TVB Stuttgart

Fehler über Fehler, Entscheidung vertagt

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Kampf um jeden Ball (hier Dominik Weiß gegen Isaias Guardiola Villaplana), aber das reichte dem TVB Stuttgart letztlich nicht zu einem Sieg gegen den TBV Lemgo. © Ralph Steinemann

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart muss sich noch gedulden, bis der Ligaverbleib in trockenen Tüchern ist. Nach fünf Spielen ohne Niederlage hat er sich vor 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena dem TBV Lemgo mit 27:28 geschlagen geben müssen. Die Gäste profitierten von der extrem hohen Fehlerzahl des TVB, der fast noch einen Punkt gerettet hätte.

Außer auf Sascha Pfattheicher musste der TVB erneut auf seinen Torhüter Johannes Bitter verzichten. Dessen Vertreter Jonas Maier machte seine Sache, wie schon in Gummersbach, sehr gut. An ihm lag’s nicht, dass der TVB im Kampf um den Ligaverbleib die Vorentscheidung verpasste.

Der TVB scheitert an sich selbst

Bei noch fünf Spielen und sechs Punkten Vorsprung muss sich das Team von Trainer Jürgen Schweikardt noch ein bisschen gedulden. Die Chance, vorzeitig für mehr oder weniger klare Verhältnisse zu sorgen, ließ der TVB leichtfertig liegen: Er scheiterte weniger am Gegner denn an sich selbst.

Dabei war der TVB ordentlich ins Spiel gekommen, führte schnell mit 3:1 (5.). Bei den Gästen waren Fabian van Olphen und Christian Klimek nach einer Verletzungspause zurück, Lemgo tat sich jedoch im Angriff zunächst schwer.

Mit langen Angriffen suchte das Team von Trainer Florian Kehrmann die Lücken in der Bittenfelder Deckung. Die indes agierte klug. Überraschenderweise stand’s nach 15 Minuten dennoch nur 6:6, obgleich der TVB eigentlich die bessere Mannschaft war.

Eklatante Konzentrationsschwächen im Angriff

Dies war in erster Linie den eklatanten Konzentrationsschwächen im TVB-Angriff geschuldet. Technische Fehler wechselten sich mit – unvorbereiteten – Fehlwürfen ab. Lemgo nützte diese Schwächen des TVB eiskalt aus – und legte von der 20. Minute an nach.

Nach dem 9:7 durch Marian Orlowski, der wie der zuletzt so starke Dominik Weiß keinen guten Tag erwischte, verloren die Bittenfelder komplett den Faden. Die Deckung ließ sich immer wieder von Tim Suton düpieren, und die Abspielfehler im Angriff waren ein gefundenes Fressen für die flinken Lemgoer Konterspieler.

Mit einem 5:0-Lauf zogen die Gäste binnen vier Minuten auf 12:9 davon (24.) und gingen mit der verdienten 16:11-Führung in die Halbzeit.

Michael Kraus hielt sein Team im Spiel

Nach der Pause agierte der TVB genauso fahrig weiter. Isaias Guardiola traf zum 17:11 (32.) und zum 19:14 (37.). Es blieb dabei: Lemgo musste lediglich auf Missgeschicke des TVB warten. Dessen Spiel entwickelte sich nun zur Ein-Mann-Show.

Michael Kraus übernahm die Verantwortung und hielt sein Team im Spiel. Das 16:20 (40.) war bereits sein siebtes Tor. Nach dem 17:21 durch Kraus und einem Kontertreffer von Manuel Späth zum 18:21 (43.) durften die Fans wieder hoffen, doch ihr Team ließ weiterhin beste Chancen liegen.

Kraus drehte, etwas zu lässig, einen Siebenmeter übers Tor, nach Patrick Ziekers 18:24 hatten die Gäste eine Viertelstunde vor dem Ende wieder alle Trümpfe in der Hand.

Plötzlich wackelte Lemgo

Nach einer Auszeit beim 20:25 (49.) setzte der TVB im Rückraum mit Michael Kraus, Michael Schweikardt und Bobby Schagen auf das spielerische Element – allerdings mit überschaubarem Erfolg. Kraus – wer sonst – traf zwar zum 22:26 (51.).

Doch im Anschluss scheiterte er gleich zweimal völlig frei am Lemgoer Keeper Piotr Wyszomirski. Nach dem 22:27 durch Andrej Kogut schien fünf Minuten vor dem Ende die Partie durch zu sein, Zieker legte zum 23:28 nach (56.). Mit einem dramatischen Finale hatte keiner mehr gerechnet. Plötzlich jedoch wackelte Lemgo.

Kraus, Finn Kretschmer und Schweikardt brachten ihr Team binnen eineinhalb Minuten auf 26:28 heran, 60 Sekunden vor der Sirene sorgte Samuel Röthlisberger für das 27:28. Nach einem wiederholten Fehlwurf der Gäste blieben dem TVB nach einer Auszeit sieben Sekunden Zeit, um einen Punkt zu retten. Den finalen Angriff spielte das Heimteam aber nicht gut aus. Weiß scheiterte mit einem direkten Freiwurf an Wyszomirski.


TVB 1898 Stuttgart: Maier, Sdunek; Schimmelbauer, Lobedank, Salger, Weiß (2), Schagen (5), Schweikardt (1), Späth (2), Kraus (11/3), Markotic, Baumgarten (2), Röthlisberger (1), Kretschmer (1), Orlowski (2). TBV Lemgo: Wyszomirski, Johannesson; Kogut (1), Guardiola (3), Ebner, van Olphen (1), Hornke (8/2), Hangstein, Hübscher, Suton (5), Zerbe, Engelhardt, Bartok (2), Klimek (3), Zieker (5)

Stimmen zum Spiel

Florian Kehrmann, Trainer des TBV Lemgo: „Ich bin glücklich, dass wir in Stuttgart endlich mal gewonnen haben. In den ersten zehn Minuten sind wir nicht gut ins Spiel gekommen, da hatten wir zu viel Respekt vor der Stuttgarter Deckung. Wir spielten aber von Beginn an eine gute Abwehr, hatten einige Ballgewinne. Zur Pause waren wir verdient mit fünf Toren vorne. Die zweite Halbzeit war ausgeglichen. Wenn man fünf Minuten vor dem Ende mit vier Toren führt, sollte man das Spiel nach Hause bringen. Es spricht für uns, dass wir die letzte Minute routiniert runtergespielt haben.“

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Es war ein absolut verdienter Sieg für Lemgo. Bis drei Minuten vor dem Ende habe ich gedacht, wir können fünf Stunden spielen und werden nicht gewinnen. Wir haben vorne nicht diszipliniert und entschlossen genug agiert, und Lemgo hat unsere Fehler bestraft. Wenn so viele Dinge nicht funktionieren wie bei uns heute, kann man ein Spiel nicht gewinnen. Ich hatte gehofft, wir machen heute den Deckel drauf im Abstiegskampf und sind schon ernüchtert. Jetzt müssen wir uns die beiden Punkte, die uns wahrscheinlich noch fehlen, woanders holen“.