TVB Stuttgart

40 Minuten im Plan, dann zu ungeduldig

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Es war nicht einfach für den TVB, in der kompakten Magdeburger Deckung eine Lücke zu finden. Hier versucht sich Stefan Salger gegen (von links) Nemanja Zelenovic und Zeljko Musa (von links). Manuel Späth (9) und Tobias Schimmelbauer versuchen, Platz zu schaffen. © Eroll Popova

40 Minuten hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart dem SC Magdeburg einiges Kopfzerbrechen bereitet, führte kurz nach der Pause mit 16:14. Als die Konzentration beim TVB etwas nachließ, setzte sich der Favorit ab und siegte – etwas zu hoch – mit 34:26. Der TVB musste ohne Weiß und Kraus auskommen, für Orlowski war nach zehn Minuten Schluss.

Das klare Resultat lässt eine deutliche Überlegenheit der Magdeburger vermuten. Das Heimteam indes musste sich vor 5268 Zuschauern in der heimischen Getec-Arena kräftig strecken, bis die einkalkulierten Punkte unter Dach und Fach waren.

Michael Kraus musste mit Rückenproblemen passen

Dabei waren die personellen Voraussetzungen für den TVB alles andere als gut. Außer Dominik Weiß musste auch Michael Kraus mit Rückenproblemen passen. Und nach zehn Minuten war auch für Marian Orlowski aufgrund von Knieproblemen die Partie vorzeitig beendet. Damit fehlten dem Trainer Markus Baur die Alternativen im Rückraum – auch wenn Max Häfner seine Aufgabe hier ordentlich erledigte.

Der TVB hatte sich einen klugen Plan zurechtgelegt. Mit langen Angriffen suchte er, angeführt vom guten Michael Schweikardt, den sicheren Abschluss. Damit sollte die hervorragende erste und zweite Welle der Magdeburger verhindert werden. Und die eigene Deckung um den starken Mittelblock Manuel Späth/Samuel Röthlisberger war schnell auf den Beinen.

Der Magdeburger Torhüter Jannick Green hielt prächtig

Der SCM hatte Probleme im Positionsangriff, rannte zunächst einem knappen Rückstand hinterher. Jogi Bitter war beim ersten Siebenmeter von Robert Weber zur Stelle, auf der anderen Seite machte es Bobby Schagen von der Strafwurflinie besser: Nach zehn Minuten führte der TVB überraschend mit 5:3.

Dann jedoch kam einer auf Touren, der zum Spieler des Tages avancierte: Der Magdeburger Torhüter Jannick Green hielt prächtig und traf zudem beim 8:5 (18.) ins verwaiste Tor des TVB. Dem dänischen Nationalkeeper gelang dieses Kunststück später noch einmal. Viel wichtiger aus Sicht des SCM indes waren Greens Fangqualitäten: Nach 60 Minuten hatte er 42 Prozent der TVB-Würfe pariert.

Halbzeitstand: 14:14

Nach fünf Gegentreffern in Folge bat Markus Baur zur Auszeit. Der TVB hatte zunächst weiterhin Mühe, eine Lücke in der nun aufmerksameren Magdeburger Deckung zu finden. Beim 11:7 durch Nemanja Zelenovic (23.) schien der Favorit die Partie in den Griff zu bekommen, doch der TVB blieb dran.

Der SCM leistete sich den einen oder anderen technischen Fehler, Tobias Schimmelbauer stellte per Konter beim 12:13 (28.) den Anschluss her. Nach dem 14:12 versenkte Schagen einen Strafwurf zum 13:14 aus Sicht des TVB, Manuel Späth vergab gegen Green im finalen Konterangriff den 14:14-Ausgleich zur Pause. Es war gleichzeitig Greens neunte Rettungstat.

Der SCM nutzte technische Fehler gnadenlos aus

Konzentriert kehrte der TVB aus der Pause zurück. Schweikardt besorgte mit einem Doppelschlag beim 15:14 die erste Führung seit dem 5:4, dann parierte Bitter gegen Lukas Mertens und einen Siebenmeter von Weber. In Unterzahl zauberte Schagen anschließend einen Kempa-Trick auf Schweikardt, der zum 16:14 vollendete (37.).

Es war die beste Phase des TVB, die dann jedoch jäh zu Ende ging. Lange Zeit hatte er Magdeburger Konter durch geduldiges Angriffsspiel verhindert, damit war von nun an Schluss. Der SCM nutzte technische Fehler, unvorbereitete und überhastete Abschlüsse des Gegners gnadenlos aus. Es entwickelte sich die Partie, die sich der Favorit von Beginn an gewünscht hatte.

Eine nach dem Spielverlauf zu hohe Niederlage

Es ging nun schlichtweg zu schnell für die Gäste, die über 16:17 (36.), 17:19 (37.) und 18:20 (39.) vorentscheidend mit 18:23 (43.) ins Hintertreffen gerieten und weiterhin reihenweise an Green scheiterten. Markus Baur versuchte es mit dem siebten Feldspieler, wechselte durch, brachte – auch mangels Alternativen – Schagen und Kretschmer im Rückraum. Damit kam der Rechtsaußen Sascha Pfattheicher zu seinem Bundesliga-Debüt und zwei schönen Toren.

Der TVB versuchte alles, hatte Pech mit mehreren Pfosten- und Lattentreffern. Die Wende indes war so nicht mehr möglich. Die Magdeburger spielten ihre individuelle Stärke und ihre besseren personellen Alternativen aus, spätestens nach dem 27:20 (50.) durch Matthias Musche war die Partie entschieden.

In den restlichen zehn Minuten ging’s nur noch darum, ein ordentliches Resultat herauszuholen. Der Rückstand pendelte sich zwischen sieben und neun Toren ein. Simon Baumgarten erzielte den letzten Treffer zum 26:34 aus Sicht der Gäste, die eine dem Spielverlauf nach zu hohe Niederlage einstecken mussten. Über weitere Strecken hatte sich der TVB gut präsentiert.


Stimmen zum Spiel:

Bennet Wiegert, Trainer des SC Magdeburg: „In den ersten 30 Minuten hat man eine gewisse Unsicherheit gesehen, aber die Mannschaft hat die Ruhe bewahrt. Stuttgart hat es uns schwer gemacht, wir mussten alles investieren.“

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir haben lange einen sehr guten Job gemacht. Mitte der zweiten Halbzeit haben wir ein paar Dinge gemacht, die man hier nicht machen darf. Das hat uns das Genick gebrochen. Andererseits war’s auch schwer, weil uns gleich drei Rückraumspieler fehlten.“


SC Magdeburg: Green (2), Quenstedt; Musa (2), Chrapkowski (3), Musche (1/1), Petttersson (6), Molina, Christiansen, Mertens (6), O’Sullivan (3), Bezjak (2), Weber (2/2), Kalarash, Damgaard (3), Zelenovic (4).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (2), Häfner (2), Salger (3), Schagen (3/2), Schweikardt (5), Späth (5), Baumgarten (2), Röthlisberger, Kretschmer (1), Orlowski (1), Pfattheicher (2).