TVB Stuttgart

Nico Schöttle, der gefragte Youngster beim TVB Stuttgart

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Nico Schöttle beim Trainingsspiel in Winnenden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Einsätze in der ersten Handball-Bundesliga der Männer, dritten Liga, A-Jugend-Bundesliga und Jugend-Nationalmannschaft, dazu der Abiturstress: Über Beschäftigungslosigkeit durfte sich Nico Schöttle in der vergangenen Saison nicht beklagen. Nun steht der 19-jährige linke Rückraumspieler vor seiner ersten richtigen Spielzeit beim TVB Stuttgart. Mit Adam Lönn und Ivan Sliskovic hat der U-19-Europameister zwei erfahrene Lehrmeister auf seiner Position. „Das ist natürlich optimal, Tipps von ihnen nehme ich sehr gerne an“, sagt Schöttle. Das bedeutet indes nicht, dass der gebürtige Pforzheimer in der besten Handball-Liga der Welt nur zuschauen möchte.

Erstzugriffsrecht wechselt zum TVB

Nico Schöttle ist gewissermaßen ein halber Neuzugang beim TVB Stuttgart, bei dem er zur vergangenen Saison einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat. Bis 2024 gilt das Zweitspielrecht beim Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen, zur kommenden Spielzeit wechselt das Erstzugriffsrecht von der SG zum TVB.

Der TVB-Scout Michael Schweikardt hatte den ersten Kontakt zu Nico Schöttle geknüpft. Als damaliger Trainer des Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim kreuzten sich die Wege zwangsläufig in den Spielen gegen Pforzheim. „Nach einem Trainingsspiel hat mich Michael direkt angesprochen“, sagt Schöttle. Im ersten Moment habe er es gar nicht geglaubt. „Das war surreal. Ich war ja noch A-Jugendspieler und durfte bei den Männern ein bisschen mitspielen. Und plötzlich kommt die Anfrage eines Erstligisten.“

Bundesliga-Debüt am vierten Spieltag

Schöttle ist zum Spiel des TVB gegen Flensburg in die Porsche-Arena eingeladen worden und hat Roi Sánchez kennengelernt. Dann ging’s ganz schnell. „Nach dem Gespräch mit Jürgen Schweikardt, meinen Eltern und mir war’s offiziell“, sagt Schöttle. Jeder Jugendspieler wünsche sich, irgendwann in der ersten Bundesliga zu spielen. „Dass ich aber schon mit 18 Jahren die Chance habe, das ist schon krass.“

Am vierten Spieltag, bei der 25:26-Niederlage beim Bergischen HC, gab der Youngster sein Bundesliga-Debüt. „Fünf bis zehn Minuten in der ersten Halbzeit, da lief’s aber nicht so gut für mich.“ Erst im dritten Spiel flutschte es – und wie: Im Heimspiel gegen GWD Minden am 2. Dezember 2021 feierte Schöttle mit dem Treffer zum 10:4 seine Tor-Premiere. Drei weitere Treffer folgten. „Über das erste Tor freut man sich immer, dass es vier in einer Halbzeit werden würden, damit hat wohl niemand gerechnet“, so Schöttle. Zumal er in diesem Spiel ohne Fehlversuch blieb.

Vierfachbelastung

Allzu oft indes kam Schöttle nicht mehr zum Einsatz, insgesamt neunmal gehörte er zum Kader des TVB. Mehr war kaum drin angesichts der vielen Verpflichtungen. Einmal pro Woche sollte Schöttle beim Bundesligisten mittrainieren. Dies gestaltete sich jedoch schwierig, weil der 19-Jährige mitten in den Abiturvorbereitungen steckte. Hinzu kamen diverse Lehrgänge mit der Jugend-Nationalmannschaft.

„Die Saison war schon stressig“, sagt er. In gleich vier Mannschaften war er zugange: in der A-Jugend-Bundesliga, dritten und ersten Liga und in der Jugend-Nationalmannschaft. „Das alles unter einen Hut zu bringen, war nicht immer so einfach.“

Maßgeblichen Anteil hatte Nico Schöttle an der starken Saison der SG Pforzheim/Eutingen. Das Team scheiterte erst in den Finalspielen um den Aufstieg in die 2. Liga am übermächtigen VfL Potsdam. Unterm Strich war Schöttle aber sehr zufrieden damit, wie die Saison für ihn gelaufen ist. Er habe viel Spielzeit in der dritten Liga bekommen, was für einen jungen Spieler „alles andere als verkehrt“ sei. „Und ich hatte die Möglichkeit, bei der ersten Liga dabei zu sein.“ Allerdings habe er sich zu keiner Mannschaft zu hundert Prozent zugehörig gefühlt. Jetzt macht er jede Einheit in Stuttgart mit und ist bei jedem Spiel dabei. „Ich würde schon sagen, dass ich jetzt komplett angekommen bin.“

Bin auf einem guten Weg

Nun gilt’s, ins Team reinzuwachsen. Wie bereits in der vergangenen Saison, so verpasste Schöttle auch dieses Mal das einwöchige Trainingslager im Zillertal. Erstmals in Österreich dabei war Schöttles Nationalmannschafts- und Teamkollege Fynn Nicolaus. Der brauchte beim TVB keine große Anlaufzeit. „Fynn ist allerdings ein Ausnahmetalent“, so Schöttle. In ganz Deutschland gebe es keinen, der in so jungem Alter auf diesem Niveau gewesen sei. „Dadurch spürt man schon einen gewissen Druck, weil man weiß, dass andere das in dem Alter auch schon geschafft haben. Ich denke aber, ich bin auf einem guten Weg.“

Begleiten werden Schöttle auf diesem Weg die beiden erfahrenen TVB-Kämpen Adam Lönn und Ivan Sliskovic. Lönn habe ihm schon in der vergangenen Saison vieles erklärt und alle Fragen beantwortet. „Auch Ivan sieht meine Aktionen und sagt mir direkt, was ich verbessern kann. Das ist für einen jungen Spieler perfekt.“

An der Defensive arbeiten

Im Testspiel gegen Chartres Metropole hinterließ Nico Schöttle einen sehr guten Eindruck. Ich habe jetzt die Abläufe intus, weiß, wie der Trainer spielen will.“ Bislang sei das etwas schwierig gewesen, „wenn man parallel in anderen Mannschaften spielt“. Jeder Trainer wolle andere Anlaufwege haben.

Nico Schöttle gehört fortan zwar fest zum Erstligakader des TVB. Noch indes ist nicht sicher, wann er für welches Team auflaufen wird – auch wenn er fast die komplette Vorbereitung beim TVB absolviert hat. Die Einsatzzeiten hängen auch von der Verletztenliste der Stuttgarter und der Pforzheimer ab. „Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten.“

Derweil hat sich Schöttle vorgenommen, weiter hart zu arbeiten. Beispielsweise an seinen Defensivqualitäten – damit er auch in der Abwehr auf der Halbposition eingesetzt werden kann. In Pforzheim deckte er im Mittelblock – mit knapp über zwei Metern Größe keine schlechte Idee. „Ich traue mir das zu. Dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, mehr Spielzeit zu bekommen.“

Zumindest einen Störenfried ist Nico Schöttle losgeworden: Seit dem Frühjahr hat er das Abitur in der Tasche. Für eine Saison möchte er sich voll und ganz auf den Handball fokussieren, dann plant er ein Studium. Wahrscheinlich Sportmanagement oder Sportwissenschaften im Fernstudium.

Bis dahin wird Nico Schöttle auch einer weiteren Herausforderung Herr geworden sein: Zum ersten Mal hat er, in Remseck, eine eigene Wohnung bezogen. „Das ist schon etwas ganz Neues, aber es passt soweit ganz gut“, sagt Schöttle und lacht. „Zu Hause musste ich mich halt um das Essen nicht kümmern.“

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