TVB Stuttgart

Keine Punkte für TVB beim Aufsteiger

HC Erlangen - TVB 1898 Stuttgart
Aller Einsatz nützte letztlich nichts. Djibril M’Bengue und der TVB unterlagen in Erlangen mit 26:30. © Wolfgang Zink / MaWi

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart ist ohne Punkte von seinem ersten Auswärtsspiel zurückgekehrt: Beim Aufsteiger HC Erlangen unterlag er mit 26:30. Zehn Minuten vor dem Ende stand es 23:23, ehe der TVB durch eine doppelte Unterzahl entscheidend ins Hintertreffen geriet.

Einen Tag vor dem Spiel überraschte der Liga-Neuling mit einer Personalie: Weil der Torhüter Nikolas Katsigiannis verletzungsbedingt drei bis vier Wochen ausfallen wird, sicherte sich der HC Erlangen kurzerhand die Dienste des 90-fachen russischen Nationalkeepers Igor Levshin. Der stand gegen den TVB auch gleich im Kader, eingreifen indes musste er nicht: Mit Mario Huhnstock haben die Erlanger einen zweiten Mann zwischen den Pfosten, der sein Handwerk ebenfalls sehr gut versteht.

Zu gut für den TVB am Samstag, denn Huhnstock raubte den Werfern der Gäste bereits in der Anfangsphase den Nerv. Nachdem Djibril M’Bengue sein Team mit dem ersten Wurf in Führung gebracht hatte, gewann der Keeper die folgenden fünf Duelle mit dem TVB. Erlangen führte folgerichtig mit 3:1. Spätestens nach Bobby Schagens Treffer zum 4:4 war das Team von Trainer Markus Baur aber im Spiel – das galt auch für Michael Kraus, der nach einem wenig verheißungsvollen Start beim 5:5 (13.) bereits seinen dritten Treffer erzielt hatte.

Zeitstrafen bringen die Gäste aus dem Tritt

Fortan gestalten die Gäste, die ohne Felix Lobedank, Marian Orlowski, Vio Fotache und Alexander Heib antraten, die Begegnung offen. Immer wieder aus dem Rhythmus jedoch kam der TVB durch die Zeitstrafen, welche die Schiedsrichter Ramesh und Suresh Thiyagarajah aussprachen: Insgesamt musste der TVB 14 Minuten in Unterzahl agieren, die Erlanger lediglich in sechs.

Teo Coric hatte es nach 18 Minuten (8:8) bereits zum zweiten Mal erwischt, was für den TVB angesichts der dünnen Personaldecke – allen voran im Mittelblock der Deckung – nicht eben förderlich war. So holte sich der HCE beim 10:8 (20.) nach einem Doppelschlag des zehnfachen Torschützen Ole Rahmel die Zwei-Tore-Führung.

Der TVB ließ sich aber nicht abschütteln. Nach dem 12:10 verkürzte M’Bengue, dann parierte Jogi Bitter einen Strafwurf von Rahmel und Simon Baumgarten glich zum 12:12 aus. Beim 13:13 scheiterte Rahmel zum zweiten Mal vom Strich am TVB-Keeper, doch wie schon gegen den Bergischen HC kassierten die Stuttgarter Sekunden vor der Halbzeit einen unnötigen Treffer. Der 13:14-Rückstand ließ ihnen natürlich für den zweiten Durchgang alle Chancen.

Der TVB führt – aber nicht lange

Und die Gäste kehrten stark aus der Pause zurück: Zwei Treffer von Kraus und Baumgarten bescherten dem TVB beim 15:14 die erste Führung seit dem 1:0 – und Schagen legte beim 16:14 (34.) sogar nach. Dieses kleine Polster hatte jedoch nur bis zum 17:15 Bestand. Der TVB verpasste es in dieser Phase, sich einen größeren Vorsprung zu erspielen. Pech hatte dabei Tobias Schimmelbauer, der sich fast einen Ball zum Konter geschnappt hätte, stattdessen musste er in der nächsten Aktion für zwei Minuten vom Feld – und eine halbe Minute später folgte ihm M’Bengue.

Erlangen glich während dieser doppelten Überzahl zum 17:17 aus und holte sich beim 18:17 des starken Ex-Nationalspielers Michael Haaß die Führung wieder zurück. Mit einem 6:2-Lauf vom 15:17 zum 21:19 (43.) hatte sich der Aufsteiger wieder leichte Vorteile verschafft in einem spannenden und ausgeglichenen, aber in dieser Phase von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägten Partie. M’Bengue brachte sein Team beim 21:20 wieder zurück, musste jedoch eine Minute später zum zweiten Mal auf die Strafbank.

Martin Stranovsky versenkte einen Siebenmeter zum 23:20, und nach einem technischen Fehler des TVB legte Rahmel zum 23:20 (45.) nach. Noch indes blieb den Gästen genug Zeit für die Aufholjagd und tatsächlich kam der TVB mit drei Toren in Folge von Kraus, Dominik Weiß und M’Bengue zum 23:23-Ausgleich (48.).

Es folgte eine äußerst unglückliche Phase aus Sicht der Gäste: Zunächst kassierten sie in Überzahl das 23:24, dann wurde Schagen bei der Ausführung eines Siebenmeters sehr zur Verwunderung des TVB zurückgepfiffen: Schagen hatte den Freigabe-Pfiff des viel zu weit entfernten Schiedsrichters in der lauten Halle schlichtweg nicht gehört. Haaß und Nikolai Link brachten den Neuling beim 26:24 (52.) wieder auf die Siegerstraße.

Zwei weitere Zwei-Minuten-Strafen verhinderten anschließend die erneute Aufholjagd, für M’Bengue war das Spiel nach der dritten beim 27:24 sieben Minuten vor Schluss beendet. Nach einem Doppelschlag des Ex-Göppingers Pavel Horak zum 29:24 (56.) war die Partie durch, der Aufsteiger feierte im vierten Spiel beim 30:26 seinen zweiten Sieg.

Aus Sicht des TVB Stuttgart war es wieder einmal eines jener Spiele, in denen durchaus etwas zu holen gewesen wäre. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Freitag in der Scharrena gegen den TSV Hannover-Burgdorf. Möglicherweise sind bis dahin Orlowski und Lobedank wieder einsatzfähig.

Es spielten

HC Erlangen: Huhnstock, Levshin; Theilinger (3), J. Link, Guardiola, Haaß (5), Bissel, Rahmel (10/2), Stranovsky (4/3), Horak (3), N. Link (2), Thümmler (3), Sabljic.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (1), Weiß (5), Schagen (2/1), Schweikardt (2), Kraus (8), M’Bengue (5), Coric, Baumgarten (3), Kretschmer.

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Stimmen zum Spiel

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir haben es geschafft, das Spiel lange offen zu halten, und haben dann in den entscheidenden Phasen ein paar Fehler zu viel gemacht. Wir haben uns über weite Strecken an die Vorgaben gehalten und Erlangen vor Probleme gestellt. Ich denke, wir haben trotz unserer Ausfälle viele gute Ansätze gezeigt und werden weiter daran arbeiten, es auf 60 Minuten hochzuschrauben. Es war allerdings auch schwierig für beide Mannschaften, eine Linie für sich zu finden, weil man gar nicht wusste, was darf man und was darf man nicht.“

Robert Andersson, Trainer des HC Erlangen: „Wir haben unsere Sache ganz gut gemacht im Angriff. Man sieht, dass wir vor allem im Umschalt- und Angriffsspiel mithalten können mit vielen Mannschaften. Das war heute ganz wichtig. Wir haben in der Abwehr viele Spiele gespielt ohne Körperkontakt und Härte, das haben wir heute auch hingekriegt.“

Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer des TVB 1898 Stuttgart: „Ich denke, es war ein Spiel auf Augenhöhe. Es hat heute nicht gereicht, wir sind trotzdem kompakt aufgetreten. Irgendwann müssen wir solche Spiele aber durchziehen, und ich bin überzeugt davon, dass uns das im Laufe der Saison auch gelingen wird.“