Rems-Murr-Sport

Zeitreise: 1991/92 - Diskussionen über die Busch-Liga

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Didi Siegle (am Ball) und der TSV Schlechtbach müssen aus der Landesliga absteigen. © ZVW/Richard Schrade
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Der Spvgg Rommelshausen (am Ball Jürgen Rube, Mitte Klaus Meister vom SV Fellbach) gelingt eine starke Saison.
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Jonny Fotarellis bringt den SC Urbach in die Landesliga.

Gleich mit zwei neuen Vereinen beginnt die Fußballsaison 1991/92, ein dritter ist in Vorbereitung. Die Spielzeit bietet erneut gute Leistungen der Landesligisten, hitzige Auseinandersetzungen – zum Teil sogar vereinsintern – und Diskussionen über die Busch-Liga.

Aus zwei mach eins: In Winnenden entsteht die SV, die Sportvereinigung Winnenden. Die Fußballer von FC und TSV Winnenden wollen Vorreiter sein für eine Fusion des Gesamtvereins. Der neue Bezirksligaverein möchte so bald wie möglich, so Vorstandsmitglied Helmut Pflüger, „die vierte Station an der B 14 neben Fellbach, Korb und Backnang werden“, die höherklassig spielt.

Fusion zwei des Jahres ist die von TSV Schnait, TSV Beutelsbach und VfL Endersbach zum FV Weinstadt. Und in Schorndorf wird für die kommende Spielzeit der Zusammenschluss von VfL und TuS zur SG Schorndorf vorbereitet.

SC Korb Vizemeister– und doch enttäuscht

In der Landesliga wird der SC Korb schon wieder Zweiter und ist dennoch enttäuscht. „Es war noch nie so einfach, Meister zu werden“, sagt Trainer Manfred Jung. Einen Platz dahinter landet der SV Fellbach unter Peter Hettich, Vierter wird die Viktoria Backnang. Platz sechs sichert sich die Spvgg Rommelshausen unter Peter Grund, zwei Plätze dahinter landet der VfL Schorndorf (unter Attila Kun). Aufsteiger SV Allmersbach unter Trainer Richard Wolf hält sich als Zehnter ordentlich, der TSV Schlechtbach (Trainer Erhard Fischer) aber muss als 16. absteigen. Erst in den letzten Spielen fiel der TSV noch auf einen Abstiegsplatz zurück.

In der nächsten Spielzeit haben es die Landesligisten mit dem SC Urbach zu tun, der unter Spielertrainer Ioannis Fotarellis Bezirksliga-Meister wird. Fotarellis hat etwas vollmundig versprochen, seine langen Haare zu opfern, falls der Aufstieg gelingt. Die Mannschaft aber ist gnädig. Dennoch: „Ganz ungeschoren kommt er nicht davon“, sagt Andy Hilf. Und wenn der Trainer auch nur die Mannschaftskasse großzügig aufpäppelt.

Streit beim TSV Schmiden

Diese Sorgen hätten andere Vereine gerne. In Schmiden streiken die Spieler. Im Training kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Thomas Haaf und Bernd Krug. Dumm für Krug ist, dass Haaf auch Abteilungsleiter ist: Der sperrt Krug fürs nächste Spiel, was wiederum andere Spieler auf den Plan bringt. Sie zeigen sich solidarisch mit Krug. So fällt das nächste Spiel aus.

Auch der FV Weinstadt II wartet vergeblich auf Gegner Inter Waiblingen. Den Italienern laufen so viele Spieler davon, dass sie vom Meisterschaftsanwärter zum Kanonenfutter werden. Inter tritt schließlich gar nicht mehr an, will erst in der kommenden Saison wieder mitmischen.

Das bringt Staffelleiter Heinz Bardua auf die Palme. Er wehrt sich aber vehement dagegen, Staffelleiter der „Busch-Liga“ zu sei. Wobei das fast so aussieht. Zumindest geht es wild zu beim Spiel Panellinios Waiblingen gegen Eintracht Winnenden. Beleidigungen, Spucken, heftige Fouls, ein Spieler wird mit der Linienrichterfahne bedroht, zudem soll einem Winnender Spieler gegen sein Fahrrad getreten worden sein. Falsch, sagen die Waiblinger: Der Winnender habe sein Fahrrad selbst gegen einen Waiblinger geworfen. Vielleicht ist all das aber auch übertrieben. Im Spielbericht ist lediglich von einem kleinen Gerangel die Rede.

Die griechischen Kicker streiten untereinander

Panellinios Waiblingen hat ohnehin ganz andere Sorgen. Der Verein fühlt sich von der griechischen Gemeinde verfolgt. Aus politischen Gründen würde der Konkurrenzverein Hellenen Waiblingen bevorzugt. Nicolaos Dimitriadis, Vorsitzender von Panellinios, kann sich dennoch eine Fusion beider Vereine vorstellen. Bis das aber beide Vereine so sehen, dauert es noch 17 Jahre: 2009 fusionieren Panellinios und die Hellenen zu Iraklis Waiblingen.

An eine Busch-Liga denkt Charly Braun, Spielleiter beim TuS Schorndorf, wahrscheinlich nicht, aber er hat einen Plan: Aus den drei Bezirksligen B im Bezirk Rems-Murr sollen bald vier werden. Reservemannschaften, die nur das Vorspiel der Ersten bestreiten, seien überholt, sagt er. Braun muss nicht so lange warten wie die Griechen. Die B IV geht 1992 an den Start.

Jugendspieler für ein Jahr gesperrt?

Und schließlich gibt es auch noch Aufregung in der Jugend beim SV Hegnach. Zwei D-Jugendliche wollen den Verein verlassen, melden sich aber erst nach dem 30. Juni ab. Weil der SVH auch noch die Freigabe verweigert, sind die beiden ein Jahr lang gesperrt. Nach einigen hitzigen Diskussionen stimmen die Hegnacher dem Abgang doch zu. Die Jungs dürfen vom 1. November an für ihren neuen Verein VfL Waiblingen spielen.