Rems-Murr-Sport

Wasserball-Vizemeister: Talent geerbt, Erfolg erarbeitet

71b875e3-a567-4199-a423-d362590e6ec8.jpg_0
Julius Wörn will im kommenden Jahr mit dem deutschen U-19-Nationalteam seine erste Europameisterschaft bestreiten. © Palmizi/ ZVW

Wo das Talent herkommt, ist klar: Wasserballer Julius Wörn aus Kernen-Rommelshausen ist der Spross des Ex-Nationaltorhüters und Junioren-Europameisters Volker Wörn. Doch mit der Herkunft allein feiert man keine Erfolge. Die sind das Ergebnis von neun harten Trainingseinheiten pro Woche. Der Lohn: Mit der U 17 des SV Cannstatt wurde Wörn deutscher Vizemeister.

Wie konnte das passieren? Der heute 17-Jährige spielte tatsächlich mal Fußball. Dabei war schon sein Opa Wasserballer gewesen. Doch allzu lange konnte Julius Wörn auch nicht widerstehen. „Mein Vater hat mir Wasserball relativ früh beigebracht.“ Ende 2012 schließlich hängte der Junge die Kickstiefel an den Nagel und zog die Badehose an. Dann ging’s schnell: „Nach einem halben Jahr war ich in der baden-württembergischen Wasserball-Auswahl.“

Zwar schreibt Julius Wörn erfolgreich die Sportgeschichte seiner Familie fort, aber anders als sein Opa und Vater ist er kein Torhüter. Zunächst wurde er bevorzugt als Center-Verteidiger eingesetzt. Zwei Meter vor dem eigenen Tor versucht dieser, den gegnerischen Stürmer, Center genannt, am Torwurf zu hindern. „Inzwischen spiele ich aber auf so gut wie allen Positionen.“ Gute Wasserballer müssen variabel sein.

An seiner Sportart gefällt Wörn besonders, dass sie etwas Exklusives hat. „Wasserball machen nicht so viele.“ Außerdem sei es sehr anspruchsvoll. Die Spieler brauchen viel Kondition und Kraft. Und wehleidig dürfen sie schon gar nicht sein. „Unter Wasser geht es ziemlich zur Sache. Da wird getreten, gehalten und geschlagen.“ Die Schiedsrichter ahnden Fouls unter der Wasseroberfläche selten – weil sie sie nicht sehen. Die Spieler nutzen das natürlich aus, die Ergebnisse sind entsprechend. „Meistens hat man nach Spielen irgendwas. Normal sind Kratzer am ganzen Körper. Ich hatte mal ein blaues Auge.“ Austeilen, einstecken, Pässe spielen, Tore werfen und verhindern – klar, dass die Akteure, wie im Handball gibt es pro Mannschaft sechs Feldspieler und einen Keeper, nach den viermal acht Minuten reine Spielzeit ziemlich ausgepumpt sind.

Für den Sport verzichtet der Schüler, der in zwei Jahren sein Abi machen wird, auf viel Freizeit. Pro Woche gibt es neun Trainingseinheiten, „Dienstag und Donnerstag sind komplett voll“. Und während der Saison gibt es Spiele ohne Ende, wenn man ein Talent ist wie Julius Wörn. Regelmäßig war er zuletzt samstags und sonntags in unterschiedlichen Mannschaften aktiv. Mit der U 17 des SV Cannstatt, der größte Erfolg des „Römers“, holte er jüngst die deutsche Vizemeisterschaft. Zudem gab er sein Debüt bei den Aktiven und schaffte mit ihnen den Klassenerhalt in der Bundesliga. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren zahlreiche Spiele und Turniererfolge mit der baden-württembergischen und der Süd-Auswahl. Nicht zu vergessen Einsätze in Jugend-Nationalteams.

Das Pensum wird sich in der kommenden Saison eher noch erhöhen. Julius Wörn steht weiterhin im Bundesliga-Kader des SVC, wird auch für die Männer II in der Oberliga spielen und mit der U 19 um die Landes- und die deutsche Meisterschaft kämpfen. Und dann hofft Wörn darauf, mit der Nationalmannschaft des Jahrgangs 1999 im kommenden Jahr seine erste EM bestreiten zu dürfen. Favoriten werden andere sein, große Wasserball-Nationen wie Ungarn, Serbien, Montenegro und Kroatien. Vielleicht gelingt es Deutschland irgendwann, auch diese zu ärgern. Und vielleicht kann Julius Wörn dann dazu beitragen. Seine wasserballverrückte Familie hätte sicher nichts dagegen.

Der Vater:

Volker Wörn, der Vater von Julius, hat im Wasserball zahlreiche Erfolge gefeiert. Mit den deutschen Junioren holte er 1986 den EM-Titel. Im Jahr 1992 wurde der Torhüter mit dem Vorzeigeclub Spandau 04 Deutscher Meister und Pokalsieger, 1996 gewann er die Wahl zum „Wasserballer des Jahres“. Insgesamt bestritt er 121 Länderspiele für Deutschland.