TVB Stuttgart

Schlimmes Schlussdrittel des TVB

CoricT15
Eine symptomatische Szene: Es gibt kein Durchkommen für Teo Coric (blaues Trikot) und den TVB gegen die Deckung der HSG Wetzlar (von links Jannik Kohlbacher, Evars Klesniks und Stefan Kneer). Der TVB musste am Gründonnerstag eine bittere Pleite einstecken. © Ralph Steinemann

Der Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat im Abstiegskampf bei der 18:28-Pleite gegen die HSG Wetzlar einen Rückschlag hinnehmen müssen. Vor 2251 Zuschauern in der ausverkauften Scharrena kaschierte die lange Zeit gute Defensive die Schwächen im Angriff, beim 14:16 nach 41 Minuten hatte der TVB noch alle Chancen. Der katastrophale Auftritt in den letzten 20 Minuten gibt Anlass zur Sorge.

Der TVB machte gegen den Tabellensiebten zunächst dort weiter, wo er in Kiel aufgehört hatte – mit einem großen Unterschied jedoch, der sich als spielentscheidend herausstellen sollte: Während die Deckung wieder kompakt stand und der Torhüter Jogi Bitter sich gleich die ersten beiden Siebenmeter von Philipp Weber und Kristian Björnsen schnappte, tat sich der TVB im Angriff von Beginn an ungemein schwer.

Das lag zum einen an Benjamin Buric. Der bosnische Nationalmannschafts-Keeper erwischte einen überragenden Abend, an dessen Ende 23 Paraden und damit 53 Prozent gehaltene Bälle in der Statistik standen. Zum anderen war die Wurfqualität und -auswahl der TVB-Spieler nicht erstligatauglich. Trotzdem führte der Außenseiter nach 16 Minuten mit 5:3.

Wetzlar im Angriff durchdachter und variabler

Nachdem Tobias Schimmelbauer zum zweiten Mal frei an Buric gescheitert war, glich Wetzlar beim 5:5 erstmals aus und kam allmählich besser ins Spiel. Die Angriffe waren durchdachter und variabler angelegt als beim TVB. Die Einwechslung von Philipp Pöter brachte mehr Druck ins Spiel der Gäste, die immer wieder klug den Nationalmannschafts-Kreisläufer Jannik Kohlbacher in Szene setzten.

Von dieser Position und von den Außen kam beim TVB über 60 Minuten hinweg viel zu wenig, der linke und rechte Rückraum ließen den Zug zum Tor vermissen. Die Verantwortung lag – wieder einmal – auf den Schultern von Michael Kraus, der nach 24 Minuten mit seinem vierten Tor zum 8:8 traf. Der abwehrstarke Vio Fotache setzte auch am Kreis den einen oder anderen Akzent und glich zum 9:9 (25.) aus. Wetzlar nutzte dann einfache Fehler des TVB und dessen unverändert schwache Wurfquote zur 12:10-Pausenführung.

Der TVB verlor völlig den Faden

Die Fans hofften darauf, dass die TVB-Spieler in der Halbzeit ihr Visier schärfer stellen würden. Kraus brachte sein Team auf 12:13 heran (35.), dann jedoch verlor der TVB völlig den Faden. Pöter per Strafwurf, der immer stärker werdende Weber und Buric ins verwaiste TVB-Tor zeichneten für die 16:12-Führung der Gäste verantwortlich (40.). TVB-Trainer Markus Baur ersetzte den im Angriff glücklosen Dominik Weiß durch Marian Orlowski. Nach Toren von Celebi und Fotache zum 14:16 (41.) schien der TVB wieder im Spiel, geriet dann jedoch komplett neben die Spur. Weber und Kohlbacher spielten Katz’ und Maus mit der TVB-Deckung, die sich offensichtlich vom Gewürge der Offensivabteilung anstecken ließ. Buric parierte freie Chancen von Bobby Schagen, Simon Baumgarten, Mimi Kraus und Michael Schweikardt. Nach Stefan Cavors Treffer zum 22:16 (50.) war die Partie entschieden. Das war bitter für den TVB, schließlich wäre mit einer nur halbwegs vernünftigen Angriffsleistung mehr drin gewesen gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner. Schlimmer indes war, dass der TVB in der Schlussphase nicht den Eindruck erweckte, um jedes Tor zu kämpfen. Wetzlar hatte leichtes Spiel und holte sich mit einem 12:4-Lauf in den letzten 19 Minuten den verdienten, aus TVB-Sicht vollkommen unnötig hohen, 28:18-Sieg. Der TVB verspielte damit seine bis dato ordentliche Trefferdifferenz, die am Ende entscheidend sein könnte.

Weiter geht’s am Mittwoch beim Tabellenfünften SC Magdeburg. Das Spiel können Sie um 19 Uhr in unserem Liveticker verfolgen.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Weiß (1), Schagen (2/2), Schweikardt (1/1), Kraus (6), Coric, Baumgarten, Fotache (3), Kretschmer, Orlowski (2), Celebi (3). HSG Wetzlar: Buric (1), Nikolai Weber; Kneer, Björnsen (1), Pöter (2/1), Mirkulovski (1), Philipp Weber (8), Hahn (1), Kvist (2/1), Berggren, Klesniks, Lindskog (3), Cavor (4), Kohlbacher (5).

Ausschnitte der Partie gibt es zu sehen auf www.zvw.de/sportvideos

Stimmen zum Spiel

Kai Wandschneider, Trainer der HSG Wetzlar: „Wir sind am Anfang auf eine bärenstarke Stuttgarter Abwehr getroffen. Wir hatten aber auch eine starke Abwehr und eine Weltklasseleistung von Buric. Das war sicher mitentscheidend. Ich denke, der Sieg ist definitiv zu hoch ausgefallen.“

Markus Baur, Trainer des TVB: „Wir sind sehr gut gestartet, haben aber schon in der ersten Halbzeit zu viele Chancen liegenlassen. Zehn Minuten nach der Pause haben wir daran gezweifelt, was wir bisher gespielt haben – obwohl man nicht mehr machen kann, als frei vors Tor zu kommen. Wenn man die Dinger nicht reinmacht, wird man unsicher und nimmt sich schlechtere Chancen, die auch nicht reingehen. Die zweite Halbzeit ab der 20. Minute war haarsträubend.“

Jürgen Schweikardt, TVB-Geschäftsführer: „Das ist ein sehr schwerer Tag für uns. Wir waren von der ersten bis zur letzten Minute offensiv sehr, sehr schlecht. Das war schon erschreckend.“

Simon Baumgarten, Spieler des TVB: „Ich bin fassungslos und sprachlos. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit vorführen lassen, da mussten die Zuschauer viel ertragen. So holen wir in dieser Saison keinen Punkt mehr.“