TVB Stuttgart

Handball-Saison der 1. und 2. Liga wird abgebrochen

Handball Tor_0
Symbolbild. © Joachim Mogck

Die Coronavirus-Pandemie zwingt auch den Handball in die Knie: Die Saison 2019/20 der 1. und 2. Bundesliga wird mit sofortiger Wirkung beendet. Die Entscheidung für den Abbruch trafen die 36 Profiklubs am Dienstag mit laut Mitteilung "sehr deutlicher Mehrheit". Die Wertung der Abschlusstabelle erfolgt nach der sogenannten Quotienten-Regelung. Dabei werden die Pluspunkte eines Teams durch die absolvierten Spiele geteilt und dann mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komme gerundet. Bei gleichem Quotienten entscheidet die Tordifferenz

Hieraus ergeben sich folgende Wertungen:

  • Der THW Kiel ist als Tabellenerster „Deutscher Meister“ der Saison 2019/20
  • SG Flensburg-Handewitt ist Tabellenzweiter und dadurch ebenfalls für die Champions League 2020/21 qualifiziert
  • Die Tabellenplätze 3-5 berechtigen zur Teilnahme an der Euro League (vorher EHF Cup) 2020/21. Qualifiziert sind SC Magdeburg, TSV Hannover-Burgdorf, Rhein-Neckar Löwen)
  • Der TVB Stuttgart beendet die Spielzeit auf dem 12. Tabellenplatz
  • HSC 2000 Coburg ist Meister der 2. Handball-Bundesliga
  • Aufsteiger in die 1. Liga: HSC 2000 Coburg und TUSEM Essen (Zweitplatzierter) 
  • Absteiger-Regel: Es gibt keine sportlichen Absteiger aus der 1. und 2. Handball-Bundesliga
  • Aufsteiger aus 3. Ligen: Nach Abstimmung mit dem Deutschen Handballbund steigen statt wie im Grundlagenvertrag vorgesehen drei Teams, in der kommenden Saison vier Klubs aus den vier 3. Ligen in die 2. HBL auf

Zum jetzigen Zeitpunkt würde sich durch obige Saisonbewertung eine Aufstockung der 1. Liga von 18 auf 20 Klubs sowie in der 2. Handball-Bundesliga von 18 auf 19 Klubs ergeben. Die HSG Krefeld hatte keine Lizenz erhalten und steht als Absteiger aus der 2. Liga fest. Insgesamt trifft der Abbruch die Liga hart. Die HBL rechnet mit Verlusten von rund 25 Millionen Euro. Auch aus diesem Grund war die Entscheidung lange aufgeschoben worden - zumal ein Saisonabbruch in den Statuten nicht vorgesehen war. Ursprünglich bestand die Hoffnung, die Saison spätestens ab dem 16. Mai fortzusetzen, um sie bis Ende Juni abzuschließen. Dieses Szenario ist nun hinfällig.

Anders als im Fußball hätte es den Clubs aus finanzieller Sicht nicht viel gebracht, die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu bringen. Dann wären die Partien zwar im TV zu sehen gewesen, allerdings macht das Fernsehgeld nur einen geringen Anteil im Budget der Vereine aus. Am meisten verdienen die Bundesligisten mit Ticketing und Sponsoring. Ersteres fällt bei Spielen ohne Zuschauer nahezu komplett weg, auch die Werbeeinnahmen hätten erheblich gelitten.

Stimmen zur Entscheidung

Liga-Präsident Uwe Schwenker: „Die vorrangige Aufgabe für uns alle bleibt es, die Infektionsrate weiter und stabil nach unten zu drücken. Nur mit äußerster Disziplin werden wir das Coronavirus in den Griff bekommen. Natürlich hätten wir unsere Saison liebend gerne zu Ende gespielt. Dafür haben wir alles getan, aber die Corona-Pandemie lässt dies derzeit einfach nicht zu. Ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt ist nicht mehr machbar, da das Zeitfenster, das uns bis zum 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten. Das Verletzungsrisiko wäre zu groß. Deswegen ist der Abbruch der Saison sehr bitter, aber alternativlos.“

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: „Nach sechs Wochen Corona-Krise bleibt unsere Situation sehr ernst. Dank eines sehr guten Krisenmanagements werden wir auch die kommenden Wochen meistern. Der Abbruch der Saison unterstreicht aber die große Bedrohung, in der wir uns mehr denn je befinden. Existentiell entscheidend wird es nun sein, wann wir wieder in unseren Arenen vor Zuschauern spielen können. Wir tun daher alles uns Mögliche, um die Corona-Krise in den Griff zu bekommen, damit die Politik möglichst zeitnah eine auch für uns praktikable Neubewertung vornimmt.“   


Weitere Infos:

  • Das All Star Game, das am 16. Mai 2020 in der ZAG-Arena Hannover ausgetragen werden sollte, ist abgesagt. Der Ticketgrundpreis der gut 6.000 verkauften Karten wird den Käufern erstattet. 
  • Für das Pokalfinale REWE Final4 2019/20 soll ein neuer Termin gefunden werden. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit.