TVB Stuttgart

Schwacher TVB: Neunte Niederlage in Folge

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Zu wenig durchschlagskräftig präsentierte sich der TVB im Angriff. Hier versucht Tobias Schimmelbauer (Mitte, links Dominik Weiß), den Ball zu sichern. Die Lübbecker Moritz Schade (25) und Dener Jaanimaa (rechts) schauen zu. © Oliver Krato

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat auch sein neuntes Spiel in Folge verloren. Beim 21:24 beim Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke zeigte das Team von Trainer Markus Baur allen voran im Angriff eine äußerst schwache Leistung. Außer Bobby Schagen erreichte kein Spieler seine Normalform. In dieser Verfassung ist der TVB stark abstiegsgefährdet.

Ein Neuanfang sollte es werden für den TVB nach den tristen Monaten November und Dezember. Doch das Team machte beim Drittletzten dort weiter, wo es im alten Jahr aufgehört hatte: Verunsichert und über weite Strecken mut- und ideenlos präsentierte sich der TVB bei einem Gegner, der zumindest am Sonntag nur phasenweise Erstliganiveau erreichte. Dass der Liga-Neuling am Ende den Platz verdientermaßen als Sieger verließ, ist umso bedenklicher aus Sicht der Bittenfelder.

Dabei waren die personellen Voraussetzungen in der Lübbecker Merkur-Arena so gut wie lange nicht mehr. Bis auf die Langzeitverletzten Felix Lobedank und Djibril M’Bengue hatte der Trainer Markus Baur sämtliche Spieler zur Verfügung – auch den kroatischen Neuzugang Robert Markotic.

Bitter auf der Bank - Maier im Tor

Auch der Torhüter Jogi Bitter, dessen Einsatz gefährdet war, meldete sich spielfähig. Er nahm zunächst jedoch auf der Bank Platz. Jonas Maier bekam den Vorzug – und zeigte in den ersten 30 Minuten eine überzeugende Leistung. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass nach einer Viertelstunde lediglich vier Tore gefallen waren – zwei auf jeder Seite.

Bittenfelder vergaben reihenweise Wurfchancen

Beiden Teams war die lange Spielpause und die Nervosität in diesem so wegweisenden Spiel in nahezu jedem Angriff anzumerken. Die Abwehrreihen vor den guten Keepern Peter Tatai (Lübbecke) und Jonas Maier agierten aufmerksam, allerdings versprühten weder die Lübbecker noch der TVB allzu viel Spielwitz. Während das Heimteam häufig erst gar nicht zum Abschluss kam, vergaben die Gäste gleich reihenweise beste Wurfchancen oder waren im Abschluss nicht zwingend genug.

8:8 zur Halbzeit 

Nach einer Viertelstunde feierte Markotic sein Debüt im TVB-Trikot, er ersetzte den glücklosen Stefan Salger im rechten Rückraum. Am Spiel änderte dies jedoch nichts: Kenji Hövels brachte den TuS beim 4:2 (17.) erstmals mit zwei Toren in Führung, der TVB fand im Positionsspiel weiterhin keine Lösungen. Der Ex-Melsunger Dener Jaanimaa traf nach 24 (!) Minuten zum 7:4, ehe Michael Kraus mit drei Treffern in Folge zum 7:7 ausglich. Mit dem mageren 8:8 ging’s in die Pause – und mit der Hoffnung, dass der TVB im zweiten Abschnitt seine starke Defensivarbeit fortsetzen und in der Offensive eine halbwegs ordentliche Leistung aufs Spielfeld bringen kann.

Nach der Auszeit funktionierte Deckung nicht mehr

Marian Orlowski brachte sein Team beim 9:8 erstmals seit dem 2:1 wieder in Führung, dann vergab Markotic mit einem völlig verunglückten Wurf die Zwei-Tore-Führung. Der Ex-Bittenfelder Jens Bechtloff drehte die Partie mit zwei Toren zum 10:9, Luka Rakovic und Moritz Schade legten gegen den fahrigen TVB zum 12:9 (35.) nach.

Nach einer Auszeit stellte Markus Baur um. Salger und Dominik Weiß ersetzten im Rückraum Markotic und Orlowski – mit bescheidenem Erfolg: Die Abschlussquote blieb schwach – und plötzlich funktionierte auch die Deckung nicht mehr. Lübbecke spielte nicht überragend, es reichte aber, um den TVB auf Distanz zu halten (14:11/16:12). Entscheidender Mann beim TuS war in dieser Phase Lukasz Gierak. Der linke Rückraumspieler spielte mit der Überzeugung, die dem TVB fehlte: Das 17:13 (43.) war sein vierter Treffer hintereinander.

Auch Einwechslung von Bitter brachte nichts

Markus Baur wechselte weiterhin munter durch, doch außer dem treffsicheren Bobby Schagen erreichte kein Spieler sein Leistungsvermögen. Zu zögerlich und fehlerbehaftet waren die Aktionen – und zudem schlug der TVB 1898 Stuttgart die Einladungen der ebenfalls unsicheren Lübbecker gleich reihenweise aus. Beim 21:18 (49.) vergab Tobias Schimmelbauer einen Konter, dann leistete sich Michael Schweikardt einen technischen Fehler. Mit der Einwechslung von Bitter neun Minuten vor dem Ende zog Baur sein finales Ass aus dem Ärmel. Doch auch das stach nicht.

24:21- Endstand

Spannend war die Schlussphase dennoch, weil auch die Lübbecker Nerven zeigten. Samuel Röthlisberger vergab frei vor dem TuS-Keeper den 21:22-Anschluss (56.), Schagen machte es mit einem Kunstwurf besser. Nach Hövels 23:21 blieben dem TVB 90 Sekunden, um noch einen Punkt zu retten. Nach einem schwachen Wurf von Kraus war die Entscheidung gefallen. Symptomatisch war die letzte Szene des Spiels: Bitters Pass bei einem Konter war etwas ungenau, Weiß verlor den Ball an Rakovic, der zum 24:21-Endstand traf.

Mit diesem Sieg zog Lübbecke in der Tabelle am TVB vorbei, der jetzt Drittletzter ist. Dieser Platz genügte am Ende gerade so zum Ligaverbleib. Indes: In der Verfassung vom Sonntag dürfte der TVB größte Mühe haben, den Abstieg zu verhindern.


TuS Nettelstedt-Lübbecke: Tatai, Wesemann; Genz, Kaleb, Bechtloff (5/2), Gierak (6), Grabarczyk, Torbrügge (1), Gruszka, Rakovic (4), Schade (2), Zetterman, Hövels (3), Remer (1), Bagaric, Jaanimaa (2).

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Bitter; Schimmelbauer (1), Salger (1), Weiß (1), Schagen (6), Schweikardt, Späth (1), Markotic (1), Baumgarten (2), Röthlisberger, Kretschmer, Orlowski (1), Kraus (7/5).

Stimmen zum Spiel

Aaron Ziercke, Trainer des TuS Nettelstedt-Lübbecke: „Unsere Abwehr hat gut funktioniert, Peter Tatai hatte eine tolle Quote. So hätten wir eigentlich mit einer Führung in die Pause gehen müssen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns mit den Gegenstößen freigeschwommen und Sicherheit bekommen. Man hat beiden Mannschaften angemerkt, dass viel auf dem Spiel steht. Wir haben am Ende den Sieg erzwungen.“

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Ich bin sehr enttäuscht, wie das Ganze abgelaufen ist. Wir hätten von unserer Abwehrleistung mehr profitieren können. 21 Tore im Angriff sind natürlich zu wenig. Das tut natürlich weh. Jetzt heißt es, die Ärmel hochzukrempeln. Am Donnerstag gegen Hannover werden wir versuchen, ähnlich zu decken und die Angriffsleistung effektiver zu gestalten.“