TVB Stuttgart

Desolater Auftritt, böse Schlappe für den TVB

Desolater Auftritt, böse Schlappe für den TVB_0
Ratlosigkeit herrschte auf der TVB-Bank in Minden (von links): Simon Baumgarten, Co-Trainer Karsten Schäfer, Samuel Röthlisberger, Michael Schweikardt, Michael Kraus, Trainer Jürgen Schweikardt, Tobias Schimmelbauer und Jonas Maier. © Olaf Luppes

Im siebten Saisonspiel haben die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart einen miserablen Auftritt hingelegt: Hoffnungslos unterlegen war das Team beim bis dato punktgleichen TSV GWD Minden und kassierte eine empfindliche 25:38-Schlappe. Auch wenn sich der TVB nach der Pause kurz berappelte: Unterm Strich war er nicht mehr als ein Spielball für die Mindener.

Dem Sky-Reporter war’s fast ein bisschen unangenehm, als er kurz nach Spielende den TVB-Trainer nach dessen Analyse befragte. „Das müssen wird erst einmal verkraften“, sagte Jürgen Schweikardt. Sein Team hatte sämtliche Tugenden vermissen lassen, die es – nicht nur – in der ersten Liga braucht. Nach dem, trotz der Niederlage, über weite Strecken ordentlichen Auftritt gegen den Bergischen HC stand der TVB vor 2171 Fans in der Mindener Kampa-Halle komplett neben sich und ließ sich vom Gegner phasenweise an der Nase herumführen.

Zu hohe Fehlerquote

Natürlich hatte sich der TVB in Minden, wo in den vergangenen beiden Spielzeiten die Punkte mitnahm, etwas ausgerechnet. Im Tor startete statt des zuletzt glücklosen Johannes Bitter die Nummer zwei, Jonas Maier. Der hielt zwar in den ersten zwölf Minuten vier Würfe, unter anderem einen Siebenmeter. Im Spiel war der TVB allerdings zu diesem frühen Zeitpunkt schon nicht, obgleich sich der Rückstand beim 4:7 noch in Grenzen hielt.

Wie in den Partien zuvor war die Fehlerquote der Stuttgarter zu hoch – und nicht nur im Angriff: Die Abwehr, eigentlich die Stärke des TVB, bekam die Mindener nicht unter Kontrolle. Der Rückraum mit Dalibor Doder, Christoffer Rambo und Marian Michalczik freute sich über ungewohnte Freiheiten. Viel zu passiv agierte die TVB-Defensive, es fehlte auch der Körperkontakt.

Das Heimteam spielte munter drauflos

Nach Tobias Schimmelbauers Treffer zum 7:9 aus Sicht des TVB in der 15. Minute ging’s rasch dahin mit den Gästen, die im zweiten Abschnitt der ersten 30 Minuten vorne wie hinten überfordert wirkten. Minden setzte sich binnen sieben Minuten auf 15:8 ab. Und es wurde noch schlimmer aus Sicht der Bittenfelder: Das Heimteam spielte munter drauflos, ungestört von seinem Gegner. Ganz gleich, wen Jürgen Schweikardt aufs Spielfeld schickte: Kein Akteur erreichte auch annähernd Normalform, auch Maier hatte das Torhüterduell mit Espen Christensen längst klar verloren. Mit dem deprimierenden 12:20-Rückstand schlich der TVB in die Kabine.

Wer in den zweiten 30 Minuten in fremder Halle einen Acht-Tore-Rückstand aufholen möchte, der benötigt mehr als eine famose Leistungssteigerung. Die war vom TVB in der körperlichen und mentalen Verfassung vom Sonntag nicht zu erwarten. Zudem hätte der Gegner mitspielen und extrem nachlassen müssen.

Auch die Einwechslung von Bitter brachte keine Stabilität in die Defensive

Zunächst jedoch ballerte Rambo dem TVB-Keeper weiterhin die Bälle um die Ohren, das 22:13 war nach 33 Minuten bereits der sechste Treffer des Linkshänders. Beim TVB zog nun Lukas von Deschwanden die Fäden im Angriff – und der Schweizer Neuzugang war so etwas wie der einzige Lichtblick im Spiel des TVB. Er war torgefährlich, mutig und überzeugte mit Spielwitz.

Freilich war dies viel zu wenig, weil seine Kollegen auch weiterhin mehr oder weniger neben sich standen. Auch die Einwechslung von Bitter brachte keine Stabilität in die Defensive. Weil bei den Mindenern angesichts des klaren Vorsprungs hier und da die Konzentration etwas nachließ, kam der TVB durch von Deschwandes Kempa-Tor auf 19:24 heran (40.). Genügend Zeit war da noch, die Wende herbeizuführen.

Allerdings war’s schnell wieder vorbei mit der Herrlichkeit: Mit drei Toren in Folge zum 27:19 rückte Minden die Verhältnisse wieder gerade. Nach 47 Minuten, beim 30:23, war die Partie gelaufen – und sie wurde noch grausiger aus Sicht des TVB. Minden hatte seinen Hunger noch nicht gestillt und wurde am Torwurf fast gar nicht mehr gehindert. In der 53. Minute betrug der Vorsprung beim 33:23 erstmals zehn Tore, drei legte das Heimteam bis zum 38:25-Endstand noch nach.


Stimmen zum Spiel

Frank Carstens, Trainer des TSV GWD Minden: „Ich bin natürlich sehr zufrieden, wir haben konstant gespielt und die Partie über 60 Minuten durchgezogen – vorne wie hinten. In der Vorbereitung haben wir an der Defensive viel gearbeitet. So haben wir viele Möglichkeiten bekommen, Bälle zu holen und in den Gegenstoß zu kommen. Heute gibt es nicht viel zu meckern. Ich kann nur sagen: weiter so.“

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Das Spiel ist eigentlich ganz einfach zu analysieren, heute brauchen wir über taktische Dinge oder über irgendwelche Absprachen gar nicht zu sprechen. Wir haben das Grundlegende vermissen lassen, wir haben keine Emotionen aufs Spielfeld bekommen, keine Zweikampfhärte gezeigt. Das alles braucht man nun mal, um im Spitzensport erfolgreich zu sein. Die Art und Weise, wie wir uns präsentiert haben, ist schon sehr enttäuschend. So eine hohe Niederlage kann’s schon mal geben, aber das war schon alarmierend, so werden wir in der Liga kein Spiel gewinnen. Das war ein kompletter Blackout von den Torhütern bis vorne. Wir können nach diesem Spiel jedenfalls nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, dazu war die Vorstellung einfach zu deprimierend.“


TSV GWD Minden: Christensen (1), Sonne-Hansen; Nolting (1), Nowatzki, Rambo (9), Korte, Padshyvalau, Pusica, Gullerud (2), Michalczik (6), Kister, Staar (1), Doder (8/3), Cederholm (2), Gulliksen (4), Zvizej (4/1).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (3), Häfner, Weiß (2), Schagen (3/1), Schweikardt (2), Kraus, Späth (3), Markotic (2), Baumgarten, Röthlisberger (1), von Deschwanden (5), Pfattheicher (1), Schmid (3).