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Welzheimer bei Hallenfußball-WM der Gehörlosen

Tobias Schock GSG Stuttgart Nationalmannschaft Gehörlos Gehörlosen-WM_0
Tobias Schock (Nummer zwei) im Spiel gegen Thailand. © Privat

Welzheim. Auswärtsspiele sind für die A-Jugend-Fußballer des SV Kaisersbach normalerweise leicht zu erreichen. Diesmal allerdings musste Tobias Schock eine etwas weitere Anreise in Kauf nehmen: 9000 Kilometer. Schock spielte mit der deutschen U-18-Gehörlosen-Nationalmannschaft bei der Futsal-Weltmeisterschaft in Bangkok und belegte Platz vier.

Futsal – das bedeutet Kicken in der Halle; mit einem etwas schwereren Ball als auf dem Feld, auf Handballtore und nach geringfügig modifizierten Regeln im Trockenen und Warmen. Also besser als draußen? „Nein“, sagt Tobias Schock. Einen rechten Fußballer zieht’s eben nach draußen. „Aber so ein Angebot lässt man nicht aus.“

Das Angebot: Mitglied im U-18-Kader der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft zu werden. Der Kader wurde ganz neu aufgebaut, Bundestrainer Torben Mayer lud Schock Mitte 2017 zum ersten Sichtungstrainingslager ein. Schock überstand Duisburg, auch Borkum und schließlich das letzte Ausleseverfahren im Leistungszentrum von Bundesligist Hoffenheim. Der Welzheimer zählte zum Zwölfer-Kader für die Weltmeisterschaft in Bangkok.

Tobias Schock hat sich hochgekämpft

Mit dem Fußballspielen begonnen hat der Realschüler in seinem Heimatort Welzheim. 2012 wechselte er zum SV Kaisersbach, weil der in höheren Ligen spielt. Seit der Saison 2017/18 kickt er zusätzlich noch bei der Gehörlosengemeinschaft (GSG) Stuttgart.

Während Schock im Kaisersbacher A-Junioren-Bezirksstaffelteam seinen Stammplatz hat, musste er bei den Aktiven in Stuttgart – unter lauter Älteren – erst einmal auf die Bank. Aber er hat sich durchgesetzt. In den letzten vier Spielen der Südwestliga war der Mittelfeldspieler immer dabei und hat „fünf Tore geschossen“. Die Stuttgarter sind Erster ihrer Gruppe und haben sich für die Spiele um die deutsche Meisterschaft qualifiziert.

Ein Implantat ermöglicht das Hören

Fußball in einer Gehörlosenmannschaft unterscheidet sich nur wenig vom Fußball in anderen Teams. Es wird getrickst, gekämpft, gefoult. Den Gegner anschreien aber nutzt nichts, denn der hört nichts. Tobias Schock trägt normalerweise ein spezielles Hörgerät – ein CI. Er ist von Geburt an gehörlos, mit drei Jahren wurde ihm ein Cochlea-Implantat eingesetzt, das die Signale des Hörgeräts aufnimmt und im Kopf extrem verstärkt. So kann er ganz normal kommunizieren.

Auch in den Spielen mit der Kaisersbacher A-Jugend. Bei Spielen in Gehörlosenteams aber dürfen Hörgeräte nicht getragen werden. Das bedeutet, die Spieler müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Und gelegentlich bekommen sie auch mal eine Entscheidung des Schiedsrichters nicht mit. Der pfeift nicht, sondern schwenkt eine Fahne.

Aus im Halbfinale

In der Halle ist es leichter, den Überblick zu behalten, und den Deutschen ist das bei der WM in der Vorrunde auch ganz gut gelungen. Ein Unentschieden gegen Russland, Siege gegen Thailand und Kasachstan brachten die Mannschaft ins Halbfinale. Erstes Ziel erfüllt. Aber nun wollte die Mannschaft mehr, Das Halbfinale gegen Schweden allerdings ging mit 1:2 verloren. „Wir hatten mehr Chancen und klar mehr Ballbesitz“, sagt Schock. Genützt hat es nichts.

Eine Medaille war trotzdem noch möglich. Im Spiel um Platz drei gegen Russland „sah’s richtig gut aus“. Deutschland spielte stark, führte 3:1 und hörte dann „auf, Fußball zu spielen. Wir waren wohl schon zu sicher, die Medaille zu bekommen.“ Die aber bekamen die Russen, die sich noch mit 4:3 durchsetzten. So endete das Großereignis doch noch mit einer Enttäuschung.

Ziel: Stammspieler beim GSG Stuttgart

Tobias Schock konzentriert sich nun erst mal auf die GSG Stuttgart, will dort Stammspieler werden – und danach „noch möglichst viele Länderspiele“ absolvieren. Dabei ergeben sich automatisch auch Chancen auf Medaillen. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Versuch. Im kommenden Jahr ist U-18-Europameisterschaft in Schweden, 2020 folgt die U-21-WM in China.
 


Tobias Schock

... ist 17 Jahre alt und wohnt in Welzheim, spielt aber für die Fußball-A-Jugend des SV Kaisersbach und die Aktiven der GSG Stuttgart. Er besucht die zehnte Klasse der Gehörlosenschule in Schwäbisch Gmünd.