Rems-Murr-Sport

Selbstversuch im Flag-Football bei der SG Schorndorf: Am Ende geht die Puste aus

Flag Football
ZVW-Volontär Benedikt Iwen (am Ball) hat sich bei der SG Schorndorf einen Eindruck vom Flag Football verschaffen dürfen. © Gabriel Habermann

Der Trainer ruft etwas auf Englisch, doch ich verstehe kein Wort. Ich soll hinter ihm herlaufen, den Ball nehmen und einfach nach vorne rennen. Bei den ersten beiden Versuchen verpasse ich das Zeichen und denke nur: „Mist, schon wieder zu spät losgelaufen.“ Es braucht einige Wiederholungen, bis ich die Abläufe beim Flag Football verstehe.

„Ich soll Football spielen? Das kann ja was werden“, dachte ich, als mir in der Redaktion der Vorschlag unterbreitet wurde, bei der Flag-Football-Mannschaft der SG Schorndorf mitzutrainieren. Bisher war ich schon mit American Football überfordert. Was soll denn Flag Football sein?

Das will ich herausfinden und gehe zum Training der Schorndorfer. Schutzausrüstung brauche ich nicht, im Flag Football gibt es keine harten Zweikämpfe. Das Einzige, was ich mitbringen soll, sind für Kunstrasen geeignete Schuhe und Sportklamotten.

Flagge ziehen statt hartem Zweikampf 

Anstatt wie beim klassischen American Football den Gegner mit dem Körper auf den Boden zu schmeißen, wird ein Angriff im Flag Football gestoppt, indem eine Flagge aus dem Gürtel des Gegners gezogen wird. Angst, mit Knochenbrüchen oder ähnlichen Verletzungen heimzukehren, ist dort also unbegründet.

Die Flaggen sind in einer schraubenförmigen Halterung befestigt und lassen sich leicht entziehen, bei der später trainierten Spielform gelingt es mir beim ersten Versuch. Ganz ohne Körperkontakt.

Die „Power Puffins“, wie sich die Schorndorfer Mannschaft nennt, trainieren zweimal pro Woche auf dem Kunstrasenplatz im Sportpark Rems. Das Feld wirkt zunächst klein. „Hier wird Football gespielt?“, denke ich. Nichtsahnend, wie viel ich in den nächsten zwei Stunden noch laufen werde. Es sind Minusgrade, ich bin der Erste am Platz und schaue erst noch ein paar Minuten beim Fußballtraining auf dem gegenüberliegenden Rasenplatz zu. Dort wüsste ich zumindest, was auf mich zukommt.

Ein netter Empfang 

Dann werde ich von dem Abteilungsleiter Christoph Gauermann begrüßt. Ein kräftiger Kerl, der, wie er sagt, auch schon das körperbetonte American Football gespielt hat. Das glaube ich sofort. Und wie ich schnell lerne, sagen sie dazu hier Tackle Football.

Gauermann erzählt mir einiges über die noch junge Geschichte der Abteilung. Ich merke ihm seine Football-Leidenschaft an, verstehe aber ehrlich gesagt nichts, als er mir im Vorfeld die verschiedenen Positionen und Regeln erklärt. Nach und nach versammeln sich immer mehr Spieler und Spielerinnen am Platz. Ja richtig, Spielerinnen. Flag Football kann sogar gemischt gespielt werden. Jeder macht sich einen Gürtel mit zwei Flaggen um die Hüfte, dann fängt die Einheit mit einem lockeren Warmmachen an. Kurze Sprints, Arme rotieren und Bewegungswechsel. Übungen, um sich auf das Laufen und Fangen vorzubereiten.

Das Fangen bereitet noch Schwierigkeiten

Anschließend werden Passrouten und Laufwege geübt. Mit einer Körpertäuschung am Gegenspieler vorbei und dann den zugeworfenen Ball fangen. Kleine Hütchen dienen dabei als Markierungen. Es sieht am Anfang schwieriger aus, als es tatsächlich ist. Einzig das Fangen des eiförmigen Balls stellt sich für mich noch als Herausforderung dar.

Die meisten haben Football-Handschuhe an, die einen besseren Halt versprechen. Ich muss auf gewöhnliche Strickhandschuhe zurückgreifen, die zwar keinerlei Profil haben, aber mir zumindest die Angst davor nehmen, beim Fangen mit den Fingern umzuknicken.

Im Spiel sind die richtigen Laufwege entscheidend

Als Letztes wird das Ganze in einer Spielform umgesetzt. Fünf gegen fünf, Offensive gegen Defensive. Anders als im Fußball gibt es kein ausgefeiltes Passspiel. Das muss ich lernen, als ich zum ersten Mal den Ball zugeworfen bekomme. „Was soll ich jetzt machen?! Oh je!“, rasen mir die Gedanken durch den Kopf. Ein Mitspieler steht weiter vorne positioniert, ich werfe ihm intuitiv den Ball zu und merke schnell, dass hier irgendetwas falsch läuft. Das Gelächter ist groß und der Spielzug unterbrochen. Im Nachhinein muss ich selbst lachen, denn der Fokus liegt auf den Laufwegen.

Wer den Ball bekommt, muss rennen. Nicht nach links oder rechts gucken, einfach nur in die Endzone sprinten. Damit das klappt, gibt es zahlreiche Systeme, die vor jedem Versuch besprochen werden. Trainer Nicolai Zehnder trägt ein Armband, in dem kleine Zettel befestigt sind. Auf den Zetteln sind die Spielsysteme erklärt. Jeder sieht anhand verschiedenfarbiger Linien und Zuteilungen, wohin er laufen muss. Gemeinsam wird sich für eine Variante entschieden.

Mit der Zeit kommt die Routine, doch die Ausdauer verschwindet 

Für die Positionen und Raumaufteilungen werden englische Begriffe verwendet. Safety, Blitz, Berlin? Ich verstehe immer noch nichts. Mit den Wiederholungen der Spielzüge kommt zum Ende hin aber selbst für mich etwas Routine in das Spiel. Als das Training nach gut zwei Stunden vorbei ist, bin ich froh. Meine Ausdauer ist nicht mehr das, was sie mal war. Von den Minusgraden spüre ich nichts mehr. Als am Tag danach die Knie wehtun, merke ich, dass ich wohl ewig nicht mehr so viel gelaufen bin.

Der Trainer ruft etwas auf Englisch, doch ich verstehe kein Wort. Ich soll hinter ihm herlaufen, den Ball nehmen und einfach nach vorne rennen. Bei den ersten beiden Versuchen verpasse ich das Zeichen und denke nur: „Mist, schon wieder zu spät losgelaufen.“ Es braucht einige Wiederholungen, bis ich die Abläufe beim Flag Football verstehe.

„Ich soll Football spielen? Das kann ja was werden“, dachte ich, als mir in der Redaktion der Vorschlag unterbreitet wurde, bei der

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