TVB Stuttgart

Halten wie ein Weltmeister

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So geht’s richtig: Jogi Bitter wirft, Moritz Luckert pariert den Ball. Eine Stunde lang trainierten die Nachwuchstorhüter in der Bittenfelder Gemeindehalle mit dem Weltmeister von 2007. © Jamuna Siehler
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Gruppenfoto mit dem TVB-Torhüter (von links): Isabel Pflug, Moritz Luckert, Fabian Bauer, Jogi Bitter, Jannik Staudenmaier, Justin Labuhn. © Jamuna Siehler

Er taugt zweifellos als Vorbild, und er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: Vier Nachwuchstorhüter und eine -torhüterin haben mit dem ehemaligen Handball-Weltmeister Jogi Bitter eine Stunde lang trainiert. Die ZVW-Sportredaktion hat in Zusammenarbeit mit dem TVB 1898 Stuttgart die Übungsstunde in der Bittenfelder Gemeindehalle initiiert.

Er ist ganz schön groß, der Jogi Bitter. 2,05 Meter. Moritz Luckert (11) und Fabian Bauer (12) reichen dem Torhüter des TVB gerade einmal bis zu den Brustwarzen. Fabian ist dem Weltmeister von 2007 schon vor der gemeinsamen Trainingseinheit ganz nahe gekommen: Der C-Jugend-Keeper des TV Bittenfeld sitzt bei den Heimspielen des Erstligisten als Wischer nur ein paar Meter weg vom Tor. Weil sich Bitter jedoch logischerweise aufs Spiel konzentrieren muss, kam’s zu keinem Kontakt. Bis Samstag.

Der Zwölfjährige hat sich – wie auch Isabel Pflug (16/SG Schorndorf), Justin Labuhn (14/SV Remshalden), Moritz Luckert (11/EK Winnenden) und Jannik Staudenmaier (12/SC Korb) – riesig darüber gefreut, dass er fürs Torhütertraining ausgewählt worden ist – und ärgert sich furchtbar, dass er sich tags zuvor bei der Verbandsauswahl den Ellbogen überdehnt hat. Eine Schiene zwingt Fabian zu einer einwöchigen Pause. Mindestens.

Ich bin nicht der Herr Bitter oder so, ich bin der Jogi

Okay, die Pause startet erst nach dem Termin mit Jogi Bitter. „Mal schauen, was ich mitmachen kann“, sagt Fabian zu Beginn der Übungseinheit. Er schildert Bitter, wie’s zur Verletzung gekommen ist. „Das hört sich ja gefährlich an“, sagt Bitter. Nachdem der Weltmeister die Formalitäten geklärt hatte („Ich bin nicht der Herr Bitter oder so, ich bin der Jogi)“, gesellt sich Fabian zu seinen Kollegen: Das Aufwärmprogramm steht an. Derweil verdreht Fabians Mutter die Augen. Sprich: Es ist wohl sinnlos, den Sprössling zu einer Theoriestunde zu verdonnern. Diese Chance kommt so schnell nicht wieder.

Jogi Bitter erzählt seinen Trainingsgästen, was sie in der nächsten Stunde zu erwarten haben: „Ich zeige euch, wie ich mich auf Spiel und Training vorbereite, dann machen wir ein paar Technikübungen“, sagt Bitter. „Und am Ende werden wir noch richtig Spaß haben.“

Zunächst jedoch steht die erste Aufwärmübung an: „Das Wichtigste im Training ist ein kleines Fußballspiel am Anfang“, sagt der Handballtorhüter. „Wir drei gegen euch – und ihr habt keine Chance.“ Als einer der Jungs den Ball am Tor vorbeischießt, ruft der bekennende Werder-Bremen-Fan Bitter „oje, wie der VfB“ in die Runde. Nun gut, einem Weltmeister wird dieser kleine Fauxpas verziehen.

Sitzt du auf Arsch, hast du Fehler gemacht

„Seid ihr warm?“, will er wissen und grinst. „Fabi hat jedenfalls schon mal einen roten Kopf.“ Na dann kann’s ja losgehen mit den Dehnübungen. Nicht übermäßig viele, „weil wir ja möglichst viel mit dem Ball machen möchten“. Bedeutend seien die Grundtechniken des Torhüterspiels. Bitter wirft hohe Bälle, die Nachwuchskeeper wehren ab. „Der Torwart muss auf dem schnellsten Weg dorthin, wo der Ball hinkommt. Das heißt, ihr dürft nicht hüpfen wie ein Känguru. Und den Fuß immer schön parallel zur Torlinie stellen, sonst holt ihr euch einen Bänderriss.“

Nächste Übung: Abwehr von flach geworfenen Bällen. Hand und Fuß sind dabei im Einsatz. „Viele Dänen und Schweden machen dazu einen Spagat“, sagt Bitter. Das sei nicht sein Ding, er sei in die russische Handballschule gegangen. „Mein Trainer sagte immer: Sitzt du auf Arsch, hast du Fehler gemacht.“ Also: oben bleiben, mit einem langen Ausfallschritt und der Hand den Ball abwehren. „Absitzen kann man immer noch.“ Isabel und die vier Jungs sind eifrig bei der Sache. Natürlich macht auch der „einarmige“ Fabian mit. Allerdings nur auf eine Seite, und sehr zur Beruhigung seiner Mutter. Zunächst. „Zwei Minuten Pause“, ruft Bitter. „Ich muss jetzt was trinken.“

Als Nächstes steht die Abwehr aus der Nahdistanz auf dem Trainingsplan. Entscheidend sei, dass der Torhüter so schnell wie möglich nach vorne komme und den Winkel verkürze. „Zwei, drei schnelle Schritte, in Grundposition gehen und bereit sein.“ Und: erst das Knie beugen, dann das Bein ausstrecken. „Viele machen den Fehler und beugen das Bein in der Hüfte.“ Wie eine Balletttänzerin. „Das dauert viel zu lange.“

Wichtig sei, stets mit einer gewissen Grundspannung im Tor zu stehen und „allzeit bereit“ zu sein. Knie leicht gebeugt, den Po ein bisschen nach hinten schieben. „Und immer hin zum Ball, nicht wegdrehen“, sagt Bitter – und überrascht seine jungen Trainingsgäste mit der nächsten Übung („eine extra für mich“): Es wird schon wieder gekickt. Bitter steht am Kreis und schießt den Handball aufs Tor. „Ich spiel nun mal gerne Fußball.“ Das indes ist nicht der einzige Hintergrund. Die Talente sollen überraschende Bälle abwehren, das schult das Reaktionsvermögen. „Es ist ungewohnt, normalerweise kommt der Ball von oben.“

Überhaupt nicht handballmäßig kommt die finale Übung daher: Vor dem Tor wird eine Weichbodenmatte ausgelegt, Isabel und die Jungs hechten nach dem Ball. „Ihr sollt das Ding rausholen – egal wie“, sagt Bitter. Das ist eine Übung wie geschaffen für Fabian. Die Mutter mag gar nicht hinsehen. Der Sohnemann gibt Entwarnung: Er schmeißt sich nur auf die Seite mit dem funktionsfähigen Arm. Nun ja.

Nach einer guten Stunde ist Schluss mit der Einheit. Einhellige Meinung von Isabel, Justin, Fabian, Moritz und Jannik: „Es hat großen Spaß gemacht.“ Überrascht zeigte sich Moritz. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Jogi so nett ist.“