TVB Stuttgart

Gegen den THW Kiel: „Sie brennen alle – sofern sie fit sind“

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Viele Gelegenheiten, sich zurückzulehnen, wird’s für Markus Baur (links daneben Alexander Heib, hinten Viorel Fotache) am Sonntag kaum geben: Mit dem THW Kiel kommt zum Liga-Auftakt eine der besten Club-Mannschaften der Welt in die Porsche-Arena. © Steinemann / ZVW

Waiblingen.
Mit dem THW Kiel bekommen die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart zum Liga-Auftakt eine kleine Weltauswahl vorgesetzt. „Es ist doch super, am ersten Spieltag so ein Team hier zu haben“, sagt Markus Baur. Die Erfolgsaussichten freilich sind äußerst gering – zumal der Trainer noch nicht weiß, welche Spieler er in welchem Zustand zur Verfügung haben wird.Die weiteren Spiele des ersten Spieltags:

Mit dem THW Kiel bekommen die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart zum Liga-Auftakt eine kleine Weltauswahl vorgesetzt. „Es ist doch super, am ersten Spieltag so ein Team hier zu haben“, sagt Markus Baur. Die Erfolgsaussichten freilich sind äußerst gering – zumal der Trainer noch nicht weiß, welche Spieler er in welchem Zustand zur Verfügung haben wird.

Markus Baur war am Mittwochabend ein vielbeschäftigter Mann. Im Rahmen des Supercups in der Porsche-Arena zwischen den Rhein-Neckar Löwen und Magdeburg stand zunächst die Pressekonferenz zum Liga-Auftakt des TVB gegen Kiel am Sonntag auf dem Programm, in der Spielpause gab der neue TVB-Coach dem TV-Sender Sport 1 ein Interview. Und natürlich musste Baur bei seiner Rückkehr in die Bundesliga jede Menge Hände schütteln.

Zu sehen gab’s einiges am Mittwoch auch für den TVB, der mit dem kompletten Kader das Supercup-Match verfolgte. „Sozusagen als Anschauungsunterricht“, sagte Baur bei der Pressekonferenz und grinste. Am Sonntag muss sich der Vorjahresaufsteiger mit einem ähnlichen Kaliber auseinandersetzen. Mindestens. Die Kieler blieben zwar in der vergangenen Saison zum ersten Mal seit 13 Jahren ohne Titel, in der Bundesliga kam das Team von Trainer Alfred Gislason hinter den Rhein-Neckar Löwen und der SG Flensburg-Handewitt gar nur als Dritter ins Ziel.

Dass die Kieler in der kommenden Spielzeit wieder an die Macht wollen, zeigen alleine die Neuverpflichtungen: Der deutsche Nationaltorhüter Andreas Wolff kam von der HSG Wetzlar und dürfte zusammen mit dem dänischen Nationalkeeper Niklas Landis eines der weltbesten Duos überhaupt bilden. Mit Torsten Jansen und Dominik Klein verlor der THW zwar routinierte Linksaußen, der Gummersbacher Raul Santos indes gilt als einer der Besten seiner Zunft und ist mit 24 Jahren zudem ein Mann für die Zukunft.

Überraschend vom ungarischen Top-Club Veszprem zurückgekehrt ist Christian Zeitz. Im rechten Rückraum sahen die Verantwortlichen offensichtlich Handlungsbedarf – trotz Steffen Weinhold, Marko Vujin und Dener Jaanimaa.

Nicht nur auf dieser Position kann der TVB dem Gegner nicht das Wasser reichen. Weil Felix Lobedank und Djibril M’Bengue verletzt ausfallen, werden sich die etatmäßigen Rechtsaußen Bobby Schagen und Finn Kretschmer diese Aufgabe teilen. Der THW dagegen ist auf sämtlichen Positionen zwei- oder dreifach besetzt: auf Rechtsaußen mit Niclas Ekberg und Christian Sprenger, auf der anderen Seite mit Rune Dahmke und Santos, am Kreis mit Patrick Wiencek und René Toft Hansen.

Beim TVB stehen kleine Fragezeichen hinter dem Fitnesszustand von Marian Orlowski (Prellung am Fuß), Michael Kraus (Knieverletzung) und Dominik Weiß (krank). Markus Baur hofft, dass sie bis Sonntag wieder einigermaßen hergestellt sein werden.

Trotz der misslichen personellen Lage freut sich der Coach auf die Partie – auch wenn die Messlatte mit dem THW sehr hoch liege. „Wir werden das Beste aus der Situation machen und alles daransetzen, den Kielern einen harten Fight zu bieten“, sagt er. „Die Spieler, die fit sind, brennen alle.“

Die weiteren Spiele des ersten Spieltags:

HSG Wetzlar – Füchse Berlin (Fr 19.45)

Flensburg-Handewitt – Erlangen (Sa 15)

Rhein-Neckar Löwen – Magdeburg (Sa 15)

TBV Lemgo – TSV GWD Minden (Sa 19)

VfL Gummersbach – HBW Balingen (Sa 19)

Göppingen – Hannover-Burgdorf (Sa 20.15)

SC DHfK Leipzig – Bergischer HC (So 15)

MT Melsungen – HSC 2000 Coburg (So 17)


TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt über die neuen Regeln und die Hoffnung auf größere TV-Präsenz des Handballs

Jürgen Schweikardt rechnet gegen Kiel mit 5500 Fans. „Das ist beachtlich“, sagt der Geschäftsführer des TVB.

Herr Schweikardt, angesichts der erfahrenen Neuzugänge Michael Kraus und Felix Lobedank blickt der TVB vorsichtig optimistisch auf seine zweite Saison in der ersten Liga. Den ersten Dämpfer gab’s jedoch schon mit dem Pokal-Aus, zudem haben sich beide Hoffnungsträger verletzt. Mit Djibril M’Bengue fällt ein weiterer wichtiger Spieler länger aus, auch Marian Orlowski ist angeschlagen. Fürchten Sie nun einen Fehlstart?
Die Pokalniederlage war natürlich nicht schön. Aber wenn wir so viele Ausfälle haben und Bietigheim in Bestbesetzung antritt, dann ist das ein Spiel auf Augenhöhe, das der Zweitligist knapp für sich entschieden hat. Aber einen Fehlstart fürchte ich deshalb nicht. Wir möchten uns jetzt gegen Kiel so gut wie möglich präsentieren und das nächste Heimspiel gegen den Bergischen HC gewinnen.

Für das Auftaktspiel gegen den THW Kiel in der Porsche-Arena gibt’s – etwas überraschend – noch ausreichend Karten. Ist diese Zurückhaltung der Ferienzeit geschuldet oder wollen die Fans ein solch ungleiches Duell womöglich nicht ein zweites Mal sehen?
Ich glaube eher, dass alle nach der vergangenen Saison, in der fast alle Spiele ausverkauft waren, ein bisschen verwöhnt sind. Wir haben bis jetzt rund 5500 Karten verkauft und gehen davon aus, dass an der Abendkasse noch Tickets weggehen. Das ist eine sehr beachtliche Zahl. Schließlich sind noch Sommerferien, das Wetter ist toll und es gibt zig Veranstaltungen im Freien. Zudem wird ein neutraler Zuschauer, der sich – womöglich für die ganze Familie –, Karten für das Supercup-Finale am Mittwoch besorgt hat, nicht vier Tage später noch einmal in die Porsche-Arena gehen. Das ist ja auch eine finanzielle Frage.

Um sich zu präsentieren, braucht der Handball sämtliche Medien. Die Live-Spiele in Sport 1 haben sich mittlerweile etabliert, in den regionalen TV-Programmen tut sich allerdings deutlich weniger. Gibt’s diesbezüglich Hoffnung? Schließlich böten sich mit den Partien gegen FA Göppingen und den HBW Balingen-Weilstetten stimmungsvolle Derbys an.
Im September/Oktober werden im Handball, ähnlich wie im Fußball, die Fernsehrechte neu vergeben. Ich hoffe, dass die öffentlich-rechtlichen Sender Interesse zeigen an unserem Sport. Es wäre natürlich toll, wenn beispielsweise die dritten Programme eben solche Derbys übertragen würden.

Hat sich Sport 1 für die neue Saison auch schon ein Spiel des TVB ausgeguckt?
Ja, Sport 1 hat uns bis Ende November sogar drei Spiele zugesichert: gegen Kiel, die Rhein-Neckar Löwen und gegen die SG Flensburg-Handewitt. Das ist, denke ich, für einen Vorjahresaufsteiger nicht selbstverständlich.

Seit den Olympischen Spielen in Rio finden die neuen Regeln Anwendung – und stoßen teilweise auf heftige Kritik. Welche Neuerung finden Sie sinnvoll, welche weniger?
Für sinnvoll halte ich, dass ein Spieler, der auf dem Feld behandelt worden ist, anschließend für drei Angriffe aussetzen muss. Schauspielerei, wie sie hier und da im Fußball zu sehen ist, ist ja im Handball verpönt. Mit dieser Regel wird ihr zusätzlich entgegengewirkt. Nicht so begeistert bin ich vom siebten Feldspieler, ich finde sechs gegen sechs deutlich spannender. So gibt’s von vorneherein eine Überzahl, die man sich nicht erarbeitet hat und die man durch taktisches Geschick zu seinen Gunsten nutzen kann. Es fallen auch die Zweikämpfe weg. Und die Würfe auf das leere Tor find’ ich nicht so prickelnd, ich sehe lieber einen Gegenstoß, bei dem ein Torhüter den Ball noch halten kann. Aber vielleicht bin ich in diesem Punkt zu sehr Traditionalist.


Regelkunde. Folgende fünf Regeländerungen hat der Weltverband IHF zur neuen Saison beschlossen:

1. Verletzungsversorgung auf der Spielfläche:
Ein Spieler, der auf der Spielfläche versorgt wurde, muss diese anschließend verlassen und darf erst wieder eingesetzt werden, wenn seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat. Er kann jedoch auf der Spielfläche durch einen anderen Spieler ersetzt werden.

Besondere Bestimmungen:
• Dies gilt nicht, wenn die Versorgung die Folge eines progressiv bestraften Fouls des gegnerischen Spielers war.
• Dies gilt nicht, wenn der Torwart zuvor von einem Ball am Kopf getroffen wurde.
• Verbleibende Angriffe werden zum Ende einer jeden Halbzeit gelöscht.
• Erhält der verletzte Spieler eine Zwei-Minuten-Strafe, kann er nach Ablauf der Strafzeit, unabhängig von der Anzahl gespielter Angriffe, wieder eingesetzt werden.
• Zeitnehmer/Sekretär übernehmen das Zählen und stellen zur allgemeinen Information eine weiße Karte mit der jeweiligen Spielernummer auf.
• Betritt der behandelte Spieler die Spielfläche vor Ablauf der drei Angriffe, begeht er einen Wechselfehler und wird für zwei Minuten hinausgestellt.

2. Passives Spiel:
Nach der Anzeige des Vorwarnzeichens hat die angreifende Mannschaft höchstens sechs Pässe zur Verfügung, danach muss sie aufs Tor werfen. Wenn der Ball von Angreifer zu Angreifer gespielt wird, zählt dies als Pass. Erhält eine Mannschaft nach dem sechsten Pass einen Freiwurf (Einwurf, Abwurf) zugesprochen, muss sie diesen nicht direkt aufs Tor werfen. Sie erhält für die Wurfausführung einen zusätzlichen Pass.
Die Schiedsrichter sind für das Zählen der Pässe verantwortlich. Sie können jedoch weiterhin auch vor Ablauf der sechs Pässe auf Passives Spiel entscheiden.

3. Die letzten 30 Sekunden:
Wird in den letzten 30 Sekunden ein Freiwurf, Anwurf, Einwurf oder Abwurf verhindert (durch Behinderung, Abfangen des Passes oder andere Vergehen), wird der Spieler disqualifiziert und dem Gegner wird ein Siebenmeter-Wurf zugesprochen. Dasselbe gilt, wenn ein Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden ein Foul begeht, das mit der Roten Karte bestraft werden muss.
Diese Regel ersetzt die bisherigen Bestimmungen in der letzten Minute. Die Grundlagen der Entscheidung (Regelmerkmale und Regelkriterien) sind jedoch unverändert geblieben.

4. Siebter Feldspieler:
Eine Mannschaft darf mit sieben Feldspielern und ohne Torwart spielen. Einem Feldspieler ist es nicht erlaubt, den (eigenen) Torraum zu betreten. Er wird progressiv bestraft, wenn er sich durch das Betreten einen Vorteil verschaffen will. Wird ein Wurf aufs leere Tor regelwidrig verhindert oder der Ball im Torraum durch einen Feldspieler berührt, ist auf Siebenmeter zu entscheiden. Bei einem Torerfolg des Gegners darf ein Spieler der abwehrenden Mannschaft den Ball aus dem Tor holen und zum Anwurf nach vorne werfen oder bringen.
Muss diese Mannschaft einen Abwurf ausführen, muss zuvor ein Torwart eingewechselt werden. Die alte Regelung mit dem siebten Feldspieler mit Überziehleibchen bleibt zusätzlich bestehen.

5. Blaue Karte
Wird ein Spieler disqualifiziert und die Schiedsrichter verfassen einen Bericht zwecks zusätzlicher Bestrafung, zeigt der Schiedsrichter nach der Roten Karte zusätzlich eine Blaue Karte.


(Quelle: DKB-Handball-Bundesliga)

Info
Vor dem Spiel findet von 15.30 bis 18.45 Uhr auf der Terrasse im Palm Beach eine Warm-up-Party statt. Das Maskottchen Johnny und die verletzten Spieler werden Autogramme geben.