TVB Stuttgart

„Der Handball hier macht großen Spaß“

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Gegen die TSV Hannover-Burgdorf (vorne Evgeni Pevnov) schnupperte Adam Lönn (beim Wurf, links Manuel Späth, rechts Sascha Pfattheicher) erstmals Porsche-Arena-Atmosphäre. © Joachim Mogck

Adam Lönn ist einer von sechs externen Neuzugängen des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart. Der Rückraumspieler aus Schweden hat sich überraschend schnell integriert. Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner unterhielt sich vor dem DHB-Pokal-Achtelfinale gegen den HC Erlangen (Mittwoch, ab 20 Uhr im ZVW-Liveticker) mit dem 28-Jährigen.

Herr Lönn, erst mit knapp 28 Jahren wagten Sie den Sprung aus der schwedischen Liga in die deutsche Bundesliga. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen?

Zunächst einmal mochte ich meine Mannschaft, in der ich gespielt habe. Viele Spieler waren in meinem Alter, wir haben viel Zeit miteinander verbracht und hatten jede Menge Spaß zusammen. Wir waren wie eine große Familie. Es ist aber immer mein Ziel gewesen, in die deutsche Bundesliga zu wechseln. Jetzt bin ich hier und fühle mich sehr wohl. Ich denke, ich habe in Schweden viel gelernt, ich bin dort ein besserer Spieler geworden und kann das jetzt hier auf dem Feld zeigen.

Hatten Sie früher schon Angebote aus Deutschland?

Ja, ein paar. Aber manchmal haben sie sich für einen anderen Spieler entschieden oder es war nicht der richtige Verein für mich. Da haben verschiedene Dinge mitgespielt. Ich hatte auch ein paar Verletzungen, die einen früheren Wechsel verhindert haben.

Wann haben Sie angefangen, Handball zu spielen?

So etwa mit sieben Jahren.

Gab’s immer nur Handball oder versuchten Sie sich auch in anderen Sportarten?

Ich habe auch Floorball (Uni-Hallenhockey, Anmerkung der Redaktion) gespielt, Bundy (Vorläufer von Eishockey, Anmerkung der Redaktion) und Fußball. Einige meiner Freunde spielten parallel Handball und Fußball. Manche gingen zum Handball, andere blieben beim Fußball hängen. Mit meinen langen Beinen war Fußball nicht so einfach, da war Handball besser für mich.

Wie kam’s zum Wechsel nach Stuttgart?

Mein Spielerberater hat mir erzählt, dass der TVB Spieler sucht und auch an mir interessiert war. Nach meinem letzten Jahr in Malmö hatte ich ein paar Optionen. Ich kam im August vergangenen Jahres nach Stuttgart, noch bevor die Saison begonnen hatte. Das zweite Mal Ende September, da habe ich auch den Vertrag unterschrieben. Ich habe gleich einen sehr guten Eindruck von Jürgen Schweikardt, vom Verein und Umfeld bekommen. Alles wirkte sehr professionell, und das hat sich nun auch bestätigt. Der Verein kümmert sich sehr um seine Spieler.

Haben Sie ein Spiel des TVB gesehen, bevor Sie unterschrieben haben?

Nein, dazu war leider keine Zeit. Wir waren mitten in der Saison, ich kam an freien Tagen hierher, um zu unterschreiben und den Medizincheck zu machen.

Es gibt traditionell eine ganze Reihe schwedischer Spieler hier in der Bundesliga. Stehen Sie mit dem einen oder anderen in engerem Kontakt?

Eher nicht. Man spricht natürlich miteinander, wenn man sich begegnet. Aber enge Freunde sind nicht darunter.

Haben Sie sich also nicht bei einem Landsmann über den TVB erkundigt?

Doch, ich habe mit Patrik Kvalvik Kontakt gehabt, der hier beim TVB vor ein paar Jahren mal spielen sollte. Sein Vertrag wurde aber aufgelöst, weil er sich verletzt hatte. Er hat mir viel Gutes über den Verein erzählt.

Spielt er eigentlich noch Handball?

Nein, er ist mittlerweile Feuerwehrmann.

Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den Handball oder machen Sie etwas nebenbei?

Ich studiere Informationstechnik, ich habe mich per Fernstudium an der Universität in Malmö eingeschrieben.

Wie stand Ihre Freundin eigentlich zu Ihren Wechselabsichten?

Sie war sehr aufgeregt. Sie mochte es, in Malmö zu leben. Aber sie sah es auch als Abenteuer, etwas Neues zu sehen, neue Menschen, ein neues Land und eine neue Sprache kennenzulernen. Das alles ist auch für sie eine Herausforderung. Sie freute sich auf Stuttgart und ist jetzt glücklich, hier zu sein.

Haben Sie schon ein paar Freunde gefunden?

Ja, aber hauptsächlich in der Mannschaft. Meine Freundin ist mit den Frauen und Freundinnen der Jungs zusammen, das ist der einfachste Weg am Anfang. Wir gehen zusammen essen oder einen Kaffee trinken oder mit den Kindern auf den Spielplatz.

Wie alt sind Ihre Kinder?

Unsere beiden Jungs sind viereinhalb Jahre und drei Monate alt.

Sie wohnen in Waiblingen, wie haben Sie sich eingelebt?

Ich finde es hier und auch in Bittenfeld sehr schön. Von Stuttgart habe ich noch nicht so viel gesehen, weil wir bis jetzt viele andere Dinge zu tun hatten – vor allem trainieren und regenerieren. Und wenn man einen freien Tag hat, sollte man auch mal etwas mit den Kindern unternehmen.

Sie haben jetzt schon ein paar Spiele gemacht: Inwiefern unterscheidet sich der Handball in Schweden von dem in Deutschland?

Ich denke, zunächst einmal sind die Spieler hier auf einem höheren Niveau. In Schweden kannst du dich in den Matches auf einzelne Spieler konzentrieren. Hier in Deutschland musst du alle im Blick haben. Individuell sind die Spieler besser und auch körperlich stärker. Insgesamt macht der Handball hier mehr Spaß, auch wegen der vielen Zuschauer und der tollen Stimmung.

Sie haben in der Scharrena und in der Porsche-Arena gespielt, was ist der Unterschied?

Beide Hallen sind toll. Die Scharrena ist eng und stimmungsvoll. Auch in der Porsche-Arena habe ich die Unterstützung der Fans gespürt.

Waren Sie nervös in den ersten beiden Heimspielen?

Natürlich. Ich bin vor jedem Spiel nervös und ich muss es auch sein. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb gelähmt bin. Ich brauche das Adrenalin, um gut zu spielen. Wenn ich nicht nervös bin, dann stimmt jedenfalls etwas nicht.

Täuscht der Eindruck oder hatten Sie kaum Probleme, sich in der Mannschaft schnell zurechtzufinden?

Wir hatten in der Vorbereitung viele Testspiele, die haben uns neuen Spielern sehr geholfen. Wir haben einiges ausprobiert. Zu Beginn war’s ziemlich holprig, wir mussten uns erst kennenlernen. Es braucht einfach einige Spiele, um Sicherheit und das richtige Timing zu bekommen.

Sportlich läuft’s beim TVB ja noch nicht rund.

Wir müssen einfach weiterarbeiten und anfangen, Punkte zu sammeln. Die Saison ist noch lang und wir haben genügend Zeit. Wir sind alle fokussiert und werden unsere Punkte holen, wenn wir unsere leichten Fehler reduzieren.

Vor rund fünf Jahren haben Sie zweimal für die schwedische Nationalmannschaft gespielt. Wie groß schätzen Sie die Chancen auf eine Rückkehr ein?

Ich wäre natürlich sehr glücklich, wenn das klappen würde. Aber darüber denke ich jetzt nicht jeden Tag nach. Ich möchte einfach hier gut spielen. Mir ist schon bewusst, dass es in Schweden sehr viele gute Spieler im linken Rückraum gibt.

Was vermissen Sie hier in Deutschland?

Eine Küche (lacht). Sie ist schon bei uns zu Hause, aber sie wird erst im Oktober montiert. Tatsächlich vermisse ich meine Familie.

Haben Sie Geschwister?

Ja, einen leiblichen Bruder. Meine Eltern sind geschieden, ich habe noch vier weitere Geschwister, mit denen ich seit meinem neunten Lebensjahr zusammengelebt habe. Sie sind wie echte Brüder und Schwestern für mich.

Wie kommen Sie mit der deutschen Sprache zurecht?

Im Vergleich zu Englisch ist Deutsch sehr schwierig. In Schweden ist Englisch allgegenwärtig. Du schaust Fernsehsendungen auf Englisch und liest englische Bücher. Mit sieben oder acht Jahren beginnst du, Englisch zu lesen. Mit 13 Jahren kommt ein bisschen Deutsch hinzu. Aber nur für zwei Jahre und eine Stunde pro Woche. Das ist natürlich nicht besonders viel.

Ist der ältere Sohn eigentlich schon im Kindergarten?

Im Oktober ist es so weit. Es wird ihm guttun, mit gleichaltrigen Kindern zu spielen. Außerdem wird er uns dann sicher bald Deutsch beibringen.


Zur Person

Adam Lönn wurde am 2. August 1991 im schwedischen Linköping geboren, er ist 1,93 Meter groß.

In der Jugend und in den ersten Jahren bei den Aktiven spielte Lönn bei HF Linköping Lejon. 1993 wechselte er zum Erstligisten HK Malmö, mit dem er 2017/18 und 2018/19 am EHF-Pokal teilnahm. Im Sommer 2019 wechselte der zweifache Nationalspieler zum TVB Stuttgart, bei dem er einen Zweijahres-Vertrag unterschrieb.