TVB Stuttgart

Eine Niederlage des TVB, die Mut macht

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Die Löwen mussten sich dem TVB ordentlich entgegenstemmen. Hier geht Patrick Groetzki (dahinter Harald Reinkind und Hendrik Pekeler) gegen Michael Schweikardt zu Boden. Samuel Röthlisberger, Gedeon Guardiola und Manuel Späth (von links) beobachten die Szene. © Ralph Steinemann Pressefoto
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TVB gegen die Rhein Neckar Löwen. © SDMG
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Die Überraschung ist ausgeblieben im Weihnachtsspiel vor 6211 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena. Bei der 23:29-Niederlage im letzten Spiel des Jahres gegen den Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart allerdings sehr gut präsentiert.

Der eine oder andere Fan hatte im Vorfeld die schlimmsten Befürchtungen: Sollten die Rhein-Neckar Löwen ähnlich furios auftreten wie zuletzt bei den deutlichen Siegen gegen die Titelkonkurrenten Füchse Berlin und Flensburg, drohte dem TVB eine böse Klatsche. Dazu kam’s jedoch nicht, weil das Team von Trainer Markus Baur zum Abschluss des Jahres 2017 noch einmal das Herz in beide Hände nahm und sich dem haushohen Favoriten mit allem entgegenstemmte, was es zur Verfügung hatte.

Am Ende waren beide Mannschaften zufrieden: Der abstiegsgefährdete TVB darf mit einem guten Gefühl ins neue Jahr gehen – und die Löwen haben ihren Vorsprung an der Tabellenspitze nach den überraschenden Unentschieden der Füchse und Flensburger auf zwei Punkte ausgebaut.

Überragender Löwenkeeper

In den ersten paar Minuten schienen beide Mannschaften noch nicht richtig bei der Sache zu sein, sie leisteten sich etliche leichte Fehler. Bobby Schagen per Siebenmeter und Michael Schweikardt scheiterten mit den ersten beiden Würfen an Mikael Appelgren. Es sollten jedoch die einzigen Paraden des zuletzt überragenden Löwen-Keepers bleiben, er musste nach 20 Minuten für Andreas Palicka Platz machen.

Nur hauchdünn mit 10:9 führte der Deutsche Meister im ausgeglichenen ersten Spieldrittel. Die Löwen lagen zwar stets mit einem bis drei Toren in Führung, doch der sehr gut eingestellte TVB spielte klug in der Defensive wie im Angriff. Hinten ließ sich der starke Mittelblock mit Manuel Späth und Samuel Röthlisberger selten düpieren. Vorne führte Michael Schweikardt geschickt Regie und brachte seine Halbspieler Marian Orlowski und Stefan Salger immer wieder in sehr gute Wurfpositionen – und beide schlossen mutig ab. Die Löwen, die mit Hendrik Pekeler auf der vorgezogenen Position agierten, war oft einen Schritt zu spät.

Zu zögerlich beim Konter

Orlowski brachte den TVB mit seinem vierten Tor zum 12:13 heran (25.), dann parierte Jonas Maier zweimal in Folge fantastisch. Der Keeper hielt sein gutes Niveau über 60 Minuten hinweg und gestaltete das Duell mit dem ebenfalls guten Palicka ausgeglichen. Nach Bobby Schagens tollem Kempatreffer zum 13:14 (27.) vergab das Heimteam ein besseres Halbzeitresultat: Weil Orlowski, Schagen und Salger an Palicka scheiterten und Tobias Schimmelbauer bei einem Konter zu zögerlich agierte, gingen die Gäste mit der 16:13-Führung in die Pause.

In den zweiten 30 Minuten änderten die Löwen ihre Deckungsformation von 5:1 auf 6:0 – woran der TVB zu knabbern hatte. Es fehlten die Räume für die Schützen auf den Halbpositionen, zudem leistete sich das Heimteam gegen die nun aggressivere Löwen-Deckung mehr technische Fehler als im ersten Spielabschnitt. Die fast logische Folge: Der Favorit zog mit einem 7:1-Lauf binnen acht Minuten zum 21:14 davon.

Kampf um jeden Ball

Damit war die Vorentscheidung gefallen. Mit einem weiteren Debakel wollten sich die Bittenfelder allerdings nicht in die Winterpause verabschieden und kämpften um jeden Ball. Nach einem Doppelschlag von Salger stand's nach 45 Minuten 18:24 – Anlass genug für den Gästetrainer Nicolaj Jacobsen, seine Spieler in einer Auszeit um mehr Konzentration zu bitten.

Dass die Löwen ihre Aufgabe nicht auf die leichte Schulter nahmen, zeigte die Aufstellung: In der zweiten Halbzeit spielte der erste Rückraum mit Mads Mensah Larsen, Andy Schmid und dem starken Alexander Petersson durch. Auch Pekeler am Kreis und Patrick Groetzki auf Rechtsaußen bekamen keine Pause.

Zehn Minuten vor dem Ende verkürzte Dominik Weiß von Linksaußen auf sechs Tore beim 20:26, Schagen verlud Palicka mit einem Trickwurf zum 23:28 (58.). Der letzte Treffer der Partie zum 23:29 war dem guten Löwen-Linksaußen Jerry Tollbring vorbehalten.

Auch wenn der TVB zum Ende des Jahres auf seinen neun Punkten sitzen bleibt: Die Fans dürfen hoffen, dass ihr Team in der Rückrunde mit ähnlichen Vorstellungen den Ligaverbleib schaffen wird.

Aufstellung

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Sdunek;, Schimmelbauer (1), Salger (7), Weiß (1), Schagen (4), Schweikardt (3), Späth (2), Baumgarten, Röthlisberger, Burmeister, Kretschmer, Orlowski (5), Pfattheicher.

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Schmid (6/3), Bliznac, Sigurdsson, Radivojevic, Baena, Tollbring (5), Larsen (4), Pekeler (2), Groetzki (3), Trost, Reinkind (4), Taleski, Guardiola, Petersson (5).

Die Löwen mussten sich dem TVB ordentlich entgegenstemmen. Hier geht Patrick Groetzki (dahinter Harald Reinkind und Hendrik Pekeler) gegen Michael Schweikardt zu Boden. Samuel Röthlisberger, Gedeon Guardiola und Manuel Späth (von links) beobachten die Szene. Bild: Steinemann