TVB Stuttgart

Johannes Bitter präsentiert sich beim TVB

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Freuen sich auf die Rückrunde: Johannes Bitter, der neue Torwart des TVB (links) und Trainer Thomas König. © Mathias Ellwanger
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TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikhardt (link), Johannes Bitter (mit neuem Trikot) und TVB-Trainer Thomas König. © Mathias Ellwanger

Der TVB 1898 Stuttgart hat am Mittwoch die Handballwelt überrascht. Der Bundesliga-Neuling verpflichtete Weltmeistertorwart Joachim „Jogi“ Bitter vom insolventen HSV Hamburg bis zum Saisonende. Am Donnerstagmorgen stellte sich der 33-Jährige bei einer Pressekonferenz auf der Messe in Stuttgart vor – und feierte seinen ersten Sieg.Dabei allein jedoch soll es nicht bleiben.

Der TVB 1898 Stuttgart hat am Mittwoch die Handballwelt überrascht. Der Bundesliga-Neuling verpflichtete Weltmeistertorwart Joachim „Jogi“ Bitter vom insolventen HSV Hamburg bis zum Saisonende. Am Donnerstagmorgen stellte sich der 33-Jährige bei einer Pressekonferenz auf der Messe in Stuttgart vor – und feierte seinen ersten Sieg.

Ganz cool sitzt er auf dem Podium, Radio- und Fernsehjournalisten holen sich schon vor dem offiziellen Beginn ihre Interviews. „Sie kommen jeweils zu Spiel und Training aus Hamburg?“, fragt ein Journalist. „Nee“, antwortet Bitter mit ernstem, leicht gelangweilten Blick. „Training mache ich nicht. Ich bin komplett in Hamburg und komme nur zum Spiel.“ Leichte Überraschung beim Journalisten, der aber nicht mehr nachhakt und sich fürs Interview bedankt. Bitter schaut weiter todernst, bis sich schließlich doch ein Lächeln auf sein Gesicht schleicht. „Nein, war Spaß!“

Von wegen nur zum Spiel. „Ich habe eine Aufgabe gesucht. Hier ist ein kleiner Verein, ein Aufsteiger mit viel Euphorie, der gute Arbeit leistet. Ich will mich einbringen, was bewegen, und da ist der Klassenerhalt mit Bittenfeld vielleicht wie eine Meisterschaft.“

Ein paar Freiheiten aber bekommt er vom TVB dann doch eingeräumt. In Absprache mit Trainer Thomas König kann er ab und zu nach Hamburg zu seiner Frau und den drei Jungs fliegen. „Aber“, sagt Bitter. „Ich bin Profi und deshalb auch den Großteil der Woche hier.“ Nach einer Wohnung hat er im Internet schon gesucht. „In Bittenfeld habe ich nichts gefunden, aber ganz in der Nähe gibt es interessante Angebote.“

Von Hamburg habe er sich nicht alleine wegen der Familie nur schwer gelöst. Neun Jahre hat er dort gespielt und war sich trotz der Probleme lange Zeit „zu 99 Prozent sicher, dass wir das schaffen“. Als aber die Insolvenz feststand, „habe ich gemerkt, ich muss den Schalter umlegen“. Am Mittwochabend „haben wir uns alle getroffen und ein bisschen gekickt. Auch meine Kinder waren dabei. Als die dann fragten: ,Papa, sind wir wirklich heute das letzte Mal hier?’ Da bin ich lieber schnell raus.“

Dennoch überrascht, dass er unter all den Angeboten, die er, einer der besten deutschen Torhüter, hatte, das Bittenfelder ausgewählt hat. „Jürgen Schweikardt ist sehr überzeugend gewesen“, sagt Bitter. „Ich habe alles abgewogen, dann hat das Herz gesagt: Ja, das machen wir so. Es fühlte sich richtig an.“

Quantensprung bei den Verpflichtungen

Mit der Verpflichtung des Weltmeisters von 2007 hat der TVB die Handballwelt verblüfft. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt: „Das ist für uns ein Quantensprung bei den Verpflichtungen.“ Trainer Thomas König hatte ihn zu Jahresbeginn angerufen, auf Bitter angesprochen und gefragt: „Sollen wir’s wagen.“ Daraufhin habe er geantwortet: „Habe ich schon.“ Sorgen, sich gleich einen Korb zu holen, hatte Schweikardt nicht. „Wenn man nichts wagt, gewinnt man nichts.“

Finanzielle Risiken sei der Verein nicht eingegangen. Die Sponsoren seien, als sie den Namen Bitter gehört hatten, schnell bereit gewesen, ihren Teil beizutragen. „Wir geben weiter nur das Geld aus, das wir auch haben“, sagt Schweikardt.

Er und König warnen nun aber auch, die Erwartungen – vor allem an Bitter – zu hoch zu schrauben. Schweikardt: „Wir werden jetzt sicher nicht zu Null spielen. Jogi Bitter wird das Ziel nicht alleine erreichen.“ Trainer Thomas König nimmt die Mannschaft in die Pflicht: „Jeder muss jetzt noch mal zehn, 20 Prozent drauflegen.“ Das gilt auch für Dragan Jerkovic und Yunus Özmusul. Die beiden Torleute bleiben weiter im Kader. Zusätzliche Verpflichtungen werde es allerdings nicht mehr geben. Auch wenn Bitter Geschäftsführer Schweikardt „einen Haufen Telefonnummern“ seiner Hamburger Kollegen gegeben habe.

Am Donnerstagnachmittag traf der Neuzugang seine neuen Mitspieler erstmals beim Training. Schon vorher habe er „von den Jungs ein paar Nachrichten bekommen“, sagt Bitter bei der Pressekonferenz und schaut wieder ganz cool. „Die sind ganz nett, auch wenn man sie nicht versteht. Aber das werden wir schon hinbekommen.“

Dabei allein jedoch soll es nicht bleiben.

Termine

Im TVB-Tor zu sehen ist Joachim Bitter beim ersten Liga-Spiel des Jahres am Sonntag, 14. Februar, um 17.15 Uhr in der Scharrena gegen den Bergischen HC, und am 28. Februar in der Porsche-Arena gegen den TBV Lemgo. Schon am 30. Januar nimmt der TVB am Hohenloheturnier in Öhringen teil und trifft dort auf Bregenz.

Dem HSV Hamburg wurde am Mittwoch die Lizenz entzogen. Allerdings erst zum Saisonende. Ob er bis dahin noch Spiele austrägt, ist offen.