TVB Stuttgart

Das psychologisch einfachere Derby

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Im Hinspiel waren Dominik Weiß (beim Wurf/vorne Teo Coric, links Lars Kaufmann, rechts Zarko Sesum) und der TVB beim 23:31 chancenlos gegen FA Göppingen. Das Rückspiel möchte der Aufsteiger zumindest enger gestalten. © Jamuna Siehler

Nach 0:10 Punkten hat es für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart gegen den HBW Balingen-Weilstetten wenigstens zu einem Remis gereicht. Doch das Zittern geht weiter. „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch Punkte holen werden“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. Vielleicht schon im nächsten Derby an diesem Mittwoch bei FA Göppingen?

Vier Siege und sechs Unentschieden bringen 14 Punkte. Nicht ausgeschlossen, dass diese doch recht magere Ausbeute bereits zum Ligaverbleib reichen wird. Denn der Mittwochspieltag könnte im Abstiegskampf eine Vorentscheidung bringen. Ein Sieg des TVB in Göppingen wäre eine Überraschung und dürfte den Aufsteiger vier Spiele vor Saisonende auf die sichere Seite bringen.

Davon träumen die Bittenfelder – sie blicken aber auch mit einem Auge nach Lübbecke. Sollte der TuS gegen den Abstiegskonkurrenten Bergischer HC verlieren, dürfte die letzte Hoffnung des Vorletzten dahin sein – und der TVB verteidigte seinen Sechs-Punkte-Vorsprung auf das Team des ehemaligen Bittenfelders Jens Bechtloff. Aus den restlichen vier Spielen in Lemgo, gegen die Füchse Berlin, in Gummersbach und gegen die Rhein-Neckar Löwen müsste der TuS sechs Punkte sammeln, um den TVB einzuholen. „Das dürfte sehr schwer werden für den TuS“, sagt auch der TVB-Trainer Thomas König.

Allerdings sind auch die Aussichten seines Teams nicht übermäßig gut, noch Punkte zu hamstern. Mit Göppingen, Melsungen, Magdeburg, Flensburg-Handewitt und Kiel warten ausschließlich Teams aus der vorderen Tabellenhälfte auf den Neuling. Der Blick auf die Resultate der Konkurrenz ist also durchaus legitim. Die Aussage „Wir schauen nur auf uns“ nimmt den Bittenfeldern jedenfalls derzeit niemand ab.

Der Abstiegskampf bleibt also ein Nervenspiel für den TVB. Das war freilich einerseits zu erwarten. Andererseits haben die Bittenfelder schon etliche Chancen liegenlassen, früher für klare Verhältnisse zu sorgen. So ist ein mickriges Pünktchen aus den Partien gegen Hannover (21:23), Lübbecke (22:23) und Balingen (22:22) angesichts der Spielverläufe zu wenig. Schon ein Remis in Lübbecke hätte den Trainer ruhiger schlafen lassen. „Deshalb war ich direkt nach dem Spiel auch so aufgewühlt“, sagt er. „Ich ärgere mich schon seit drei Wochen über verpasste Chancen.“

Auch wenn die Aussichten auf Punkte für den TVB in den kommenden Spielen nicht besonders gut sind: König sieht sein Team beispielsweise in Göppingen an diesem Mittwoch und gegen Melsungen am Sonntag in der Scharrena keinesfalls chancenlos. „Wir haben schon oft bewiesen, dass wir gegen fast jeden Gegner mithalten können“, sagt er. „Sicherlich ist Göppingen der Favorit. Aber es ist ein Derby, und da sind alle heiß.“ Auch der TVB-Geschäftsführer gibt sich kämpferisch. „Weil am Ende möglicherweise auch das Torverhältnis entscheiden kann, werden wir um jeden Treffer kämpfen.“ Psychologisch sei die Partie sicherlich einfacher als die Aufgaben zuvor, in denen die Mannschaft unter Zugzwang gestanden habe. „Von uns erwartet in Göppinger erst mal keiner etwas.“

Frischauf dagegen steht vor einer wichtigen Woche: Nach der jüngsten 25:32-Niederlage in Flensburg darf sich das Team von Trainer Magnus Andersson im Kampf um einen Europapokal-Platz gegen den TVB keinen Ausrutscher erlauben bei vier Punkten Rückstand auf Rang fünf.

Vielleicht haben die Göppinger auch bereits das Wochenende im Kopf: Bei der Endrunde um den EHF-Pokal in Nantes hoffen sie auf den Titelgewinn.

„Am Mittwoch ist definitiv noch keiner gedanklich in Nantes“, sagt der Göppinger Spielführer Manuel Späth im Interview mit der Südwestpresse. Mit einem Erfolg gegen den TVB wolle sein Team Selbstvertrauen tanken fürs Wochenende.

So oder so: Ein Spiel wie jedes andere ist das Derby nicht. Dafür gibt es zu viele Verbindungen zwischen den beiden Clubs. Der Sportliche Leiter des TVB, Günter Schweikardt, trug einst ebenso das Göppinger Trikot wie TVB-Kreisläufer Simon Baumgarten und Michael Schweikardt. Der FA-Keeper Bastian Rutschman stand im Bittenfelder Kasten, und zur neuen Saison wird Felix Lobedank von FA zum TVB wechseln.

Es ist zudem nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass sich noch ein zweiter Göppinger dem Aufsteiger anschließen wird. Die Akte Michael Kraus scheint immer noch nicht geschlossen. „Mimi ist ein interessanter Spieler“, sagt Jürgen Schweikardt. Gespräche hätten stattgefunden, allerdings sei die Situation unverändert. Sprich: Bevor die Ligazugehörigkeit des TVB nicht geklärt ist, dürfte keine Entscheidung in der Personalie Kraus fallen.

Manuel Späth ist im Übrigen fest davon überzeugt, dass der TVB den Klassenverbleib schaffen wird. Einen Wechsel von Michael Kraus zum Nachbarn könne er sich dann gut vorstellen, verriet Späth der Südwestpresse. „Das würde künftige Derbys noch interessanter machen.“

Zunächst indes gilt es für den TVB, sich an diesem Mittwoch so teuer wie möglich zu verkaufen. Im Hinspiel in der ausverkauften Porsche-Arena gelang dies bis zum 12:14-Halbzeitstand. In den zweiten 30 Minuten jedoch machte der Favorit ernst und zog Tor um Tor bis zum klaren 31:23-Sieg davon.

Thomas König hat zwar den kompletten Kader zur Verfügung, sorgenfrei ist der Coach allerdings längst nicht: Einige Spieler sind angeschlagen und schleppen sich derzeit mehr oder weniger durch die Trainingseinheiten.