Rems-Murr-Sport

Zeitreise Fußball: Entlassung am Frühstückstisch

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Roger Schreiner tanzt 1992 seine Gegner reihenweise aus, die Spvgg Rommelshausen steigt trotzdem aus der Landesliga ab. Foto: Schrade © ZVW/Richard Schrade
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Andy Ertel und der SC Korb schneiden diesmal nicht so gut ab.
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Da lacht er noch. Heiko Zander (hier neben Schorndorf-Torwart Frank Engel) ist nie um einen frechen Spruch verlegen. Eines Tages aber bricht er direkt nach einem Spiel zusammen.

Ein schlechtes Jahr ist die Fußballsaison 1992/93 für die Trainer. Jede Menge Entlassungen, sogar beim Frühstückskaffee am Sonntagmorgen. Auch die Schiedsrichter haben einigen Ärger – und sei es auch nur damit, den richtigen Platz zu finden.

In der 18 Mannschaften umfassenden Landesliga erwischt es diesmal zwei Rems-Murr-Teams: SV Allmersbach und Spvgg Rommelshausen steigen ab. Trotzdem bleiben noch sechs Mannschaften aus dem Kreis in der Liga, und das dicht beieinander. TSG Backnang, im Vorjahr aus der Verbandsliga abgestiegen, und Viktoria Backnang sowie SV Fellbach, Schorndorf im ersten Jahr als SG und der SC Korb, der sich mehr erwartet hat, belegen die Plätze vier bis acht. Aufsteiger SC Urbach schafft es entgegen der Prognosen der Konkurrenz auf Platz zehn. Torschützenkönig wird Damir Medenjak von der SG Schorndorf mit 29 Treffern vor Hans-Jörg Walter (Vikt. Backnang, 20), Achim Merkler (SC Korb) und Andy Hilf (SC Urbach).

In der vom ZVW zusammengestellten Landesligaauswahl stehen:

Trainer: Joannis Fotarellis (SC Urbach). Tor: Frank Buchholz (SC Urbach). Abwehr: Roland Eidher (SG Schorndorf), Roberto Sadler (TSG Backnang), Oliver Spindler (SV Allmersbach), Mathias Fischer (SV Fellbach). Mittelfeld: Jürgen Kopp (SG Schorndorf), Reiner Ebert (Vikt. Backnang), Andy Hilf (SC Urbach), Klaus Falkenburg (SV Fellbach). Angriff: Hans-Jörg Walter (Vikt. Backnang), Achim Merkler (SC Korb). Ersatz: Uwe Müller (SC Korb), Damir Medenjak (SG Schorndorf), Elefterios Chatzikiriakos (SC Urbach), Ralf Kosztovics (Vikt. Backnang).

Viele Trainer müssen gehen

Es ist eine unruhige Saison. Schon Anfang November sind acht Trainer entlassen, darunter in der Landesliga Peter Grund (Rommelshausen, Nachfolger Peter Hettich), Harry Griesbeck (Vikt. Backnang, Nachfolger Richard Wolf), Manfred Römer (SG Schorndorf, Nachfolger bis Saisonende Oskar Karsch). In Schorndorf treten im ersten Jahr der Fusion zudem Abteilungsleiter Hans-Christoph Steeb und Spielleiter Horst Wilhelm zurück. Abteilungsleiter wird Paul Brauchler.

In Rommelshausen erfährt Peter Grund am Sonntagmorgen beim Frühstückskaffee von Abteilungsleiter Rolf Brazel, dass er nachmittags nicht mehr Trainer ist. Grunds Posten übernimmt Peter Hettich. Der ist zwar beim TSV Schwaikheim Coach, nimmt aber – durchaus mit schlechtem Gewissen – das „Römer“ Angebot an. Die Schwaikheimer sind entsprechend sauer.

Und es geht gerade so weiter. Beim SV Fellbach zieht sich Robert Lindmayer aus dem Management zurück und übernimmt die Stelle von Manfred Jung, der sich zum Verbandsligisten VfR Heilbronn verabschiedet. In Rudersberg stellt Klaus-Dieter Kamp seinen Posten zur Verfügung. Der TSV, vor zwei Jahren noch in der Landesliga, spielt nur noch in der Kreisliga A. Auch der SV Plüderhausen, mittlerweile auch wieder in der Kreisliga A, verliert Trainer Piotr Czaja an Landesligist TSB Schwäbisch Gmünd.

Beim SC Urbach läuft es zwar gut, er hat viele Zuschauer, oft Frauen, die nur wegen Spielertrainer Fotarellis kommen, doch beim SC wird es trotzdem eine Veränderung geben. 93/94 wird Fotarellis von Harry Kellner unterstützt.

Zusammenbruch direkt nach Spielende

Aufregung gibt es um Heiko Zander. Ausnahmsweise nicht wegen eines forschen Spruchs des Stürmers, um den er sonst nie verlegen ist. Diesmal aber erwischt es ihn selbst heftig. Zander bricht nach dem Schlusspfiff des Spiels SG Schorndorf – SV Fellbach auf dem Platz zusammen. Wegen starker Bauchschmerzen kommt er – zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche – ins Krankenhaus. Wenig später ist er wieder fit. Ein Grund für die Schmerzen wird nicht gefunden.

In der Bezirksliga setzt ein Verein seinen Erfolgsweg fort, der bis in die 3. Liga führt – und ist dennoch unglücklich. Ursprünglich als Freizeitmannschaft gestartet, ist der FC Sonnenhof Kleinaspach diesmal Favorit in der Bezirksliga. Alle Konkurrenten setzen auf ihn, lediglich Görge Kalb, Trainer beim FC, wiegelt ab und muss am Ende doch der Konkurrenz recht geben. Der FC ist Meister – aber er steigt nicht auf. In dieser Saison ist – einmalig - eine Relegation nötig. Die Aspacher unterliegen dem FV Schluchtern vor 1200 Zuschauern mit 1:2.

Andreas Peuckert Spieler des Jahres

Torschützenkönig und gleichzeitig Spieler des Jahres in der Bezirksliga wird Andy Peuckert vom VfR Waiblingen. In der Kreisliga A II macht Trainer Siegfried Sommer den TSV Leutenbach (laut eigener Aussage diesmal nicht als harter Hund, sondern als Psychologe) zum Meister, in der A I steigt die SV Remshalden unter Spielertrainer Dietmar Hohn auf. Hohn allerdings verlässt die Spielvereinigung in Richtung VfL Winterbach. Nachfolger wird Uli Röger. Den Titel in der B I holt der TSV Neustadt.

Schiedsrichter geschlagen und bis nach Hause verfolgt

Einigen Ärger verursachen Spiele deutscher Mannschaften gegen ausländische Teams. Der WFV hat die ausländischen Ligen aufgelöst, die 80 italienischen, griechischen, spanischen und türkischen Mannschaften sollen im Spielbetrieb der deutschen mitmischen und die Integration voranbringen. Das allerdings ist mit deutlichen Anfangsproblemen behaftet.

So muss Schiedsrichter Anton Steinhauser beim Spiel Türkgücü Fellbach gegen SV Fellbach II Schläge und Tritte von türkischen Spielern ertragen und schließlich noch den Vorwurf, betrunken gewesen zu sein. Nur durch die Hilfe von Spielern des SV Fellbach II sei er einigermaßen ungeschoren entkommen. Eine johlende Menge aber habe ihn bis nach Winnenden verfolgt. Ob Steinhauser bei allen Entscheidungen richtig lag, lässt sich nicht nachweisen. Sein Alkoholgehalt im Blut aber beträgt 0,0 Promille.

Üble Beschimpfungen gibt es auch beim Spiel SSV Steinach-Reichenbach gegen Panellinios Waiblingen. „Es gibt kein Schimpfwort, das die Steinacher Zuschauer nicht benutzt haben“, sagt Theo Damaskinidis von Panellinios. Vor allem der dunkelhäutige Jemane Keleta im griechischen Team habe leiden müssen. Die Steinacher sehen das anders. Die Südländer seien eben ein wenig empfindlich. Wenn der SSV gegen Buhlbronn spielt, sei’s viel schlimmer.

Ausraster einzelner (Vereine) schaden allen anderen ausländischen Mannschaften. So beschwert sich ASGI Schorndorf, dass sie bisweilen mit dem Satz „Die Schnapper kommen“ empfangen werden. Auch innerhalb ausländischer Vereine sind sich nicht alle grün. Stipe Stanic beispielsweise führt Zrinski Waiblingen (Kreisliga A) wie ein Alleinherrscher. Er wechsle die Mannschaft nach und nach komplett aus, hole aus Kroatien einen Kriegsflüchtling nach dem anderen. Immerhin: Viele davon haben höherklassig gespielt. Was sich bald auch auszahlen soll.

Ganz andere Probleme hat Schiedsrichter Robert Bareis aus Welzheim. Als er am Montag die Zeitung aufschlägt, fühlt er sich wie im falschen Film. Das Spiel der Kreisliga B IV zwischen SV Remshalden II und ARIS Murrhardt ist ausgefallen, weil kein Schiedsrichter erschienen ist. Das gibt’s doch nicht, denkt sich Bareis. Ich war doch da. Bloß sonst niemand. Wie sich herausstellt, stand Bareis auf dem Stegwiesensportplatz. Die zweite Remshaldener Mannschaft aber spielt in Grunbach. Blöd gelaufen.

Meister und Absteiger

Bezirksliga: Meister: FC Sonnenhof-Kleinaspach. Absteiger: SG Schorndorf II, TSV Nellmersbach.

Kreisliga A I: Meister: SV Remshalden. Absteiger: SKV Waiblingen, TSV Rudersberg, TSV Großheppach.

Kreisliga A II: Meister: TSV Leutenbach. Absteiger: SK Fichtenberg, FC Oberrot.

Kreisligen BI: Meister. TSV Neustadt.