TVB Stuttgart

Sieg verschenkt, aber wenigstens Punkt geholt

ea1b5cfc-3d51-4d50-a827-40398ea7eabb.jpg_0
Dominik Weiß, hier am Ball gegen Bastian Roscheck (links) Peter Strosack, und der TVB hätten aufgrund der starken ersten Hälfte einen Sieg verdient gehabt. Doch Handball ist eben kein Wunschkonzert – und Leipzig verdiente sich den Punkt nach der Pause mit großer Moral. © Rainer Justen

Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat beim Tabellenachten SC DHfK Leipzig einen Punkt geholt. Der war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Dennoch ist das Ergebnis auch eine Enttäuschung: Der TVB dominierte die Partie in Hälfte eins und führte 12:5 und, zur Halbzeit, 14:9. Dann glich Leipzig wieder aus. Die letzten zehn Minuten waren ein Nervenspiel.

Die Leipziger hatten den Bittenfeldern im Vorfeld eine ruppige Spielweise vorgeworfen. Tatsächlich gab es einige Gelbe Karten und Zwei-Minuten-Strafen. Allerdings nicht nur für den TVB, sondern auf beiden Seiten. Am Ende standen für die Gäste fünf, für die Leipziger vier Zeitstrafen auf dem Zettel.

Starke Leistung von Bitter

Dass der TVB die erste Hälfte dominierte, hatte auch mit der starken Leistung von Torhüter Jogi Bitter zu tun. Allein acht Paraden zeigte er vor der Pause, darunter waren drei gehaltene Siebenmeter. Auf der Gegenseite agierte Jens Vortmann glücklos. Der in der 16. Minute eingewechselte Milos Putera machte seine Sache indes wesentlich besser. Und wurde in Hälfte zwei zu einem ganz wichtigen Faktor dafür, dass der SC doch noch zu einem Punktgewinn kam. Der TVB hatte allerdings auch das Pech, dass der gute Kreisläufer Simon Baumgarten nach der Pause verletzt ausfiel. Bester Werfer war der Bittenfelder Michael Kraus mit acht Toren.

Bis zum 4:4 (10.) war die Partie ausgeglichen gewesen. Dann zog der TVB davon. Nach einem Doppelpack durch Dominik Weiß stand es 6:4 für die Gäste, Leipzig reagierte mit einer Auszeit (13.). Die brachte allerdings nichts. Bittenfeld erhöhte durch Bobby Schagen in der 16. Minute auf 9:4. Zwar traf Leipzig zum zwischenzeitlichen 5:9. Dann jedoch war wieder der TVB an der Reihe und nutzte unter anderem die Siebenmeterschwäche des Gegners – und die Stärke von Jogi Bitter –, um bis auf 12:5 und 13:7 davonzuziehen. Auch zur Pause (14:9) sah alles noch nach einem Gästesieg aus.

Zweite Hälfte: Leipzig deutlich stärker

In Hälfte zwei zündete Leipzig zwar kein Feuerwerk, war aber auch dank der guten Leistung von Putera im Tor deutlich stärker. Und Bittenfeld ließ es im Gegensatz zu den ersten 30 Minuten an Tempo vermissen, hinzu kamen technische Fehler. Schwer wog zudem der Ausfall von Baumgarten, worunter das Spiel über den Kreis litt. Nach dem Treffer zum 16:20 durch Kraus (43.) blieb das Team sieben Minuten lang ohne Tor. Leipzig witterte seine Chance. Mit zwei Siebenmeter-Treffern nacheinander glich Andreas Rojewski zum 20:20 aus.

Mit dem 22:21 (54.) schien das Spiel zu kippen. Es war die erste Führung für Leipzig im gesamten Spiel. Allerdings auch die letzte. Es spricht für den TVB, dass er in der spannenden Schlussphase nicht einbrach, sondern mit großem Willen dranblieb und sofort wieder durch Kraus ausglich. Im Anschluss legte die Mannschaft jeweils vor und die Gastgeber glichen aus. Eine Minute vor Schluss legte SC-Coach Michael Biegler die Grüne Karte auf den Tisch. Nach der Taktikbesprechung erzielte der nervenstarke Rojewski erneut per Siebenmeter das 24:24. Jürgen Schweikardt nahm 20 Sekunden vor Schluss seine letzte Auszeit. Doch ein Sieg gelang dem TVB nicht mehr. Den Wurf von Stefan Salger parierte Milos Putera.

Aufstellung

SC DHfK Leipzig: Vortmann, Putera; Rojewski (6/2), Krzikalla, Binder (1), Jahnke (6), Pieczkowski (3), Kunkel, Roscheck, Weber (3), Rivesio, Strosack (3), Remke, Meschke, Milosevic (2). TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Lobedank, Salger (3), Weiß (3), Schagen (1), M. Schweikardt (3/2), Späth (1), Kraus (8/2), Baumgarten (2), Rothlisberger, Kretschmer, Orlowski (1), Pfattheicher (1).

Stimmen zum Spiel

Michael Biegler, Trainer des SC DHfK Leipzig: „Aufgrund der ersten Halbzeit müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Die Fehlerquellen waren vor der Pause zu groß. Wir haben das Kreisläuferspiel des Gegners nicht unterbunden und Großchancen liegenlassen. Mit einer riesigen Aufholjagd haben wir das noch mit dem Punktgewinn repariert.“

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Es fühlt sich wie ein verlorener Punkt an. Wir haben das vor allem in der ersten Halbzeit gut gemacht. Uns ist zugutegekommen, dass Jogi drei Siebenmeter gehalten hat. Was wir in der zweiten Hälfte falsch gemacht haben, war, dass wir nicht am Tempo drangeblieben sind. Ich bin aber stolz auf die Mannschaft, dass sie sich nicht hängenlassen hat, als wir ins Hintertreffen gekommen sind.“