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Schorndorfer Horror-Szenario: Keine Fans, kein Spaß und dann noch Abstieg

Badminotn
Hofft auf Einsicht beim Badminton-Verband: SG-Teamchef Benjamin Wahl. © Ulrich Kolb

Stell’ dir vor, du feierst mit dem Sprung in die erste Liga den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Dann aber darfst du dich in der höchsten Klasse nur sporadisch und vor leeren Rängen präsentieren und steigst quasi ohne Spuren hinterlassen zu haben wieder ab. Das könnte nun dem Badminton-Team der SG Schorndorf drohen.

Wie berichtet ist der Spielbetrieb wegen der Pandemie bis zum Jahresende ausgesetzt. Nur zwei Spiele hat Aufsteiger Schorndorf absolviert, Zuschauer waren in der heimischen Karl-Wahl-Halle nicht zugelassen. Mit 1:6 verlor die SG gegen den SC Union Lüdinghausen, ein glattes 0:7 setzte es gegen ein weiteres Topteam, den 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim.

Kein Beinbruch eigentlich für den Aufsteiger, der mit seinem vergleichsweise kleinen Etat naturgemäß zu den Außenseitern gehört. Doch in der Tabelle ist die SG nun Letzter. Das könnte zum Problem werden, sollte der Deutsche Badminton-Ligaverband (DBLV) in den Ligen eins und zwei bei seiner Linie bleiben.

Wenn schon absteigen, dann sportlich fair

Trotz Wettbewerbsverzerrung, Spielausfällen und nun mindestens langer Unterbrechung wegen Corona „ist die Ermittlung des deutschen Meisters und der Auf- und Abstieg als oberstes Ziel ausgegeben worden“, bemängelt der Schorndorfer Teamchef Benjamin Wahl. Freilich ist die SG ein heißer Abstiegskandidat. Doch sportlich fair möchte die Mannschaft die Runde schon ausgetragen sehen.

Seit vergangener Woche sind die Vereine vom DBLV dazu aufgerufen, sich Gedanken zu machen, wie es in den Ligen weiterlaufen soll. In der Diskussion ist beispielsweise, vom kommenden Jahr an nur eine Halbserie auszutragen. Die Schorndorfer Position fasst Wahl so zusammen: „Wir würden gerne spielen. Aber man sollte nicht krampfhaft versuchen, die Saison zu werten.“

„Du weißt nicht, wofür du trainierst“

Denn die Vereine sind durch Corona gestraft genug. Zwar dürfen die Erstligisten dank Sonderregelung weiterhin in der Halle trainieren. Doch ob und wann der Spielbetrieb wieder startet, kann niemand sagen. Auch Einzelwettkämpfe sind nicht in Sicht. Abgesagt worden sind unter anderem die baden-württembergischen Meisterschaften der Aktiven, die Anfang Dezember in Schorndorf stattgefunden hätten.

„Die Lage ist generell komisch“, sagt Benjamin Wahl. „Du trainierst vor dich hin und weißt nicht, wofür.“ Immerhin finanziell wird die SG laut Teamchef wohl nicht in allzu große Schwierigkeiten geraten.

Trotz der Krise habe der Verein gute Sponsoren gefunden, die zu ihm halten. Außerdem müsse die SG für ausländische Spieler derzeit keine Siegprämien und Übernachtungskosten bezahlen. Wahl befürchtet jedoch, dass manch anderer Bundesliga-Club die Krise vielleicht nicht durchstehen wird. Und da denkt der Verband allen Ernstes darüber nach, in dieser Achterbahnsaison wie gewohnt Auf- und Absteiger zu küren?

Ernüchterung und Frust statt Erstliga-Lust

Wahls Horrorszenario sähe so aus: „Die Bundesliga-Runde wird durchgedrückt, und wir steigen ab, ohne dass jemand mitgekriegt hat, dass wir in der ersten Liga waren.“ Gefreut hatte sich die SG auf volle Hallen und höchstes Spielniveau, die Sponsoren sollten gut repräsentiert werden. Doch nun herrschen Ernüchterung und Frust.

Manchmal, sagt Wahl, geistere ihm der Gedanke im Kopf rum, „dass es mir am liebsten wäre, die Saison wäre schon vorbei“. Einfach abbrechen, alles auf null stellen und im Herbst 2021 mit einer richtigen Erstliga-Runde wieder einsteigen. Klingt gut? Na ja. Fast ein Jahr ohne Ligaspiel wäre auch nicht gerade prickelnd.

Wie's in der Bundesliga weitergeht, wird sich bald zeigen. Irgendwann zwischen dem 7. und 20. Dezember soll das Thema in einer Videokonferenz erörtert werden.

Stell’ dir vor, du feierst mit dem Sprung in die erste Liga den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Dann aber darfst du dich in der höchsten Klasse nur sporadisch und vor leeren Rängen präsentieren und steigst quasi ohne Spuren hinterlassen zu haben wieder ab. Das könnte nun dem Badminton-Team der SG Schorndorf drohen.

Wie berichtet ist der Spielbetrieb wegen der Pandemie bis zum Jahresende ausgesetzt. Nur zwei Spiele hat Aufsteiger Schorndorf absolviert, Zuschauer waren in der

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