Bundesliga

Trainersuche beim VfB: Noch einmal jemand für «1000 Tage»

Jess Thorup
Medienberichten zufolge ist Trainer Jess Thorup ein Kandidat als Matarazzo-Nachfolger beim VfB Stuttgart. © Marco Steinbrenner

Stuttgart (dpa) - Es hat ein paar Tage gedauert, bis Sven Mislintat wieder in den Angriffsmodus übergehen konnte. Die Trennung nach etwas mehr als 1000 Tagen von seinem Kumpel und Trainer Pellegrino Matarazzo war am Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart nicht spurlos vorbeigegangen.

Nach dem erlösenden ersten Saisonsieg beim 4:1 (2:1) gegen Schlusslicht VfL Bochum, das die Schwaben unter der Leitung von Interimstrainer Michael Wimmer bejubelten, war von Niedergeschlagenheit aber kaum noch etwas zu spüren. Breitbeinig dastehend und selbstbewusst stellte sich Mislintat geduldig den Fragen - doch die Kritik an seiner Person wird lauter.

Babbel äußert Kritik an Mislintat

Mislintat suche einen Trainer, «den er wieder so manipulieren und so instruieren kann, damit er nach wie vor der starke Mann ist», sagte der frühere Stuttgarter Profi und Trainer Markus Babbel im Sport1-«Doppelpass» am Sonntag. Dass Mislintat in der Partie gegen Bochum längere Zeit auf Chris Führich vor dessen Einwechslung eingeredet hatte, wertete Babbel als «Affront» gegen Interimscoach Wimmer.

Schon unter Matarazzo war Mislintat nah an der Mannschaft dran, und das dürfte sich auch im Zusammenspiel mit dem Nachfolger des Italoamerikaners nicht ändern. Auf der Kandidatenliste sollen inzwischen nur noch zwei Namen stehen. Wohl auch jener von Jess Thorup, der sich Medienberichten zufolge bereits für Gespräche in Stuttgart aufgehalten habe. Thorup wäre verfügbar, da er vor etwa einem Monat beim FC Kopenhagen entlassen wurde.   

Einblicke gibt Mislintat nicht. Mit großer Verwunderung habe er die vielen potenziellen Kandidaten zur Kenntnis genommen. «Nur einen Namen, über den wir ernsthaft diskutiert haben, habe ich in den Medien gelesen. Fünf Absagen haben wir nicht bekommen», sagte Mislintat. Klar ist: Ein «Feuerwehrmann» steht nicht auf der Liste. «Wir suchen eben jemanden», verriet der Sportdirektor, «mit dem wir noch einmal 1000 Tage arbeiten können».

Dass er von einer «Wir»-Entscheidung spricht, ist nicht selbstverständlich. Zuletzt war immer wieder von Problemen im Binnenverhältnis zwischen Mislintat und dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle zu lesen gewesen. Beide wollen von einem Machtkampf nichts wissen. «Wenn Sven Mislintat und Alexander Wehrle ein massives Problem miteinander hätten, hätte Alex Wehrle sagen können, dass er so nicht arbeiten kann», sagte der Club-Boss beim Pay-TV-Sender Sky. «Er hätte dann einen neuen Sportdirektor holen können. Dann wäre er aber nicht mit Mislintat in die Transferperiode gegangen.» 

Die Vertragsverhandlungen mit dem Kaderplaner, dessen Kontrakt im Juni 2023 endet, sollen während der WM-Pause im November stattfinden. Der neue Coach aber soll schnellstmöglich feststehen. «Unabhängig davon, ob ich da bin oder nicht da bin - es ist ein Charaktertest, ob ein Trainer trotzdem kommt», so Mislintat. Der neue Coach soll passend zur Philosophie des Vereins junge Spieler weiterentwickeln, müsse «Bock haben und wissen, worauf er sich einlässt», sagte Mislintat. Wehrle stellte in der Trainersuche eine rasche Bekanntgabe in Aussicht. 

Wimmer fühlst sich in der zweiten Reihe wohl

Dass Wimmer auch noch in der zweiten Runde des DFB-Pokals am Mittwoch gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld (20.45 Uhr/Sky) an der Seitenlinie stehen wird, scheint mehr als fraglich. Dies sei nicht der Plan, sagte Mislintat. 

Am Sonntag leitete Wimmer das Training, danach wird er voraussichtlich bald wieder in die zweite Reihe rücken. Dort fühlte er sich aber auch schon unter Matarazzo und dessen Vorgänger Tim Walter wohl. «Er wird ein Teil des Teams bleiben, denn er hat eine wichtige Funktion und die kann er auch als Co-Trainer bei uns jederzeit weiter ausfüllen», sagte Mislintat.

Die Mannschaft fühlte sich unter Wimmers Leitung wohl. «Unser Trainer heute war Michael und wir haben 4:1 gewonnen. Vielleicht bleibt er», sagte Borna Sosa nach dem Befreiungsschlag, bei dem Silas Katompa Mvumpa doppelt (3./Elfmeter und 64.), Naouirou Ahamada (22.) und Wataru Endo für den VfB getroffen hatten. Bochum durfte nach dem 1:2 durch Simon Zoller (29.) nur kurzzeitig hoffen. «Er ist jetzt hier und hat es verdient, der Coach sein zu dürfen, weil er ein guter Mensch ist», sagte Sosa.