TVB Stuttgart

Fast ein Deutscher: Der Schwede Adam Lönn vom TVB Stuttgart

TVB Stuttgart-Trainingslager 2022
„Mit 31 Jahren ist man als Sportler zwar ein bisschen älter“, sagt Adam Lönn. „Aber ich fühle mich jung im Kopf und mein Körper fühlt sich auch gut an.“ Der schwedische Rückraumspieler des TVB Stuttgart geht zuversichtlich in die Saison. © Sandy Dinkelacker

Nach Max Häfner, Samuel Röthlisberger und Sascha Pfattheicher ist Adam Lönn der dienstälteste Spieler des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart – und nicht mehr wegzudenken aus dem Team. Der Schwede gehört nicht nur regelmäßig zu den besten Torschützen, mit seinem großen Kämpferherzen ist er schnell zum Führungsspieler geworden. Der 31-Jährige hat noch einiges vor in seiner Wahlheimat. „Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier beim TVB, es passt einfach alles“, sagt er und lacht. „Ich bin schon Deutscher geworden.“

Es war schon eine Umstellung

Adam Lönn ist eine ziemlich treue Seele. Von seinem Heimatclub Linköping ging’s mit 22 Jahren zum HK Malmö. Sechs Spielzeiten blieb er beim schwedischen Erstligisten, ehe er mit dem Wechsel zum TVB Stuttgart den Sprung ins Ausland wagte. „Natürlich war ich am Anfang nervös, es war schon eine Umstellung“, sagt Lönn heute. Auch für seine Frau Julia und den damals vierjährigen Sohn. „Das Leben in Deutschland war anders als in Schweden, wie auch der Handball.“

Von Anpassungsproblemen indes war kaum etwas zu spüren. „Mir hat es hier von Anfang an großen Spaß gemacht, alle waren sehr offen und supernett.“ Wobei ihn das nicht überrascht habe. „Ich habe zwar nicht für so viele Vereine gespielt, aber ich habe noch keine schlechten Jungs kennengelernt.“

Schnell die Sprache lernen

Zur raschen Integration beigetragen hat Adam Lönns Eigenschaft, die auch abseits des Spielfelds zum Tragen kommt: sein Ehrgeiz. „Ich wollte unbedingt schnell reinkommen in die deutsche Sprache.“ Er machte einen Sprachkurs, schaute Filme auf Deutsch und hörte Radio. „Jetzt spreche ich am liebsten Deutsch, auch wenn es noch nicht perfekt ist.“

Ein bisschen mehr Probleme, sich einzuleben, habe seine Frau gehabt. „Sie hat sich zwar auch immer wohlgefühlt. Aber ich war oft weg im Training und hatte hier mein soziales Leben.“ Seine Frau hatte zu Beginn außerhalb der Familie nicht so viele Kontakte, tat sich auch schwerer mit der Sprache. „Sie versteht inzwischen zwar alles, aber sie spricht nicht so gut Deutsch, wie sie möchte.“

Zweisprachig aufwachsen werden die Kinder. Der ältere Sohn ist mittlerweile sieben Jahre alt, der jüngere drei. Im Oktober werden die Lönns zu fünft sein. Es wird einiges los sein im Hause Lönn – wie jetzt bereits beim schwedisch-deutschen Sprachenmix. „Der Kleine spricht fast nur Deutsch“, sagt Lönn und lacht. „Er steht auf und fragt, Papa, was machen wir heute?“ Hin und wieder kreiere er auch neue Wörter. „Der erste Teil ist deutsch, der zweite schwedisch.“

Den Reset-Knopf gedrückt

Privat lief’s also von Beginn an gut, auch sportlich gab’s für Lönn kaum Grund zur Klage. „Jürgen Schweikardt hat mir viel Raum gegeben, damit ich mich entwickeln konnte. Das war sehr wichtig und einfacher für mich, meine Rolle zu finden.“ In den sechs Jahren in Malmö habe er vier Jahre denselben Trainer gehabt. Was im Grunde nicht von Nachteil sei. Allerdings habe jeder Trainer eine bestimmte Meinung von einem Spieler, was er könne und was nicht. „Als ich zum TVB gekommen bin, war das Blatt Papier wieder weiß“, sagt Lönn. „Es war wie ein Reset-Knopf. Ich konnte zeigen, was ich kann.“

Kräftemäßig und läuferisch sei er schon immer gut gewesen. Beim TVB sei er aber ein viel besserer Handballer geworden. Es mache ihm großen Spaß zu sehen, dass er sich auch mit 31 Jahren noch entwickeln könne. „Als Sportler ist man da zwar ein bisschen älter“, sagt er und lacht. „Aber ich fühle mich jung im Kopf, und mein Körper fühlt sich auch gut an.“

Ein klarer Kopf, davon ist Lönn überzeugt, ist auch vonnöten, um Leistung zu bringen auf der Platte. Viel Wert legt der Schwede auf die Spielvorbereitung. Er müsse gut trainiert und seine Videos vom Gegner angeschaut haben. „Ich muss wissen, was mein Gegner gut macht, wo ich eine Lücke finden oder eine Eins-gegen-eins gewinnen oder wie ich einen Ball klauen kann.“ Dann gehe er mit einem guten Gefühl ins Spiel. „Es sind Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden können.“

Ganz gleich, ob der TVB gewinnt oder verliert: Die Körpersprache müsse stets dieselbe sein, sagt Lönn. „Die Ausstrahlung ist immer sehr wichtig. Für die Zuschauer, die Mitspieler und den Gegner. Man darf nicht angeschlagen aussehen.“

Adam Lönn ist zuversichtlich, dass sich der TVB in der kommenden Spielzeit gut präsentieren wird. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die meisten Spieler kennen jetzt das neue System, wir finden einander immer besser.“ In der Vorbereitung seien die Fortschritte zu sehen gewesen – vor allem in der Abwehr. „Sie und das Umschaltspielen müssen unsere Stärke sein.“ Ein bisschen „genervt“ ist Lönn, dass der TVB – wie in der vergangenen Saison – zum Start etliche angeschlagene Spieler im Kader hat. „Wir möchten mal ohne Verletzungen und gut in die Saison starten.“

Keine Angst vor Kritik

Angst vor einem erneuten Fehlstart und kritischen Stimmen hat Adam Lönn nicht. „Wir müssen einfach ruhig bleiben. Wichtig ist, dass wir uns gut präsentieren.“ Von außen, sprich den Medien, lasse er sich nicht beeinflussen. „Ich lese so gut wie nichts, das habe ich auch in Schweden nicht gemacht.“ Wichtig sei ihm das Feedback vom Trainer, vom Geschäftsführer und von den Mitspielern. „Es kommt natürlich schon mal vor, dass ein Nachbar einen Kommentar abgibt, wenn er etwas gelesen hat“, sagt Lönn und grinst.

Mindestens noch zwei Jahre werden die Nachbarn in Waiblingen die Lönns zum Schwätzchen antreffen. So lange ist Adam Lönn an den TVB Stuttgart gebunden. Und dann? „Darüber denke ich frühestens in einem Jahr nach“, sagt er. Langfristige Pläne seien nicht sein Ding, er lebe lieber im Hier und Jetzt. Er mache sich auch keine Gedanken über die Zeit nach seiner Karriere. Darüber, ob er in die Heimat zurückkehren wird. „Wenn die Zeit kommt, dann kommt sie und wir entscheiden gemeinsam, was wir machen.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass Adam Lönn planlos in den Tag hineinlebt – im Gegenteil: Im Fernstudium studiert er Computer Science. Nicht in einem irrsinnigen Tempo freilich, schließlich bestimmen der Handball und die Familie den Tagesablauf. So sehr, dass Heimatbesuche eher selten sind, zumal die Schulferien ein Hindernis bei den Planungen sind.

„Dieses und vergangenes Jahr war ich jeweils nur eine Woche in Schweden, im Winter schaffe ich’s auch nicht“, sagt er und grinst. „Ich bin schon Deutscher geworden.“

Nach Max Häfner, Samuel Röthlisberger und Sascha Pfattheicher ist Adam Lönn der dienstälteste Spieler des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart – und nicht mehr wegzudenken aus dem Team. Der Schwede gehört nicht nur regelmäßig zu den besten Torschützen, mit seinem großen Kämpferherzen ist er schnell zum Führungsspieler geworden. Der 31-Jährige hat noch einiges vor in seiner Wahlheimat. „Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier beim TVB, es passt einfach alles“, sagt er und lacht. „Ich

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