kapitel beendet.

Im vierten Kreisliga-B-Jahr schließlich gelang der Aufstieg, allerdings erneut mit schlagzeilenträchtigen Begleiterscheinungen. In der Winterpause verließen Trainer Mario Palomba und die meisten Spieler den Verein im Streit. Der riesige Vorsprung aber reichte letztlich noch zum Aufstieg.

„Die Mannschaft hat so noch nie zusammengespielt“

Miterlebt hat all das Alexander Jänel: als Abteilungsleiter und teilweise gleichzeitig als Spieler und Trainer. Immer wieder hat er fehlende Unterstützung beklagt. Im Frühjahr trat er nicht mehr als Abteilungsleiter an. Aktiv ist er trotzdem noch: als Trainer der Frauenmannschaft.

Auch sein Nachfolger Klaus Weißhäupl musste sich als Multifunktionär beweisen: Abteilungsleiter, Trainer der ersten Mannschaft, A- und F-Jugend sowie der Bambini. Unter ihm gelang der Aufstieg, er steht aber auch für die desaströsen Ergebnisse der Aktivenmannschaft. Die jedoch sind für ihn erklärbar: „Die Mannschaft hat so noch nie zusammengespielt.“ Sie bestehe „aus fünf, sechs von der alten ersten Mannschaft, 20 aus der Zweiten und fünf, sechs A-Jugendlichen“.

Marco Möst ist neuer Trainer und Abteilungsleiter

Mittlerweile aber hat sich einiges verändert: Das negative Bild hat offensichtlich den Gesamtverein nicht ruhen lassen. Er ist eingeschritten und hat Weißhäupl abgesetzt. So zumindest sieht er selbst das. Sein Nachfolger in beiden Funktionen, Marco Möst (39), beschreibt es anders: „Die Vorstandsentscheidung hatte das Ziel, Herrn Weißhäupl zu entlasten. Sein ehrenamtliches Arbeitspensum ist enorm.“ Weißhäupl trainiert weiterhin zwei Jugendteams.

Der Vorstand berief sich bei seinem Einschreiten auf einen Paragrafen der Satzung: „Wenn eine Abteilung zahlungsunfähig wird, hat der Vorstand das Recht, die Leitung der Abteilung den gewählten Mitgliedern der Abteilungsleitung zu entziehen und die Abteilung kommissarisch zu verwalten.“ Während Weißhäupl von vielen Schulden der Abteilung spricht, sagt Möst: Die Abteilung ist nicht zahlungsunfähig, könne allen Verpflichtungen nachkommen.

Bei den Winnender Kickern liegt vieles im Argen

Dass die zweite Mannschaft abgemeldet wurde, hält Weißhäupl für einen Fehler: „Wir haben 50 Spieler. Viele können jetzt nicht mehr spielen.“ Dazu Möst: „Diese Zahl halte ich für sehr optimistisch.“ Und wer als aktiver Spieler gelten wolle, müsse auch „regelmäßig aktiv sein, um mit anderen Mannschaften mithalten zu können.“ Mit dem Beschluss habe sich die Abteilung aber „sehr schwergetan“.

Bei den Winnender Kickern liegt vieles im Argen. Auch Möst hat mehrere Posten: Trainer, Abteilungsleiter, Sportlicher Leiter des SV-Sportparks. Er geht die Aufgabe dennoch optimistisch an. Die Frauen seien auf einem guten Weg (Landesliga), die Jugend ebenfalls. Und den Aktiven rechne er es zumindest hoch an, dass sie bei solch verheerenden Ergebnissen überhaupt noch antreten und sich sportlich wehren, nicht auf unfaire Mittel zurückgreifen. Das ist nicht viel. Daraus mehr zu machen, ist nun Mösts Aufgabe.