TVB Stuttgart

Multimedia-Reportage gibt Einblicke ins Innenleben des TVB Stuttgart

10 Punkte?
TVB-Trainer Roi Sánchez (links) gibt in der Halbzeit des Spiels in Lübbecke seinen Spielern Anweisungen (von links Patrick Zieker, Samuel Röthlisberger, Sebastian Augustinussen, Dominik Weiß, Sascha Pfattheicher, Alexander Schulze / hinten Betreuer Klaus Schebek). © Tom Weller

Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine. Diese Regel gilt auch bei den Handballern. Der Erstligist TVB Stuttgart hat seine Tür nun geöffnet, gewährt außergewöhnliche und spannende Einblicke in das Innenleben des Teams. Fast vier Monate hat der Fotograf Tom Weller den TVB auf Schritt und Tritt begleitet. Im Rahmen seiner Abschlussarbeit für sein Studium Fotojournalismus und Dokumentarfotografie hat Weller die interaktive Multimedia-Reportage „10 Punkte“ produziert. Dabei ist die Idee eigentlich eine andere gewesen.

Eine mutige Idee

Pläne sind dazu da, um sie zu ändern. Hin und wieder braucht’s dazu jedoch eine gehörige Portion Courage. Durchaus mutig war bereits Wellers Idee zu Beginn des Projekts gewesen. Sein Bachelor-Abschluss sollte „irgendetwas mit Sport zu tun haben“ – allerdings abseits des Tagesjournalismus. Was lag da also näher für den ehemaligen Handballer, als beim TVB Stuttgart anzufragen?

„Ich wollte zeigen, was im Innern einer Mannschaft passiert, wie die Kommunikation mit dem Trainer läuft“, so Weller. „Weil Roi Sánchez ein Spanier ist, fand ich das besonders interessant.“ Womit die Hürde zwangsläufig noch ein Stück höher war. Mindestens so hoch wie Wellers Anspruch. „Meine Bedingung war, dass ich überall dabei sein darf. Sonst kann die Reportage weder journalistisch noch vollständig werden.“

Funktioniert das in Corona-Zeiten?

Abgesehen davon, dass eine Mannschaft nur ungern einen Außenstehenden ständig in ihrer Nähe haben möchte, hatte Weller zusätzliche Bedenken: „Die Frage war, ob ich in Corona-Zeiten überhaupt ein Teil des Teams werden kann.“

Gefreut hat sich Tom Weller zunächst einmal, dass der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt die Idee „ziemlich cool“ fand. Die Entscheidung jedoch oblag dem Trainerteam und der Mannschaft. Anfang September ging Weller auf Roi Sánchez zu – mit ein bisschen Bauchschmerzen. Schließlich war der Trainer zu diesem Zeitpunkt erst zwei Monate im Amt. „Ich fragte mich, ob er einen wildfremden Fotografen in die Kabine lässt, in der Hoffnung, dass er keinen Unfug treibt.“

Keine heile Welt vorgaukeln

Sánchez lud Weller ins Training ein – und gab nach Rücksprache mit der Mannschaft grünes Licht für die Bilderreportage. „Roi sah den Mehrwert, mit Fotos hinter den Kulissen die Fans wieder ein bisschen abzuholen.“ Weller hatte Einsicht in sämtliche Termine und freien Zutritt. Wichtig sei gewesen, so Weller, dass er von Anfang an die offene Kommunikation gesucht habe. „Es sollte keine Reportage werden, in der eine heile Welt beim TVB vorgespielt wird“, sagt Weller und lacht. „Bei dieser Punktzahl aus 18 Spielen kann es die wohl auch kaum geben.“ Wenn der Trainer einen Spieler anschnauze oder ein Spieler im Bus die Beine auf den Tisch lege, dann sei das die Realität. Und die müsse in der Reportage auch abgebildet werden – wobei Weller bei allen journalistischen Grundsätzen und dem Bemühen um Authentizität gewisse Grenzen nicht überschreiten und das Vertrauen des Teams nicht missbrauchen durfte. „Sonst wäre ich ein für alle Mal raus gewesen. Es war ein schmaler Grat.“

Bedenken verfliegen schnell

Der Fotograf hatte die Arbeit kaum aufgenommen, da stand er schon vor dem nächsten Problem: Weller musste Abstand nehmen vom Plan der Fotoreportage. „Ich habe schon beim ersten Spiel in der Kabine gemerkt, dass ich damit nicht weit komme. Es fehlte die audiovisuelle Ebene, das hatte ich ein bisschen unterschätzt.“ Für die Ansprachen brauchte es Ton und bewegte Bilder. Die Begeisterung beim Trainerteam und den Spielern über den neuen Kurs sei nicht eben überschäumend gewesen. „Es hieß, jetzt will der auch noch filmen, das wird doch ein bisschen viel.“ Die Bedenken seien allerdings recht schnell verflogen – dank der ehrlichen Kommunikation und des gegenseitigen Vertrauens, das sich entwickelt habe.

Und was gibt’s nun zu sehen in der interaktiven Multimedia-Reportage? Es ist ein bunter Mix, der clever und strukturiert zusammengestellt ist. Wer Lust und Muße hat, kann sich das Werk chronologisch vom Start bis zum Ende anschauen. Jedes einzelne Spiel, garniert mit diversen Statistiken, kann auch separat angeklickt werden. Dazu gibt’s in den insgesamt 29 Sequenzen Interviews mit dem Trainerteam und Spielern sowie Zitate, Einblicke in den Trainingsalltag und in die – nicht immer besonders komfortablen – Kabinen.

Körperlich wie mental anstrengend

Seit ein paar Tagen ist die Reportage über die frei zugängliche Website https://10-punkte.de zu sehen. Tom Weller freut sich über die durchweg positive Resonanz, der immense Aufwand habe sich gelohnt. „Es hat riesigen Spaß gemacht, es war aber auch sehr anstrengend.“ Körperlich wie mental. „Wenn du mal nicht dabei warst, hattest du immer das Gefühl, etwas zu verpassen.“ Über 7500 Kilometer spulte Weller auf Auswärtsreisen ab, insgesamt rund 4500 – schon bearbeitete – Fotos musste er sichten und pro Spiel fünf oder sechs auswählen. Hinzu kam das Schneiden der Video- und Tonaufnahmen.

Sich zu überlegen, wie das Konzept und der rote Faden aussehen sollten, war nur ein Teil der Arbeit. Fachkompetenz war bei der technischen Umsetzung vonnöten, Weller holte sich einen Programmierer an die Seite. „Die Reportage muss auf jedem Endgerät in bester Qualität und störungsfrei zu sehen sein – auf dem Handy wie auf dem Tablet, Rechner oder 50-Zoll-Bildschirm. Das ist die Zukunft.“

Bleibt noch zu klären, was hinter dem Titel „10 Punkte“ der Reportage steckt. „In den 17 Spielen, in denen ich den TVB begleitete, sollten zehn Punkte herausspringen“, sagt Weller. Die Fans wissen sicherlich, mit welcher Punktzahl der TVB Stuttgart am Donnerstag gegen den THW Kiel in die zweite Saisonhälfte startet. Der Blick ins Innenleben des Teams dürfte jedoch auch für die Insider neu und spannend sein.

Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine. Diese Regel gilt auch bei den Handballern. Der Erstligist TVB Stuttgart hat seine Tür nun geöffnet, gewährt außergewöhnliche und spannende Einblicke in das Innenleben des Teams. Fast vier Monate hat der Fotograf Tom Weller den TVB auf Schritt und Tritt begleitet. Im Rahmen seiner Abschlussarbeit für sein Studium Fotojournalismus und Dokumentarfotografie hat Weller die interaktive Multimedia-Reportage „10 Punkte“ produziert. Dabei ist die Idee

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