TVB Stuttgart

Die Rhein-Neckar Löwen nehmen den TVB Stuttgart auseinander

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TVB-Rückkehrer Jan Forstbauer (mit Ball) und Adam Lönn (hinten) wurden mit dem TVB Stuttgart von den Rhein-Neckar Löwen rund um Benjamin Helander (vorne) regelrecht überrannt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart hat auch sein viertes Saisonspiel verloren. Die Hoffnung, den Vorjahrescoup (35:30) gegen die Rhein-Neckar Löwen zu wiederholen, währte vor 3779 Zuschauern in der Porsche-Arena lediglich zehn Minuten. Die spielfreudigen Gäste überrollten das Team von Trainer Roi Sánchez förmlich und übernahmen mit dem 43:30-Sieg (21:16) mit 8:0 Punkten vorübergehend die Tabellenführung. Auf den völlig verunsicherten TVB dürften frostige Zeiten zukommen.

43 Gästetore leuchteten auf dem Videowürfel an der Decke der Porsche-Arena. Das riecht verdächtig danach, als mutierte der TVB schon nach vier Spieltagen – wie in der vergangenen Saison – zur Schießbude der Liga. Jedoch gilt die (Fußballer-) Regel: Die Defensive fängt in der Offensive an. Der neu formierten TVB-Abwehr fehlt zwar nach wie vor die Abstimmung, der Angriff indes präsentiert sich derzeit nur bedingt erstligatauglich. Die große Frage ist: Was ist der Grund für die Flut von technischen Fehlern?

Wie zuletzt in Berlin, so präsentierten sich die Bittenfelder in den ersten Minuten gar nicht so schlecht. Hoffnung machte beispielsweise, dass sich der in den ersten drei Spielen glücklose Adam Lönn deutlich verbessert zeigte. Nach einem tollen Hüftwurf von Egon Hanusz stand’s nach neun Minuten 5:5.

TVB findet im Positionsangriff keine Lösungen

Die Probleme des TVB deuteten sich zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits an. Das Zusammenspiel mit dem Kreisläufer Oskar Bergendahl funktionierte nicht, die sehr gut eingestellte und aufmerksame Löwen-Deckung stibitzte immer wieder die Anspiele. Die Stuttgarter fanden im Positionsangriff kaum Lösungen.

Auf der Gegenseite sah das ganz anders aus: Mit ihrem variablen Spiel, gesteuert vom starken Spielmacher Juri Knorr, kreierten die Gäste immer wieder gute Wurfchancen. Das größte Dilemma aus Sicht des TVB war, dass die Löwen unglaublich effektiv im Abschluss waren – abzulesen an der Quote der überragenden Patrick Groetzki (7/7), Benjamin Helander (8/8), Jannik Kohlbacher (5/5) und Albin Lagergren (6/7).

Der Erfolg blieb überschaubar

Das Unheil für den TVB nahm nach elf Minuten seinen Lauf. Patrick Zieker musste nach einem Kopftreffer gegen den Gästekeeper Joel Birlehm für zwei Minuten auf die Strafbank, in Überzahl zogen die Löwen auf 10:6 davon. Der TVB leistete sich hernach, wie in den Partien zuvor, unerklärliche technische Fehler. Spätestens nach Lagergrens fünftem Treffer zum 13:8 (18.) entwickelte sich ein ungleiches Duell. Beim TVB ersetzte Miljan Vujovic Silvio Heinevetter, nach 20 Minuten versuchte es das Heimteam mit dem Sieben gegen sechs. Der Erfolg war überschaubar, zur Pause (16:21) blieb’s beim Fünf-Tore-Rückstand.

Daniel Fernandez und Sascha Pfattheicher sind die Lichtblicke des TVB

An der Überzahl-Taktik hielt der TVB auch im zweiten Spielabschnitt lange fest. Hanusz verkürzte mit seinem fünften Tor zum 19:22 (34.). Mit zwei Fehlabspielen brachte sich Stuttgart um die Chance, noch näher heranzurücken. Eiskalt nutzten die Gäste die Fehler. Halil Jaganjac sorgte mit dem 27:21 nach 40 Minuten für Ernüchterung und Frust beim TVB. Der gute Löwen-Keeper Mikael Appelgren hatte fortan mit den halbherzigen Würfen aus dem Rückraum selten Schwierigkeiten. Gefährlich wurde es für die Gäste lediglich über die Außenpositionen: Daniel Fernandez und Sascha Pfattheicher gehörten zu den Lichtblicken beim TVB. Die Heimmannschaft agierte immer fahriger, produzierte reihenweise technische Fehler und steuerte nach Groetzkis Tor zum 33:23 (47.) geradewegs aufs nächste Debakel zu. Dem längst in den Kasten zurückgekehrten Heinevetter pfiffen die Bälle um die Ohren bis zum frustrierenden 30:43-Endstand.

Alles in allem war’s ein erneut unschöner Abend für den TVB Stuttgart. Mit 0:8 Punkten und einer miesen Tordifferenz ziert er das Tabellenende – und braucht schleunigst ein Erfolgserlebnis.

Weiter geht’s für den TVB Stuttgart am kommenden Donnerstag (19.05 Uhr) mit der nächsten unangenehmen Aufgabe beim bislang stark aufspielenden Aufsteiger VfL Gummersbach. Dann folgen zwei Heimspiele gegen den TBV Lemgo und den Bergischen HC. Zwei Teams, die längst nicht die Qualität des THW Kiel, der Füchse Berlin oder der Rhein-Neckar Löwen haben.

TVB Stuttgart: Heinevetter, Vujovic; Häfner (2), Serrano, Fernandez (6), Hanusz (6), Schöttle, Lönn (6), Röthlisberger (1), Nicolaus, Forstbauer (2), Zieker (2/1), Pfattheicher (5), Bergendahl.

Rhein-Neckar Löwen: Birlehm, Appelgren; Kirkelokke (1), Knorr (5/3), Helander (8), Móré (3), Ahouansou, Lagergren (6), Groetzki (7), Forsell Schefvert (1), Michalski, Horzen, Gislasson (1), Jaganjac (6), Kohlbacher (5).

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart hat auch sein viertes Saisonspiel verloren. Die Hoffnung, den Vorjahrescoup (35:30) gegen die Rhein-Neckar Löwen zu wiederholen, währte vor 3779 Zuschauern in der Porsche-Arena lediglich zehn Minuten. Die spielfreudigen Gäste überrollten das Team von Trainer Roi Sánchez förmlich und übernahmen mit dem 43:30-Sieg (21:16) mit 8:0 Punkten vorübergehend die Tabellenführung. Auf den völlig verunsicherten TVB dürften frostige Zeiten

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