Corona-Krise

Sport will konkrete Regelungen: «Mutigere Öffnungsschritte»

Angela Merkel
Kanzlerin Angela Merkel verkündet eine schrittweise Öffnung für den Sport in Deutschland. Foto: Markus Schreiber/AP POOL/dpa © Markus Schreiber

Berlin (dpa) - Die ersten Lockerungen nach monatelangem Lockdown sorgen im deutschen Sport noch nicht für die große Rückkehr-Euphorie.

Nur wenige Stunden nach dem Beschluss von Bund und Ländern für einen Stufenplan zur schrittweisen Öffnung forderte nicht nur der Deutsche Fußball-Bund möglichst rasche konkrete Vorgaben. «Ich hätte mir mutigere Öffnungsschritte gewünscht», sagte DFB-Chef Fritz Keller, für den der Plan einen «ersten Schritt» darstellt. Gleichzeitig mahnte er «klare, umsetzbare Regelungen» an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten am Mittwochabend nach zähem Ringen verschiedene Schritte der Öffnung auch für den Sport beschlossen. Abhängig von regionalen Corona-Inzidenzwerten können die Bundesländer ab dem 8. März als erste Maßnahme kontaktfreien Sport unter freiem Himmel in kleinen Gruppen mit maximal zehn Personen vorsehen.

Der Besuch von Fitnessstudios und Spiele im Amateurfußball sind beispielsweise aber erst später möglich. Dies gilt frühestens ab dem 22. März - bei höheren Inzidenzen braucht es dafür einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder Selbsttest. Hallensportarten mit Kontakt sind im März gar nicht erlaubt. Wie die Beschlüsse konkret umgesetzt werden, ist Sache der einzelnen Bundesländer.

Als «ersten Hoffnungsschimmer» wertete DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Öffnungsplan. «Jetzt kommt es entscheidend darauf an, dass die Länder und die jeweiligen Kommunen die gebotenen Freiheitsgrade auch im Sinne des Sports nutzen», mahnte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds. Bei der Umsetzung des verabschiedeten Stufenplans forderte Hörmann Augenmaß und hohes Verantwortungsbewusstsein ein. Dann könne «die verordnete Bewegungslosigkeit unserer 90 000 Vereine und der 28 Millionen Mitglieder bald ein Ende finden».

Das Ende ist aber noch nicht für alle Sportler greifbar. Erst in einem nächsten Öffnungsschritt kann es nach 14 Tagen und damit frühestens ab dem 22. März wieder kontaktfreien Sport im Innenbereich oder Kontaktsport draußen geben - aber nur bei einer stabilen Inzidenz unter 50. Auf keinen Fall vor dem 5. April können Hallensportarten mit Kontakt betrieben werden.

Aus Sorge um den Nachwuchs regte Handball-Boss Andreas Michelmann deshalb eine Rückkehr zu den Wurzeln der Sportart an. «Wir müssen schauen, dass wir in nächster Zeit stärker ins Freie gehen. Das kennen wir ja aus den vergangenen Jahrzehnten. Wir waren das nur nicht mehr gewohnt, aber jetzt müssen wir das machen, damit uns andere Sportarten die Kinder nicht abwerben», sagte der Präsident des Deutschen Handballbundes der Deutschen Presse-Agentur. «Wir müssen mit den Kindern wieder ins Training kommen und auch in die Wettkämpfe.»

In der stufenweisen Öffnungsstrategie für den Amateur- und Breitensport ist dabei eine Notbremse eingebaut: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort die Erleichterungen wieder gestrichen.

Seit Monaten hatte der Lockdown Sportler im Hobby- und Leistungsbereich gebremst. Seit Anfang November durfte nicht mehr gespielt, nicht einmal mehr trainiert werden. Lockerungen bei dem Verbot von Zuschauern in der Fußball-Bundesliga und weiterem Profisport sind in dem Beschluss gar nicht genannt.

Die möglichen Öffnungen für den Sport sind dem Beschluss zufolge in diverse Schritte unterteilt. Ein Überblick:

Dritter Öffnungsschritt ab dem 8. März (in den ersten beiden ist der Sport nicht berücksichtigt):

- Inzidenz unter 50: kontaktfreier Sport mit maximal zehn Personen unter freiem Himmel

- Inzidenz zwischen 50 und 100: Individualsport im Freien mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten. Dazu Sport mit maximal 20 Kindern unter 14 Jahren unter freiem Himmel

Vierter Öffnungsschritt - frühestens ab dem 22. März:

- Inzidenz unter 50: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport draußen

- Inzidenz zwischen 50-100: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport draußen - jeweils mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest

Fünfter Öffnungsschritt - frühestens ab dem 5. April:

- Inzidenz unter 50: Kontaktsport drinnen

- Inzidenz zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport im Freien - jeweils ohne Test

© dpa-infocom, dpa:210304-99-678611/7