TVB Stuttgart

Fünf Tore in Folge: Weiß wirft den TVB zum Sieg

TVB - Eulen Ludwigshafen_0
Jubeltänze beim TVB nach einem heißen Spiel in Ludwigshafen: Nach 0:20 Punkten kam der TVB wieder einmal in den Genuss eines Sieges. Nach dem 25:24-Sieg bei den Eulen hat das Team vier Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge. © Harry Reis

Erfolgreicher Trainer-Einstand für den Geschäftsführer des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Das Team von Jürgen Schweikardt hat sich beim 25:24-Auswärtssieg gegen den Vorletzten Eulen Ludwigshafen wichtige Punkte gesichert. Im dramatischen Spiel avancierte Dominik Weiß zum Matchwinner, der TVB hat nun vier Punkte Polster auf die Abstiegsränge.

Was war das für ein Nervenspiel vor 2350 Zuschauern in der ausverkauften Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle: Lange Zeit stand die erwartet hart umkämpfte Partie zwischen dem Vorletzten und Drittletzten Spitz auf Knopf, ehe sich der TVB zwei Minuten vor Schluss beim 24:21 die erste Drei-Tore-Führung überhaupt herausgeworfen hatte – und doch noch bis zur Schlusssirene zittern musste.

Nachdem sich der TVB ins Ziel gerettet hatte, gab’s kein Halten mehr für die Spieler, die ihrem starken Torhüter Johannes Bitter um den Hals fielen. Noch größeren Anteil am Sieg indes hatte ein anderer: Dominik Weiß, der in dieser Saison noch nicht besonders in Erscheinung getreten war, brachte sein Team in der Schlussphase mit fünf Toren in Folge und einer hundertprozentigen Trefferquote auf die Siegesstraße.

Schweikardt überrascht mit ungewöhnlicher Startformation

Jürgen Schweikardt überraschte bei seiner Trainer-Premiere mit einer ungewöhnlichen Startformation: Im Rückraum begannen Dominik Weiß und Bobby Schagen auf den Halbpositionen, Marian Orlowski durfte sich als Spielmacher beweisen. Jogi Bitter stand erstmals seit seiner Genesung wieder vom Start weg im Kasten.

Den ersten Treffer erzielte ausgerechnet einer, für den es ein besonderes Spiel war: David Schmidt donnerte den Ball zum 1:0 für seine Eulen gegen seinen künftigen Club ins Netz. Mit dem wuchtigen Linkshänder im rechten Rückraum hatte der TVB in der Folge so seine Probleme.

Die Gäste starteten konzentriert: Bobby Schagen per Siebenmeter, Sascha Pfattheicher mit einem frechen Tor von Rechtsaußen und mit einem Konter sorgten für die 3:1-Führung des TVB (7.). Simon Baumgarten und Orlowski legten zum 5:2 nach (10.). Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten die Gäste konsequent ihre Chancen, Bitter hatte bereits die fünfte Parade auf dem Zettel.

TVB hat Probleme mit der aggressiven Deckung

Bei den Eulen aus Ludwigshafen ersetzte Roko Peribonio schon nach zwölf Minuten den glücklosen Kevin Klier – und mit diesem Wechsel auf der Torhüterposition kam der Gastgeber ins Spiel. Der TVB scheiterte dreimal in Folge und hatte – wieder einmal – Probleme im gebundenen Spiel gegen die aggressive Deckung der Eulen. Auch wenn Jürgen Schweikardt kräftig rotieren ließ im Angriff. Schmidt brachte den Aufsteiger beim 5:6 (16.) wieder heran, Azat Valiullin traf nach einem Drei-Tore-Rückstand zum 7:8 ins leere Tor (21.). Der TVB leistete sich in dieser Phase zu viele Zeitstrafen. Dynamik brachte Michael Kraus ins Spiel, das 10:8 (25.) per Schlagwurf war bereits sein vierter Treffer.

Diese Führung brachte der TVB aber nicht in die Halbzeitpause – im Gegenteil: Risikoreiche Pässe landeten in den Fängen der Eulen, bei überhasteten Abschlüssen war Peribonio zur Stelle. Jonathan Scholz sorgte beim 11:10 für die erste Führung des Gastgebers seit dem 1:0 und für den Pausenstand.

Packendes Spiel mit höchstem Einsatz auf beiden Seiten

Pascal Durak sorgte per Konter beim 12:10 für den ersten Zwei-Tore-Vorsprung der Eulen. Davon indes ließ sich der TVB nicht beeindrucken. Das Ziel für die zweiten 30 Minuten war klar: Es musste mehr Tempo ins Spiel. Manuel Späth und Schagen egalisierten schnell zum 12:12 (32.). In der Folge entwickelte sich ein packendes, enges Spiel mit höchstem Einsatz auf beiden Seiten. Ludwigshafen legte meist einen Treffer vor, der TVB glich umgehend aus. Der Eulen-Neuzugang Pascal Hruscak traf nach 46 Minuten zum 19:18, dann war für den heimischen Kreisläufer Kai Dippe nach der dritten Zeitstrafe das Spiel zu Ende.

Bei den Bittenfeldern wechselten sich starke Aktionen mit weniger klugen ab. Baumgarten glich nach einem tollen Anspiel von Michael Schweikardt zum 19:19 aus (49.), Weiß traf zum 20:19 (51.). Der „Lange“ übernahm nun in kritischen Phasen die Verantwortung und hatte beim einen oder anderen abgefälschten Wurf auch ein wenig Dusel. Weiß traf zum 21:20 (53.), 22:21 (54.) und 23:21 (56.) und brachte die Eulen damit unter Zugzwang.

Sieg des TVB geriet noch einmal in Gefahr

Dazwischen hielt Bitter zweimal prächtig. Nach einer Auszeit agierten die Eulen mit 5:1-Deckung – und wieder war Weiß zur Stelle. Michael Schweikardt hatte sich in der Abwehr den Ball geklaut, Weiß netzte zum 24:21 (58.) und zur vermeintlichen Entscheidung ein. Doch der Sieg geriet noch in Gefahr: Schmidt verkürzte schnell zum 22:24 (58.), und auch nach Späths 22:25 nach einem weiteren Schweikardt-Anspiel war der Sack nicht zu. 27 Sekunden vor der Schlusssirene war Schmidt zum sechsten Mal zur Stelle, ehe Alexander Feld den verdutzten Gästen beim Anspiel den Ball klaute – 24:25. Die restlichen zehn Sekunden zitterte sich der TVB über die Ziellinie.

Mit diesem Erfolg hat sich das Schweikardt-Team bei vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge etwas Luft verschafft. Am Donnerstag (19 Uhr) gastiert der SC Magdeburg in der Porsche-Arena.

Eulen Ludwigshafen: Klier, Peribonio; Hruscak (1), Dietrich (1), Scholz (3), Haider (1), Feld (3), Falk (1), Durak (3/2), Bührer, Djpzic, Weber, Dippe (1), Valiullin (4), Schmidt (6).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner, Salger (2), Weiß (6), Schagen (3/1), Schweikardt (1), Späth (2), Kraus (6/1), Baumgarten (2), Röthlisberger, Burmeister, Orlowski (1), Pfattheicher (2).


Stimmen zum Spiel

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Man hat es über 60 Minuten gesehen, was für ein bedeutendes Spiel es für beide Mannschaften war. Für uns war’s eine turbulente Woche mit vielen Emotionen, wir sind am Ende einfach froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen, dann haben wir den Vorsprung schnell wieder hergegeben. In der zweiten Halbzeit müssen wir Dominik Weiß ein großes Kompliment aussprechen, der die entscheidenden Tore gemacht hat – wenn auch hier und da mit etwas Glück. Am Ende waren wir der glückliche Sieger in einem Spiel auf Augenhöhe.“

Benjamin Matschke, Trainer der Eulen Ludwigshafen: „Riesenkompliment an meine Mannschaft, die über 60 Minuten alles reingelegt hat. Wir haben alles investiert. In so einem Spiel hat uns das Quäntchen Glück gefehlt. Gefühlt hatten wir lange das Momentum auf unserer Seite, in der zweiten Halbzeit dann in vier, fünf Aktionen nicht mehr. Ich werde jetzt versuchen, die Mannschaft wieder aufzubauen.“