TVB Stuttgart

Schwache Wurfquote, viele Fehlpässe

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Simon Baumgarten und der TVB hatten ihre Probleme, Lücken in der Leipziger Deckung zu finden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart bleibt im Abstiegskeller sitzen: Vor 2251 Zuschauern in der ausverkauften Scharrena hat er sich dem SC DHfK Leipzig mit 22:27 geschlagen geben müssen. Dabei scheiterte der TVB eher an den eigenen Unzulänglichkeiten als am Gegner. Da nützte auch die starke Leistung von Torhüter Jonas Maier nichts.

Nach 60 spannenden und hart umkämpften Minuten jubelte zum sechsten Mal in Folge der Gegner des TVB 1898 Stuttgart. Ein Gewinner indes hatte auch ein Stuttgarter Trikot an: Der Torhüter Jonas Maier, der nach dem einen oder anderen dürftigen Auftritt bereits als Fehleinkauf abgestempelt wurde, hätte mit 17 – teilweise spektakulären Paraden – zum Matchwinner des TVB werden können.

Bei knapp 40 Prozent der Leipziger Würfe war der 23-Jährige zur Stelle. Freude freilich kam beim Ex-Lemgoer allerdings kaum auf, weil seine Kollegen auf dem Feld wieder einmal zu viele Geschenke an den Gegner verteilten: Mit einer Wurfeffizienz von unter 50 Prozent, einem halben Dutzend technischer Fehler, die zu direkten Gegentreffern führten, und drei verworfenen Siebenmetern lässt sich kein Handballspiel gewinnen.

Erste Abschlussschwächen zeigten sich nach wenigen Minuten

Dabei hatte die Partie für den TVB so schlecht nicht begonnen. Jonas Maier fing erst einen Leipziger Konter ab, dann parierte er gegen den deutschen Nationalspieler Niclas Pieczkowski. Bei den Gästen ging zunächst die größte Gefahr von den Außenpositionen aus, nach zehn Minuten stand’s 5:5. Zu diesem Zeitpunkt zeigte der TVB jedoch bereits erste Abschlussschwächen. Bobby Schagen, normalerweise sicher vom Siebenmeterstrich, scheiterte an Milos Putera. Der Leipziger Keeper zeigte eine ähnlich überzeugende Leistung wie Maier – der Vorteil für den TVB auf dieser Position war damit dahin.

Tobias Schimmelbauer im Nachwurf und Marian Orlowski mit großem Durchsetzungsvermögen brachten den TVB nach einer Viertelstunde mit 7:5 in Führung. Eben jene beide Spieler standen in der Folge im Mittelpunkt: Orlowski zeigte Konzentrationsschwächen im Passspiel, was die wachsame Leipziger Deckung zu drei Kontertoren nützte. Dann schickten die schwachen Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski nacheinander Schimmelbauer und Simon Baumgarten für zwei Minuten auf die Strafbank. Die Gäste nutzten die Überzahl clever aus und holten sich beim 8:7 (18.) die Führung.

Schimmelbauer sieht die rote Karte

Der TVB tat sich im Angriff sehr schwer gegen die bewegliche und aggressive Abwehr der Leipziger. Nach Schagens Ausgleich zum 8:8 holte sich das Team von Trainer André Haber die Zwei-Tore-Führung (10:8).

Es folgte der nächste Nackenschlag für das Heimteam. Nach Stefan Salgers 9:10-Anschluss musste Schimmelbauer in der 20. Minute das zweite Mal auf die Strafbank – zu Unrecht, weil Manuel Späth der Übeltäter war. Schimmelbauer beschwerte sich offensichtlich zu heftig bei den Unparteiischen, die die doppelte Zeitstrafe aussprachen. Es war die dritte für den Linksaußen, was gleichbedeutend mit der Roten Karte war. Damit fehlte dem TVB nicht nur ein zentraler Abwehrspieler, er hatte auch keinen weiteren Linksaußen im Kader nach der Verletzung von Max Häfner.

Das Team von TVB-Trainer Markus Baur kämpfte jedoch unverdrossen weiter, legte zum 11:10 und 12:11 (28.) nach. Zur Pause indes führten die Gäste mit 13:12. Putera hatte sich auch den dritten Strafwurf geschnappt, dieses Mal von Michael Schweikardt, und war anschließend bei einem freien Wurf vom Dominik Weiß zur Stelle.

Rote Karte auch für Leipzigs Benjamin Meschke

In diesem Stil ging’s nach der Pause weiter. Die Leipziger Mauer war für den TVB nur schwer zu knacken – und wenn die Bittenfelder mal durch waren, ließen sie die besten Chancen liegen. Der gute Gäste-Linksaußen Yves Kunkel brachte seine Mannschaft beim 15:13 (34.) erstmals mit zwei Toren in Führung, Orlowski und Weiß glichen aus.

Dann hielten die Schiedsrichter dem auf der Auswechselbank sitzenden Leipziger Benjamin Meschke wegen Meckerns die Rote Karte unter die Nase (36.). Die verkrafteten die ausgeglichen besetzten Gäste locker. Sie profitierten weiterhin von haarsträubenden Fehlwürfen und Fehlpässen des TVB. Markus Baur versuchte es immer wieder mit dem siebten Feldspieler und zwei Kreisläufern, die Gästedeckung blieb aber stabil. Mit einem 5:1-Lauf zum 20:16 (44.) schockte der SC seinen Gegner. Der TVB ließ sich zwar nicht entmutigen und stellte sich mit allen Mitteln gegen die sich anbahnende Niederlage – auch nach dem 18:23 durch Franz Semper (50.).

Chance, sich von den Abstiegsrängen abzusetzen, verpasst

Eine Aufholjagd gab’s jedoch nicht mehr, auch wenn das 20:23 durch Baumgarten sieben Minuten vor dem Ende die Hoffnung auf wenigstens einen Punkt – kurz – zurückbrachte. Leipzig hielt seine Fehlerquote auch in der Schlussphase gering, nach Kunkels fünftem Strafwurftor zum 21:25 (56.) war die Partie durch.

Am Ende stand die – sicherlich etwas zu hohe – 22:27-Niederlage des TVB. Der musste sich ärgern. Schließlich war die Chance da, sich mit dem fünften Saisonsieg ein wenig von den Abstiegsrängen abzusetzen. Durch den überraschenden Sieg des HC Erlangen in Göppingen rutschte der TVB sogar in der Tabelle auf Rang 15 zurück – mit wenig beruhigenden drei Punkten Vorsprung auf Platz 17.

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Sdunek; Schimmelbauer (1), Lobedank (1), Salger (3), Weiß (3), Schagen (4/1), Schweikardt (2), Späth, Baumgarten (2), Röthlisberger, Burmeister, Kretschmer, Orlowski (6), Pfattheicher.

SC DHfK Leipzig: Putera, Vortmann; Semper (5), Rojewski (1), Jurdzs (1), Krzikalla (1), Binder, Janke (1), Pieczkowski (2), Kunkel (11/5), Roscheck, Rivesjö, Strosack (2), Meschke (1), Milosevic (2).


Stimmen zum Spiel

André Haber, Trainer des SC DHfK Leipzig: „Wir freuen uns riesig, dass wir hier die Punkte mitgenommen haben. In den Spielen zwischen Stuttgart und Leipzig liegt immer viel Brisanz, es waren oft knappe Spiele. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass es heute ein Stück weit in Richtung Prügelei gehen kann. Ich bin stolz darauf, wie wir vor allem in der zweiten Halbzeit verteidigt haben. Das war ausschlaggebend für den Erfolg. Im Angriff hatten wir einen klaren Plan, der Großteil wurde gut umgesetzt.“

Karsten Günther, Geschäftsführer des SC: „Ein Kompliment an unser Team nach einem sehr emotionalen Spiel, das auch hätte kippen können. Das Spiel zeigt unseren Entwicklungsprozess, in heiklen Situationen sind wir nicht hektisch geworden.“

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir haben uns selbst um den Lohn gebracht, unsere Abschlussquote war sehr, sehr schlecht. Die hat uns letztlich das Genick gebrochen. Was die Einsatzbereitschaft und die Kampfkraft angeht, kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.“

Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer des TVB: „Schade, da war mehr drin für uns. Gefreut habe ich mich für Jonas Maier, er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es hätte reichen können.“