TVB Stuttgart

Nach Derby-Niederlage: TVB unter Druck

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Der Frust war groß bei Jürgen Schweikardt und seinem Team nach der missratenen Vorstellung in Göppingen. „Nach dem guten Spiel gegen Erlangen hatte ich daran geglaubt, dass wir an diese Leistung anknüpfen können“, sagt der TVB-Trainer. © Ralph Steinemann (Archiv)

Nach dem Erfolgserlebnis im DHB-Pokal ist der Handball-Erstligist TVB Stuttgart wieder im – für ihn tristen – Liga-Alltag angekommen. „Das war unsere schlechteste Saisonleistung“, sagte der Trainer Jürgen Schweikardt am Tag nach der bitteren 22:31-Niederlage bei FA Göppingen. „Ich bin schon sehr enttäuscht.“ Der Druck ist nun groß vor dem Abstiegsduell in Ludwigshafen.

Stefan Kretzschmar, Ex-Nationalspieler und heute TV-Experte bei Sky, ist bekannt dafür, dass er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Was er vom TVB Stuttgart hält, verriet er vor dem Derby in der EWS-Arena. „Stuttgart hat eine interessante Mannschaft“, sagte er. „Ich bin mir aber sicher, dass sie gegen den Abstieg spielen wird.“ Die große Frage sei, ob sich das neu formierte Team rechtzeitig finde. Extrem wichtig für den TVB sei Jogi Bitter, so Kretzschmar weiter. „Für mich ist er der derzeit beste Torhüter der Bundesliga.“

In Göppingen absolvierte Bitter laut der Sky-Statistik sein 528. Bundesligaspiel und zog mit dem „Hexer“ Andreas Thiel gleich, einem weiteren großen deutschen Handball-Torhüter. Gezaubert indes hat Bitter im Derby nicht: Sechs Paraden vor seiner Auswechslung in der 40. Minute entsprechen eine Fangquote von 24 Prozent. Die ist alles andere als weltmeisterlich. Weit mehr zu bieten hatte Bitters Gegenüber, der erst 23 Jahre alte Urh Kastelic, der 45 Prozent der Stuttgarter Würfe hielt.

Druck vor den Spielen gegen Ludwigshafen und Lemgo

Das verlorene Torhüter-Duell war nicht das einzige Problem, mit dem der TVB unter dem Hohenstaufen zu kämpfen hatte. Es klemmte an allen Ecken und Enden – überraschenderweise eigentlich, schließlich schien der TVB mit dem überzeugenden 30:26-Pokalsieg am Mittwoch gegen Erlangen endlich in die Saison gefunden zu haben. In Göppingen jedoch wurde das alte Dilemma wieder offensichtlich: Dem neu formierten Team fehlt nach wie vor die Stabilität, es lässt sich zu schnell aus der Ruhe bringen. Erwischen zudem zu viele Spieler oder gar ein Mannschaftsteil einen schwachen Tag, lässt sich dies nicht mehr kompensieren. Am Sonntag überzeugten im Grunde lediglich die beiden Außen Patrik Zieker und Sascha Pfattheicher sowie der unermüdliche Adam Lönn. Gegen ein abgezocktes, allerdings nicht überragendes Team wie FA Göppingen reicht dies freilich nicht.

Klar ist, dass den TVB die Abstimmungsprobleme im Angriff noch eine Weile begleiten werden und die lange verletzten Rückraumspieler David Schmidt und Robert Markotic noch Leistungsschwankungen unterliegen. Durchaus besorgniserregend dagegen war die Leistung in der Defensive in den zweiten 30 Minuten. Die Ansagen des Trainers Jürgen Schweikardt während der beiden Auszeiten in der 40. und 50. Minute waren jedenfalls unmissverständlich. „Ich will, dass ihr euch wehrt. Für uns und unsere Fans.“

Beim Sieg gegen Erlangen hatte der TVB mit seiner körperlichen Präsenz in der Deckung überzeugt. „Das haben wir gegen Göppingen überhaupt nicht hingekriegt. Und das ist nun einmal ein ganz wichtiger Teil im Handball“, so Schweikardt.

Mannschaft habe den Ernst der Lage erkannt

In den nächsten beiden Spielen muss der TVB diese Grundtugend dringend wieder aufs Spielfeld bringen. Ansonsten dürfte auch bei den extrem kampfstarken Eulen in Ludwigshafen am Samstag und gegen Lemgo nichts zu holen. „Wir brauchen da nicht drumrumreden“, sagt Schweikardt. „Wir stehen unter Druck. Dass da etwas Zählbares rauskommen muss, dürfte klar sein.“

Auch wenn das Derby wenig Grund zum Optimismus bietet: Schweikardt spürt Signale, dass seine Mannschaft den Ernst der Lage erkannt hat. Auf der Heimfahrt aus Göppingen habe keiner den Kopf hängen lassen. „Die Spieler haben sich schon damit beschäftigt, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen.“