Fußball in Rems-Murr

Wie die Verbände Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen wollen

Jugendfußball
Symbolbild. © Pixabay.com

Mit einem neuen Fünf-Punkte-Plan wollen die Fußballverbände in Baden-Württemberg ein deutliches Zeichen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Jugendfußball setzen. „Das Thema Kinderschutz ist eine Daueraufgabe, der kontinuierlich Aufmerksamkeit geschenkt werden muss – jeder Fall ist einer zu viel“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Dienstag (15.09.). Der Verbände aus Baden, Südbaden und Württemberg wollen die Vereine für das Thema sensibilisieren und „dazu animieren, das Thema Kinderschutz kontinuierlich und aktiv zu leben.“

Konkret wurde ein Fünf-Punkte-Plan erarbeitet, dessen Umsetzung bereits effektiv dabei helfen soll, Vorfälle zu verhindern. 

  1. Benennung eines (abteilungsübergreifenden) Vereinsverantwortlichen auf Vorstandsebene zur Umsetzung von Kinderschutz im Verein.
  2. Benennung eines Ansprechpartners innerhalb des Vereins als vertrauensvolle Anlaufstelle, am besten eine weibliche sowie eine männliche Person.
  3. Einführung von Verhaltensregeln für Trainer*innen, Betreuer*innen und Vereinsmitarbeiter*innen.
  4. Pflicht zur Vorlage des erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses für alle Trainer/innen, Betreuer/innen und Vereinsmitarbeiter*innen.
  5. Kommunikation und Sensibilisierung im Verein mittels Materialien und Informationsveranstaltungen für Trainer*innen, Betreuer*innen und Vereinsmitarbeiter*innen, sowie auch für Eltern, Kinder und Jugendliche.

Weiter wird darauf hingewiesen, dass Einzeltrainings – falls überhaupt als sinnvoll erachtet – lediglich durchgeführt werden sollten, wenn eine weitere erwachsene Aufsichtsperson anwesend ist.

Ein Kinderschutzkonzept und die Anwendung des Fünf-Punkte-Plans seien allerdings lediglich einzelne Bausteine in der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt von Kindern. „Elementar ist eine dauerhafte Kultur der Achtsamkeit für das Wohl der Kinder im Verein. Kinderschutz muss dabei ein zentrales Qualitätsmerkmal sein, das konzeptionell in der Vereinsarbeit verankert ist“, sagt Michael Supper, Verbandsjugendleiter beim Württembergischen Fußballverband (WFV).

Digitale Schulungen sind in Planung

Alle drei Verbände verfügen laut der Mitteilung vom Dienstag sowohl im Ehrenamt als auch im Hauptamt jeweils über einen Ansprechpartner zum Thema sexuelle Gewalt. Beim WFV ist Karl Schley der vom Verbandsvorstand in ehrenamtlicher Funktion berufene „Beauftragte gegen sexuellen Missbrauch“. Im Hauptamt treibt Oliver Deutscher, Abteilungsleiter „Gesellschaftliche Verantwortung“, das Thema Kinderschutz in Württemberg voran.

Im März war eine Schulung in der WFV-Geschäftsstelle für rund 30 Teilnehmer/innen mit Matthias Reinmann angesetzt, der als Experte für die Württembergische Sportjugend (WSJ) tätig ist. Diese fiel zwar dem Coronavirus zum Opfer, alternative Schulungsmodelle in Kleingruppen oder digitaler Form sind jedoch in Planung.

Bei der Tagung des Verbandsjugendausschusses am 18./19. September informiert Verbandsjugendleiter Michael Supper anhand einer Präsentation über das Thema „Kinderschutz“. Diese soll wiederum bei Jugendstaffeltagen oder Infoveranstaltungen in den Bezirken wiederkehrend zum Einsatz kommen und so in die Vereine getragen werden.

„Prävention heißt zu handeln, bevor etwas passiert“

Grundsätzlich verpflichtet der WFV bestimmte Gruppen von Verbandsmitarbeitern/innen, abhängig von deren Funktion und Häufigkeit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, zur Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses.

„Wir wollen an dieser Stelle noch einmal betonen, dass der Missbrauch von Schutzbefohlenen im Kinderfußball die absolute Ausnahme darstellt, und dass wir Kinder- und Jugend-Trainerinnen und –Trainer nicht unter Generalverdacht stellen wollen“, stellt der Verband klar. Dies dürfe jedoch kein Grund sein, unvorsichtig zu werden, ganz im Gegenteil, meint Karl Schley: „Prävention heißt zu handeln, bevor etwas passiert. Kinderschutz ist eine Daueraufgabe, auf die wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder konzentriert lenken müssen.“

Links und Kontakte

Weitere Empfehlungen und Hinweise gibt es auf der WFV-Homepage.https://www.wuerttfv.de/

Unter folgenden Kontaktdaten erreichen Sie die WFV-Ansprechpartner zum Thema Kinderschutz und Prävention vor sexualisierter Gewalt: