TVB Stuttgart

„Die Löwen sind nicht unser Maßstab“

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Kein Durchkommen: Der Bittenfelder Dominik Weiß gegen Hendrik Pekeler (links) und Harald Reinkind von den Rhein-Neckar Löwen. © Steinemann

Der TVB 1898 Stuttgart hat sich extra fein gemacht für seinen ersten Live-Fernsehauftritt, ein ernsthafter Gegner für den Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen war er allerdings nicht. „Die Top-Clubs sind eine ganze Ecke weg“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. „Das müssen wir einfach akzeptieren.“ Wichtig sei, dass sein Handball-Team in den entscheidenden Spielen präsent sei.

Ausschnitte aus der Partie.

Zur Einstimmung auf das Spiel des TVB gegen die Rhein-Neckar Löwen gab die Schlagersängerin Larissa in der ausverkauften Porsche-Arena ihr „Mich hat der Himmel geküsst“ zum Besten. Von derartigen Glücksgefühlen durften die Bittenfelder Spieler, Verantwortlichen und Fans nach der Partie nicht berichten. Spaß hatten an diesem Abend lediglich die Männer in Gelb-Schwarz – und die würden gerne in der nächsten Saison wiederkommen. Schon aus logistischen Gründen, schließlich liegen lediglich 120 Kilometer zwischen dem Trainingszentrum der Löwen und Stuttgart.

Der Nationalmannschafts-Rechtsaußen in den Reihen der Löwen jedenfalls gab nach dem Spiel ein Plädoyer für den TVB ab. „Ich finde, der Handball gehört in die Großstädte“, sagte Patrick Groetzki und grinste in die Kamera. „Deshalb hoffen wir selbst als Badener, dass Stuttgart in der Liga bleibt.“ Dazu indes müsste der TVB noch die eine oder andere Partie gewinnen.

Von einem Sieg war der Aufsteiger am Mittwoch ein gutes Stück entfernt. Dass der Titelkandidat im Eiltempo für klare Verhältnisse sorgte, war der Dramaturgie des Spiels natürlich abträglich. „Ich habe ja schon viele Spiele erlebt“, sagte der Bittenfelder Trainer am Tag danach. „Wenn eine Mannschaft wie die Rhein-Neckar Löwen fehlerfrei spielt, kann schnell ein so klares Ergebnis entstehen.“

Schon von Beginn lief alles gegen den TVB

Von Beginn an war alles gegen den TVB und für die Löwen gelaufen. Die frühe Zeitstrafe gegen Tobias Schimmelbauer, zwei Fehlwürfe und sichere Löwen im Torabschluss durchkreuzten die Pläne der Bittenfelder, den Gegner von Beginn an vor Aufgaben zu stellen. „Statt 3:5 stand’s 0:6“, so König. „Da war’s für die Löwen natürlich einfach zu spielen.“

Das sah der Kapitän der Nationalmannschaft ähnlich. „Die Stuttgarter waren nach unserem guten Start nicht mehr ganz so euphorisch, wir haben sie da ein bisschen runtergefahren“, sagte Uwe Gensheimer. Sein Team sei darauf vorbereitet gewesen, dass der TVB in seinem ersten Free-TV-Spiel etwas zeigen wollte. Das war jedoch zu wenig, um die Löwen zu fordern.

Nicht komplett unzufrieden war Thomas König mit seiner Defensive, die nach dem Fehlstart ihren Rhythmus gefunden habe. Wieder einmal indes zeigte sich, dass der Bittenfelder Angriff recht leicht auszurechnen ist. Findet der Spielgestalter Michael Schweikardt nicht in die Partie und funktioniert das Zusammenspiel mit dem Kreis nicht, mangelt’s an der Spielfähigkeit. Kasper Kisum, die Alternative zu Schweikardt auf der Spielmacher-Position, fehlt die Stabilität. „Er macht gute Sachen, überdreht aber manchmal auch“, sagt König. Weil sich die Löwen auf die Shooter Dominik Weiß und Djibril M’Bengue sehr gut eingestellt hatten, musste sich der TVB zu seinen Toren aus dem Positionsspiel heraus oft mehr oder weniger quälen.

Am Ende stand die deutliche 21:33-Niederlage. „Die müssen wir so akzeptieren, die Löwen sind für uns kein Maßstab“, sagt König, der mit den zwölf Toren Unterschied leben kann. „Sie haben uns abschießen wollen, das ist ihnen in dem Maße nicht gelungen.“ Die gute Trefferdifferenz gegenüber der Konkurrenz hat der TVB durch die jüngsten Schlappen allerdings fast eingebüßt: Balingen ist 20 Tore besser, der Bergische HC drei. Lediglich im Vergleich zu Eisenach und Lübbecke sind die Bittenfelder mit 32 und vier Toren im Plus. „Unser Vorteil ist, dass wir gegen die direkten Konkurrenten noch kein Spiel verloren haben“, sagt König. Sollte das so bleiben, sind die Aussichten auf den Ligaverbleib gut. Wobei sich der TVB tunlichst nicht alleine auf die beiden Partien gegen Balingen und Lübbecke konzentrieren sollte. Auch gegen Mannschaften wie Hannover, Wetzlar oder Magdeburg rechnet sich König etwas aus.

Die Pressekonferenz zum Spiel: