TVB Stuttgart

Aufatmen beim TVB: Erster Sieg im siebten Anlauf

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© Harry Reis

Handball, 1. Bundesliga, Männer: Eulen Ludwigshafen – TVB Stuttgart 23:27 (10:14) / Zieker, Wieling und Pesevski mit hundertprozentiger Trefferquote

Riesige Erleichterung beim Handball-Erstligisten TVB Stuttgart: Im siebten Anlauf hat er sich mit dem hochverdienten 27:23 bei den Eulen Ludwigshafen den ersten Punktspielsieg in dieser Saison geholt. Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt hatte sich sehr gut auf den kampfstarken Gegner eingestellt und war vor 2350 Zuschauern stets Herr der Lage.

Die TVB-Fans, die ihr Team am Samstag nach Ludwigshafen begleitet haben, sind Zeuge eines fast historischen Ereignisses geworden: Sie sahen den ersten Punktspielsieg des TVB Stuttgart seit über einem halben Jahr. Am 30. März hatte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt beim 26:24 in Melsungen zuletzt gejubelt – damals überraschend, am Samstag waren die Punkte jedoch viel mehr wert.

Der Druck für den TVB vor diesem so genannten Vier-Punkte-Spiel war immens. Überraschend gut jedoch kamen die Stuttgarter damit zurecht. Sie hatten sich hervorragend auf die Eulen eingestellt, die mit dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale unter der Woche zusätzliches Selbstvertrauen getankt hatten.

Mit ihrer bekannten 5:1-Deckung versuchten die Eulen, ihren Gegner zu Fehlern zu zwingen und zu Konterchancen zu kommen. Im Angriff sollte der wendige Dominik Mappes die TVB-Defensive in Bewegung bringen und Raum schaffen für das gefährliche Kreisspiel. Doch fast alles, was sich Ludwigshafen vorgenommen hatte, funktionierte nicht. Seine größte Schwachstelle hatte das Team von Trainer Benjamin Matschke jedoch zwischen den Pfosten: Nach 50 Minuten standen gerade einmal zwei Paraden der Torhüter Martin Tomovski und Leon Hoblaj in der Statistik. Da genügte Johannes Bitter eine ordentliche Leistung, um dieses so wichtige Duell für sich zu entscheiden.

Der TVB ging vom Start weg sehr konzentriert zu Werke. Die Deckung stand sicher, vorne spielte er ruhig und variabel. 4:1 stand’s nach sieben Minuten – und zwei Protagonisten des Abends hatten sich schon in Szene gesetzt: Die beiden Außenspieler Tim Wieling und Patrick Zieker waren alleine verantwortlich für diese Treffer. Am Ende gingen insgesamt zwölf der 27 TVB-Tore auf ihr Konto – ohne Fehlwurf.

In der ersten Viertelstunde hielt das Heimteam noch gut dagegen. Der wurfgewaltige Jerome Müller traf zum 4:5-Anschluss (10.), der ansonsten blasse Azat Valliulin zum 5:6 (12.). Wieder einmal konnte sich der TVB auf den starken Adam Lönn verlassen, der Verantwortung übernahm, wenn es einmal hakte. Nach dem 9:6 des Schweden nahmen die Eulen eine Auszeit (16.). Sie stellten auf eine 6:0-Abwehr um, doch auch gegen diese Formation fanden die Gäste meist Lösungen und hielten die Eulen so auf Distanz.

Nach 25 Minuten funktionierte auch das Kreisspiel. Zarko Pesevski, der wie Wieling und Zieker eine hundertprozentige Quote hatte, legte den Ball zum 12:9 und 13:9 ins Netz. Zieker besorgte per Konter die 14:10-Halbzeitführung des TVB.

Nach der Pause agierten die Eulen aggressiver in der Abwehr und schienen nach dem 12:14 besser in die Partie zu kommen. Es war allerdings lediglich ein kurzes Zucken. Der TVB blieb entspannt, mit einem Klassetor zum 18:13 (37.) sorgte Elvar Asgeirsson rasch wieder für Ruhe in der Halle.

Der Eulen-Coach Matschke wechselte sein Personal reichlich, es fehlten jedoch gegen die konzentrierte Stuttgarter Defensive die Ideen und die Durchschlagskraft. Die Gäste kontrollierten weiterhin das Geschehen – auch, weil sich der Spielmacher Max Häfner gegenüber seinen jüngsten Spielen deutlich verbessert zeigte.

Nach 46 Minuten, beim Stand von 16:23, war die nächste Ludwigshafener Auszeit fällig. Die Eulen zogen den finalen Trumpf, versuchten es mit dem siebten Feldspieler. Doch auch diese Maßnahme hatte keinen Erfolg. Nach Pascal Duraks Tor zum 19:24 zehn Minuten vor Schluss durfte das Heimteam noch auf die Wende hoffen, ein Doppelschlag von Zieker zum 26:19 (53.) beantwortete jedoch die Frage nach dem Sieger der Partie.

Am Ende ließ beim TVB die Konzentration ein klein wenig nach, in Gefahr freilich war der 27:23-Erfolg nicht mehr. Den ersten doppelten Punktgewinn in dieser Spielzeit feierte der TVB mit einem ausgiebigen Freudentänzchen auf dem Spielfeld. Es war allerdings nur ein erster kleiner Schritt im Anstiegskampf. Das wurde den Stuttgarter spätestens bewusst, nachdem das Ergebnis des Parallelspieles am Samstagabend bekannt geworden war: Der bis dato punktlose Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen schlug den SC DHfK Leipzig überraschend mit 33:30. Damit trennt den TVB lediglich ein Punkt vom vorletzten und letzten Tabellenplatz.

Eulen Ludwigshafen: Tomovski, Hoblaj; Stüber, Dietrich, Scholz (2), Haider (1), Falk (2), Hofmann, Durak (4), Bührer, Mappes (3), Müller (3), Neuhaus (4/1), Dippe (3), Valiullin (1), Klein.

TVB Stuttgart: Bitter, Lehmann; Häfner (2), Asgeirsson (2), Späth (1), Lönn (4), Markotic, Röthlisberger, Maier, Zieker (8/1), Pfattheicher, Pesevski (3), Schmidt (3), Wieling (4).

Der TVB, hier zwingen Manuel Späth und Adam Lönn den Eulen-Spieler Pascal Bührer in die Knie (hinten TVB-Keeper Jogi Bitter, rechts der Luwigshafener Max Neuhaus), erkämpfte sich einen eminent wichtigen ersten Sieg. Foto: Reis

Stimmen zum Spiel: 

Benjamin Matschke, Trainer der Eulen Ludwigshafen: „Die Halle war da, aber uns haben einfach die Impulse gefehlt, um dieses Spiel enger zu gestalten – im Tor, in der Abwehr und auch im Angriff. In der ersten Halbzeit haben wir in der Abwehr zu wenig investiert, in der zweiten war’s besser. Das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen kann man vielleicht heranführen, dass es heute nicht gepasst hat. Aber im mentalen Bereich haben wir nicht das gebracht, was uns sonst auszeichnet. Und das ärgert mich.“

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB Stuttgart: „Wir sind sehr froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Ich freue mich für den ganzen Verein, für mich persönlich und für die Mannschaft, dass wir so eine stabile Leistung hinbekommen haben, vor allem in der Defensive. Das hat ein bisschen Druck von unserem Angriff genommen, der in den letzten Wochen fehlerbehaftet war. Ich denke, wir haben verdient gewonnen.“

Patrick Zieker, Spieler des TVB: „Dieser Sieg war unfassbar wichtig, wir brauchten dringend ein Erfolgserlebnis. Es ist sehr schön, dass wir in so einem wichtigen Spiel so eine Leistung aufs Feld bringen. Ich denke, unsere Abwehr war über 60 Minuten hinweg überragend.“