Rems-Murr-Sport

Wie der Krieg im Irak die Fußballer schwächt

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Toni Guaggenti (rechts) verlässt den TV Oeffingen, schon geht’s abwärts. © ZVW/Richard Schrade
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Walter Weingart.
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Günther Schäffler (rechts, hier neben Peter Rath) wird Bezirksligaspieler des Jahres.

Tausende Kilometer ist er entfernt, und doch beeinflusst ein Krieg das Geschehen in der Fußballsaison 1990/91 in Deutschland. Und bei manchen Spielen im Rems-Murr-Kreis geht es ebenfalls recht kriegerisch zu.

Die USA marschieren im Irak ein. Nun stellt sich in Deutschland die Frage: Können wir hier Fasching feiern, während im Nahen Osten Menschen sterben? Können wir nicht, sagen die meisten, obwohl das manche Vereine hart trifft. Sie finanzieren sich zu einem großen Teil über eine eigene Faschingsveranstaltung, beispielsweise der SC Korb oder die Jugend des VfL Winterbach. Fasching aber fällt nun aus.

Sportlich bringt die Spielzeit 1990/91 ein paar Regeländerungen. Alle Spieler müssen zwingend mit Schienbeinschoner auflaufen, gleiche Höhe ist kein Abseits mehr und für die „humane Notbremse“, gemeint ist das Festhalten am Trikot, gibt es nun die Rote Karte.

TSG Backnang gewinnt den Verbandspokal

Für das sportliche Highlight sorgt die TSG Backnang: Als klarer Außenseiter gewinnt sie das WFV-Pokalfinale gegen den SSV Reutlingen. Armin Scheiffeles verwandelter Foulelfmeter und ein Treffer von Markus Sailer sorgten für einen 2:1-Erfolg. In der Verbandsliga landete die TSG im Mittelfeld. Die Viktoria Backnang dagegen steigt ab.

Turbulent ist die zweite Landesligasaison des TSV Schlechtbach. Trainer Karlheinz Schlotterbeck will beweisen, dass auch auf dem Land guter Fußball gespielt werden kann, will die ballorientierte Raumdeckung einführen. Die Mannschaft tut sich schwer damit. Schlotterbeck stellt auf eine kombinierte Raum-Mann-Deckung um. In der Rückrunde aber übernehmen Uli Maier und Peter Dimitroff das Training. Sie halten den TSV (Platz 13) in der Liga.

Aufsteiger TSV Rudersberg und überraschend auch der TV Oeffingen schaffen es dagegen nicht. Schon vor der Saison verliert der TVOe viele Spieler (unter anderem Stürmer Toni Guaggenti), während der Saison folgen weitere. Erst muss Trainer Peter Bauer gehen, danach ist Nachfolger Rainhard Kuzaj den Spielern zu hart.

Der VfL Schorndorf landet im Niemandsland (Siebter), auf Trainer Wolfgang Krötz wird Attila Kun folgen. Stark präsentiert sich erneut der SC Korb unter Manfred Jung (Platz zwei), der SV Fellbach ist lange Erster, am Ende aber reicht es nur zu Platz drei. Trainer Robert Lindmayer wird Abteilungsleiter, Peter Hettich Trainer.

SV Plüderhausen: Die nächste Meisterschaft

SV Plüderhausen ist schon wieder Meister. Piotr Czaja führt den SVP in die Bezirksliga. Und auch in Winnenden wird eine Meisterschaft gefeiert. Der FC-TSV Winnenden II entscheidet die Kreisliga B III für sich. Der FC-TSV ist der Vorläufer der SV Winnenden, die in der kommenden Saison an den Start gehen wird. Schon vorher gibt es Ärger. Siegfried Sommer, Trainer der ersten Mannschaft, steigt vorzeitig aus, weil bereits feststeht, dass vom Landesligisten Spvgg Rommelshausen Hans Amort verpflichtet wurde.

Eine Saison der Trainerwechsel

Überhaupt ist das eine Saison der Trainerwechsel. Robert Lindmayer hört verärgert und enttäuscht beim SV Fellbach als Trainer auf (wird aber Abteilungsleiter), Siegfried Lambor hört bei den SFG Geradstetten (Vorläufer der SV Remshalden) auf, Nachfolger wird Dietmar Hohn. Beim Landesligisten TSV Schlechtbach muss Karlheinz Schlotterbeck vorzeitig gehen und schließt sich dem FC Sonnenhof-Kleinaspach an. Beim TSV Schwaikheim beendet ein später auch bundesweit bekannter Trainer (im Umfeld von Ralf Rangnick) sein Engagement: Thomas Albeck. Beim TSV Miedelsbach beginnt in der Rückrunde ein Trainer seine Rems-Murr-Karriere, die noch einige Höhe- und Tiefpunkte bringen wird: Gheorghe Serbanoiu. Der 40-Jährige war Profi in Rumänien.

Ärger dagegen bringt das Spiel ASGI Schorndorf – SC Urbach II in der Kreisliga B III. Die Urbacher legen Protest gegen die Wertung des Spiels ein und erwägen, gegen die ASGI-Spieler Ralf und Walter Weingart Strafanzeige zu stellen. Auf dem hartgefrorenen Platz verletzen sich drei Urbacher Spieler, sie werfen den Weingartbrüdern eine zu harte Gangart vor, ein Weingart soll einen Urbacher sogar geschlagen haben. ASGI wiederum wirft dem Urbacher Wolfgang Sommer vor, einen ASGI-Spieler angespuckt zu haben. Erst nach Wochen beruhigen sich die Gemüter. Eine Anzeige gibt es nicht, die Punkte gehen an die Schorndorfer.

Torwart bewaffnet sich mit einem Zaunpfosten

Ähnlich wild geht es im Spiel Inter Waiblingen – SV Hegnach (Kreisliga B I) zu. Von Faustschlägen, Tritten mit Stollenschuhen ins Gesicht ist die Rede und einem Ellbogenschlag des Inter-Torwarts Rocco Acri ins Gesicht des Hegnachers Jürgen Balle. Der Schiedsrichter bricht die Partie ab, Balle wird im Krankenhaus genäht, Acri bewaffnet sich in der Kabine mit einem Zaunpfosten, um sich gegen seine Gegner zu wehren. Dazu kommt es nicht. Es gibt doch noch genügend vernünftige Menschen auf dem Platz, um Schlimmeres zu verhindern.

Deutlich angenehmer verläuft das zweite Bezirksligafest des Zeitungsverlags Waiblingen. Günther Schäffler vom SV Allmersbach wird Bezirksliga-Spieler des Jahres, Torschützenkönig ist Uwe Hilsenbeck vom VfL Waiblingen. Im Spiel Landesliga- gegen Bezirksligaauswahl verlieren die Landesligisten mit 1:5.

In der Bezirksliga-Auswahl stehen: Menze (VfR Waiblingen), Schäfer (Birkmannsweiler); U. Schreiber, A. Schreiber, Schäffler, Ammann, Hammer (alle SV Allmersbach), Pfisterer, Puttler, Peuckert (alle VfR Waiblingen), Hilsenbek (VfL Waiblingen), Krautter (Birkmannsweiler), Kleinknecht, Sälzle (Unterweissach), Widmer (Lippoldsweiler), Ament (Schwaikheim), Weis (TuS Schordorf), Hilf (Urbach), Merz (Stetten), Reule, Holz (beide Murrhardt).

In der Landesligaauswahl: Schwinger (Rudersberg), Müller (Korb); Schneider, Raithle (VfL Schorndorf), Vulcano, Bareis, Nagel (alle Fellbach), Mattes, Tochtermann, Bösch, Avdic, Kolb (alle Korb), Merkle, Schreiner (Rommelshausen), Kull (Rudersberg), Gabler (VfR Waiblingen).Walter Weingart.