TVB Stuttgart

Imposant: Saison-Finale vor 10 000 Fans

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Simon Baumgarten (Mitte) – hier gegen die Flensburger Kresimir Kozina (links) und Tobias Karlsson (hinten rechts Kentin Mahé) – und der TVB 1898 Stuttgart stehen am Sonntag beim (Noch-)Meister THW Kiel vor dem letzten Härtetest in dieser Saison. © ZVW

Am 32. und letzten Spieltag der 1. Handball-Bundesliga erwartet den Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart noch einmal eine ganz spezielle Atmosphäre. Die 10 000 Zuschauer in der Kieler Sparkassen-Arena werden am Sonntag allerdings lediglich den Saisonabschluss feiern: Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat der Serienmeister THW Kiel keinen Titel geholt.

Ein Interview mit dem TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt

Das Nachholspiel am Mittwoch hat gleich zwei Entscheidungen gebracht: Mit dem locker herausgespielten 31:19-Sieg beim Vorletzten ThSV Eisenach hat sich der THW Kiel den dritten Platz gesichert und hofft nun auf eine Wild Card, die zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Nebenbei haben die Zebras die Eisenacher endgültig in die 2. Liga befördert. Die Hoffnungen der Thüringer indes auf das Wunder waren von vorneherein nahezu bei null.

Dritter Platz in der Bundesliga mit sechs Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze und damit schon länger keine Chance mehr, den Titel zu verteidigen. Letzter Platz beim Final Four der Champions League in Köln am vergangenen Wochenende und ausgeschieden aus dem DHB-Pokal bereits vor dem Final Four: Der Frust ist groß bei den erfolgsverwöhnten Kielern.

Während sie sich am Sonntag mit dem Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart auseinandersetzen müssen, spielen im Fernduell die Rhein-Neckar Löwen (in Lübbecke) und die SG Flensburg-Handewitt (gegen den Bergischen HC) um den Titel. Wenigstens gab’s am Mittwoch für die Kieler nach rekordverdächtigen – wettbewerbsübergreifenden – fünf Niederlagen in Serie wieder ein Erfolgserlebnis beim Kantersieg in Eisenach. Nach 55 Pflichtspielen in dieser Saison kommen die Zebras vor dem finalen Spiel gegen den TVB 1898 Stuttgart mehr oder weniger auf dem Zahnfleisch daher. Dass die Kieler nicht nur körperlich, sondern auch mental nicht mehr ganz auf der Höhe sind, zeigte die Partie beim überforderten Aufsteiger am Mittwoch.

Nicht zu große Hoffnungen machen

Große Hoffnungen auf eine Überraschung sollten sich die Bittenfelder dennoch nicht machen. Der THW wird seinen treuen 10 000 Fans in der Sparkassen-Arena nach dem einen oder anderen enttäuschenden Auftritt zum Abschluss noch einmal etwas bieten wollen. „Die Kieler werden ein Feuerwerk abbrennen wollen“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. Zumal es das letzte Spiel des THW-Urgesteins und Ex-Nationalmannschafts-Linksaußens Dominik Klein sei.

Nach einem guten Saisonstart mit 10:2 Punkten musste das Team von Trainer Alfred Gislason manche bittere Pille schlucken. Mit 21:29 ging es im September vergangenen Jahres in Göppingen unter, zwei Wochen später verlor der THW mit 20:24 bei den Rhein-Neckar Löwen. Seit Ende März gab’s mehr Tiefen als Höhen: 30:30 in Hannover, 22:22 in Balingen, 28:29 in Magdeburg, 26:28 gegen Flensburg und zuletzt 29:30 in Melsungen: Der THW schleppt sich mehr oder weniger ins Ziel und prangert immer wieder die hohe Belastung an – zumal nahezu alle Spieler mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz waren und sind.

Auch wenn die Kieler nicht in bester Verfassung sind: Die individuelle Klasse reicht meist aus, um Teams wie den TVB mühelos in Schach zu halten – wie im Hinspiel beim 35:26. Bei den Zebras drängt sich die Weltklasse sogar auf der Auswechselbank. Für Deutschland spielten oder spielen Christian Dissinger, Rune Dahmke, Steffen Weinhold, Dominik Klein, Christian Sprenger, Nikolas Katsigiannis und Patrick Wiencek. International am Ball sind auch Niklas Landin, der derzeit verletzte René Toft Hansen (beide Dänemark), Domagoj Duvnjak (Kroatien), Joan Casellas (Spanien), Marko Vujin (Serbien), Niclas Ekberg (Schweden).

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht komplett abgeschossen werden

Nicht nur die Kieler sind froh, wenn die Saison am Sonntag gegen 16.30 Uhr zu Ende sein und auf dem Europaplatz vor der Sparkassen-Arena gefeiert wird. Auch der Bittenfelder Akku ist schon länger leer, und die verletzungsbedingten Ausfälle von Michael Schweikardt und Djibril M’Bengue machen die Situation nicht besser.

„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht komplett abgeschossen werden“, sagt der TVB-Coach Thomas König. „Wenn wir in der Abwehr einigermaßen stabil stehen und im Angriff kein Harakiri spielen, müsste es hinhauen.“