TVB Stuttgart

Die Lage ist prekär, der TVB-Trainer ruhig

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Nach einer langen Durststrecke spielte Max Häfner (mit Ball, hier gegen den Lemgoer Bjarki Elisson), gegen die Rhein-Neckar Löwen stark. © Ralph Steinemann (Archiv)

Stuttgart.
Nur der Tabellenletzte und Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen hat weniger Punkte auf der Habenseite als der Handball-Erstligist TVB Stuttgart. „Natürlich müssen wir uns an den Punkten messen lassen“, sagt Jürgen Schweikardt. Der Trainer und Geschäftsführer des TVB ist sich der kniffligen Lage bewusst, bleibt aber nach wie vor gelassen.

Sechs Punkte sammelten die Stuttgarter in 13 Spielen, darunter war nur ein Sieg: Die Bilanz der Stuttgarter ist ernüchternd und sie muss Anlass zur Sorge geben. Es ist auch nicht so, dass Jürgen Schweikardt fröhlich pfeifend durch die Gegend spazieren würde. Doch abgesehen von der mageren Punktzahl hat der Trainer derzeit nicht viel zu meckern. „Wir haben gegen die Top-Mannschaften Magdeburg, Flensburg und Rhein-Neckar Löwen mitgehalten“, sagt er. „So eine Entwicklung hatten wir noch nie.“

Nach dem dürftigen Auftritt gegen den Bergischen HC war der TVB als krasser Außenseiter nach Mannheim gereist. Doch nach 60 umkämpften Minuten waren die Rhein-Neckar Löwen froh, den 33:32-Sieg über die Runden gebracht zu haben. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit ein, zwei brenzlige Situationen zu überstehen“, sagte der Löwen-Spielmacher Andy Schmid nach dem Spiel – und beantwortete sogleich die Frage, warum sich die Löwen nach dem überzeugenden 29:17-Sieg im EHF-Pokal gegen den weißrussischen Serienmeister Minsk ein paar Tage zuvor nun gegen den Abstiegskandidaten so schwer taten. „Weil Stuttgart eine gute Mannschaft hat.“

Hund liegt in der Defensive begraben

Es war nicht da einzige Kompliment, das Schweikardt nach dem couragierten und auch spielerisch überzeugenden Auftritt zu hören bekam. „Mir wär’s aber lieber gewesen, wir hätten gegen den BHC so gespielt. Aber leider kann man es sich nicht raussuchen.“ Überrascht davon, dass sein Team wieder an die guten Leistungen vor dem BHC-Spiel anknüpfte, war er nicht. „Solche Ausreißer wird es immer wieder geben.“ Vielmehr hat er sich gewundert, dass seinem Team gegen die Rhein-Neckar Löwen sogar ein „ordentlicher, keineswegs sensationeller“ Tag fast gereicht hätte, um etwas mitzunehmen.

Aber eben nur fast. Dass der TVB wieder leer ausging, hatte mehrere Gründe. „Wir haben die zweiten 30 Minuten mit 18:19 verloren“, sagt Schweikardt. „Das zeigt schon, wo der Hund begraben liegt.“ Erstaunlicherweise in der Defensive, die im ersten Spielabschnitt den Löwen das Leben noch so ungemein schwergemacht hatte.

Selbst Andy Schmid, der als einer der weltbesten Spielmacher gilt, fehlten die Ideen gegen die aufmerksame Stuttgarter Abwehr um Adam Lönn uns Samuel Röthlisberger. Das war im zweiten Abschnitt anders. „Das macht eben den Unterschied aus“, sagt Schweikardt. Schmid suche so lange nach Lösungen, bis er sie gefunden habe. Es hätten schon andere Mannschaften nicht geschafft, das Zusammenspiel mit Jannik Kohlbacher zu unterbinden. „Unser Problem war, dass Schmid in der Schlussphase auch noch selbst getroffen hat.“

Zwei Gewinner bei der Niederlage: Max Häfner und Tim Wieling

Das hat auch auf der Gegenseite einer, der äußerst holprig in die Saison gestartet ist: Max Häfner ersetzte 22 Minuten vor dem Ende Rudolf Faluvégi auf der Spielmacher-Position und überzeugte nicht nur wegen seiner vier Tore bei vier Wurfversuchen. „Er hatte zuletzt keine so gute Phase“, sagt Schweikardt. „Man muss aber auch sehen, dass Max immer noch ein sehr junger Spieler ist, der seine besten Jahre noch vor sich hat.“ Häfner genieße weiterhin das Vertrauen, „wir werden ihn auf seinem Weg weiter begleiten“.

Der 23-Jährige war gefordert, weil Faluvégi im Abschluss einige unglückliche Aktionen hatte. Nur zwei von sieben Würfen fanden den Weg ins Löwen-Tor. „Die Quote war sicher nicht gut, aber Rudi bindet immer zwei Gegenspieler und schafft so Räume für andere.“ Beispielsweise für David Schmidt, der sich nach dürftigem Start steigerte. „Es ist wichtig, dass sich David nicht entmutigen lässt, er ist unser gefährlichster Rückraumschütze.“

Außer Häfner spielte sich noch ein anderer Stuttgarter in den Vordergrund: Auch der Rechtsaußen Tim Wieling, der den Vorzug vor Sascha Pfattheicher erhielt, versenkte sämtliche vier Würfe eiskalt. „Tim hat immer gut trainiert, das freut mich sehr für ihn.“

In einer Woche darf sich der TVB mit dem nächsten Top-Club messen: Am Dienstag, 3. Dezember (20 Uhr), gastiert im Viertelfinale des DHB-Pokals der THW Kiel in der Scharrena. Das Erreichen des Final Four wäre zweifelsfrei der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des TVB.

Das wichtigere Spiel indes steht schon am Sonntag (13.30 Uhr, Scharrena) an: Gegen das Schlusslicht HSG Nordhorn-Lingen zählt ausschließlich ein Sieg. Zur Not auch gerne mit einer schlechteren Leistung.