Handball im Rems-Murr-Kreis

Saisonrückblick: Die Waiblinger Zweitliga-Handballerinnen sind noch kein Spitzenteam

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Viel Gesprächsbedarf in dieser Saison: Trainer Thomas Zeitz (Zweiter von links) und Co-Trainer Adrian Müller mit (von links) Vivien Jäger, Sinah Hagen, Kyra Teixeira da Silva, Julia Schraml, Vanessa Nagler. © Ralph Steinemann

Platz sechs mit 29:23 Punkten, mehr ist für die Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen heuer nicht drin gewesen. Ganz okay, aber eben zu wenig für die Ansprüche des Vereins und des neuen Trainers Thomas Zeitz. Das größte Problem waren die zu starken Leistungsschwankungen. Dem Team fehlten mit einer Ausnahme die Führungspersönlichkeiten.

In der vergangenen Spielzeit, noch unter Coach Nicolaj Andersson, war der VfL zehn Partien lang ohne Niederlage geblieben. Eine solche Erfolgsserie gelang den Waiblingerinnen diesmal nicht. Gab es mal drei Siege in Folge, war’s das auch schon wieder.

In der Vorsaison hatte sich die Mannschaft stets auf ihre Torfabrik Ann Kynast verlassen können, wenn’s mal klemmte. Doch nach ihrem Wechsel zum Erstligisten HSG Blomberg-Lippe schaffte es der Club nicht, die überragende Spielerin zu ersetzen.

Sinah Hagen macht einen deutlichen Leistungssprung

Vom Neuzugang Lucija Zeba hatte sich Waiblingen viel erhofft. Sie blieb aber hinter den Erwartungen zurück und verabschiedete sich noch während der Saison wieder in ihr Heimatland Kroatien. Auch Außenspielerin Simona Nikolovska, die es nicht schaffte, an ihre starke Vorsaison anzuknüpfen, warf im Winter das Handtuch.

Dafür machte immerhin eine Spielerin noch mal einen deutlichen Leistungssprung: Sinah Hagen. Die 24-Jährige avancierte als Spielmacherin und Torschützin zur herausragenden Waiblingerin. Sogar ligaweit ist sie zur zweitbesten Spielerin der Saison gekürt worden, in der Torschützenliste belegt sie mit 139 Treffern Rang sieben. Der Verein kann sich glücklich schätzen, dass Hagen dem Team erhalten bleibt.

Waiblingen hat alle Spiele gegen Topteams verloren

Erfrischend offen analysiert Trainer Thomas Zeitz die abgelaufene Runde. Sein Saisonziel war es, unter 20 Minuspunkten zu bleiben. „Das haben wir nicht geschafft. Wir stehen jetzt da, wo wir vom Leistungsstand hingehören.“

Zeitz bemüht die Statistik: Gegen die besten vier, Meister Zwickau, Berlin, Herrenberg und Lintfort, gingen alle Spiele verloren, gegen die Teams zwischen den Plätzen fünf und acht gab es jeweils einen Sieg und eine Niederlage. „Und gegen die Konkurrenten ab Platz neun haben wir bis auf das Unentschieden gegen Kirchhof alles gewonnen.“

Gleich einen Knacks gegeben habe den Waiblingerinnen der verpatzte Saisonstart. Kurz zuvor waren sie beim Turnier in Halle auch dank Siegen über Zwickau und Berlin bestes Zweitligateam geworden. Selbstbewusst fuhr der VfL zum ersten Punktspiel bei den Berliner Füchsinnen. „Und dann kriegen wir richtig auf den Sack.“

Das 18:29 „war für die Mannschaft ein Schlag ins Kontor“. Dem gleich das 21:27 im ersten Heimspiel gegen Leipzig folgte.

Nur manchmal überdurchschnittlich gut präsentiert

Zeitz glaubt aber, dass es selbst bei einem besseren Saisonbeginn höchstens zu Platz vier gereicht hätte. Denn insgesamt „waren die Schwankungen zu groß“. Manchmal habe sich das Team überdurchschnittlich gut präsentiert. Ein Beispiel war das 38:24 zu Hause gegen Solingen. „Aber wir hatten zu viele und zu extreme Ausschläge nach unten. Dann haben wir richtig schlecht gespielt und immer wieder die gleichen einfachen, dummen Fehler gemacht.“

Das gelte vor allem für den Angriff, während die Deckungsarbeit im Vergleich zur Vorsaison einen Tick besser geworden sei. Die Offensivschwäche spiegelt sich in der Statistik: „Wir hatten eine schlechte Trefferquote beim Siebenmeter und von außen, und die Quote bei den freien Würfen war allenfalls durchschnittlich.“

Besonders ärgerten den Coach die unnötigen Pleiten gegen Herrenberg (23:25 und 22:26) und zu Hause gegen Lintfort (24:25). Für ihn Belege dafür, dass dem VfL in dieser Saison abgesehen von Hagen Spielerinnen mit Leader-Qualitäten fehlten. Verschärft worden sei die Lage im weiteren Verlauf durch die verletzungsbedingt langfristigen Ausfälle von Branka Zec (Tor), Louisa De Bellis und Mariel Wulf.

Thomas Zeitz übt aber auch Selbstkritik. Er ist ein Trainer, der von den Spielerinnen viel Eigenverantwortung auf dem Feld verlangt. „Aber ich habe die Ansprüche zu schnell hochgeschraubt. Ich hätte es langsamer angehen müssen.“

Die Neuzugänge sollen die Mannschaft mitreißen

Trotz aller Probleme – gänzlich unzufrieden ist der Coach mit der Runde nicht. „Es wäre völlig verkehrt zu sagen, es war alles Käse. Es geht jetzt darum, die Schwächen zu reduzieren.“ Dafür seien die Neuzugänge geholt worden. Der VfL brauche mehr Spielerinnen, die ein Team mitreißen können, wenn es mal deutlicher zurückliegt.

Zeitz’ Hoffnungen für die kommende Saison ruhen besonders auf der erfahrenen und sehr torgefährlichen Spielmacherin Diana Sabljak (bisher SG Kirchhof, in dieser Saison mit 165 Treffern die viertbeste Schützin der Liga), Samira Brand (vom Erstliga-Absteiger Kurpfalz Bären, Rückraum) und Linksaußen Rabea Pollakowski (vom Zweitliga-Absteiger HC Rödertal).

Auch Vorstandsmitglied Müller hätte mehr erwartet

Eine „ordentliche“ Runde des VfL war's für Vorstandsmitglied Peter Müller. Er hätte sich aber „fünf, sechs Punkte“ mehr gewünscht. Nun hofft er, dass die Mannschaft so schnell wie möglich wieder in die derzeit als Impfzentrum genutzte Rundsporthalle zurückkehren und die für Liga zwei ungeeignete Stauferhalle verlassen kann.

Gerne hätte der Verein den Umzug der Bittenfelder Erstliga-Handballer in die Stuttgarter Porsche-Arena dazu genutzt, das Zweitliga-Team künftig in der Scharrena spielen zu lassen. Der Plan habe sich aber schon mangels freier Trainingstermine zerschlagen. „Der TVB trainiert ja weiter in der Scharrena, und die Erstliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart haben dort sogar 14 Einheiten pro Woche.“

Dennoch erwartet die Handball-Fans, so sie denn wieder in die Hallen dürfen, eine spannende Zweitliga-Saison. Gleich zum Auftakt wird es einen Kracher geben: Der VfL Waiblingen, der Termin steht noch nicht fest, spielt beim Absteiger FA Göppingen. Und damit auch gegen Louisa De Bellis, die zu Frisch Auf wechselt.

Platz sechs mit 29:23 Punkten, mehr ist für die Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen heuer nicht drin gewesen. Ganz okay, aber eben zu wenig für die Ansprüche des Vereins und des neuen Trainers Thomas Zeitz. Das größte Problem waren die zu starken Leistungsschwankungen. Dem Team fehlten mit einer Ausnahme die Führungspersönlichkeiten.

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In der vergangenen Spielzeit, noch unter Coach Nicolaj Andersson, war der VfL zehn Partien lang ohne Niederlage geblieben. Eine solche

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