TVB Stuttgart

Spiel gegen Bergischer HC: Der TVB bleibt eiskalt

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Auch wenn die Bergischen Löwen, hier Kristian Nippes gegen Dominik Weiß, hin und wieder ihre Krallen zeigten: Der TVB war in allen Belangen überlegen und holte wichtige Punkte gegen den Abstieg. © Kurt Kosler

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sich im Kampf um den Ligaverbleib zwei eminent wichtige Punkte gesichert. In der mit 2438 Zuschauern ausverkauften Solinger Klingenhalle behielt die Mannschaft von Trainer Markus Baur gegen das Tabellenschlusslicht Bergischer HC kühlen Kopf und setzte sich überraschend souverän mit 35:26 durch.

Mit dem sechsten Saisonsieg hat der TVB am 19. Spieltag die Abstiegsränge wieder verlassen. Angesichts des Drucks, der nicht nur auf dem gastgebenden Tabellenletzten lastete, sondern natürlich auch auf dem TVB 1898 Stuttgart, zeigten die Gäste im hitzigen „Löwenkäfig“ eine erstaunlich abgezockte Leistung und feierten nach dem Schlusspfiff ausgiebig mit ihren mitgereisten Fans.

Jogi Bitter wieder in topform

Während die Löwen ohne vier wichtige Spieler antraten, kamen beim TVB Djibril M’Bengue und Can Celebi noch nicht zum Einsatz. Einer zeigte vom ersten Angriff weg, dass er wieder zu hundert Prozent hergestellt ist nach seinen Oberschenkelproblemen: Der TVB-Keeper Jogi Bitter schnappte sich gleich den ersten Wurf von Alexander Hermann und lief in den folgenden 59 Minuten richtig heiß. Am Weltmeister verzweifelten die Löwen gleich reihenweise – wobei Bitter auch durch seine über weite Strecken bärenstarke Deckung hervorragend unterstützt wurde.

Konzentrierter Start

Der TVB startete konzentriert, zwang den BHC häufig ins Zeitspiel und zu unvorbereiteten Abschlüssen. Nach zehn Minuten sorgte Bobby Schagen per Gegenstoß für die 5:3-Führung des TVB – und für die frühe Auszeit des Löwen-Trainers Sebastian Hinze. Der Routinier Viktor Szilagyi ersetzte den Tschechen Tomas Babak auf Rückraum-Mitte, doch der TVB hatte zunächst weiterhin alles im Griff, selbst in Unterzahl. Michael Kraus ließ dem Ex-Bittenfelder Björgvin Gustavsson im BHC-Kasten beim Treffer zum 8:5 keine Chance. Im Anschluss parierte Bitter binnen 30 Sekunden gleich dreimal gegen Alexander Hermann, Bogdan Criciotoiu und Arnor Gunnarsson.

Für dessen isländischen Landsmann Gustavsson war die Partie nach 18 Minuten zu Ende: Beim Versuch, einen Gegenstoßpass auf Tobias Schimmelbauer abzufangen, kollidierte er mit dem Linksaußen. Die Schiedsrichter Adrian Kinzel und Sebastian Grobe hielten dem Keeper die Rote Karte unter die Nase.

Erhebliche Probleme beim Heimteam

Bitter machte mit einem Wurf ins leere Löwen-Tor zum 10:5 den 4:0-Lauf des TVB perfekt (20.). Das Heimteam wirkte nervös und hatte nach wie vor erhebliche Probleme mit der guten Deckung um den Abwehrchef Vio Fotache. Dabei agierten die Gäste keinesfalls fehlerlos. Sie leisteten sich eine Reihe technischer Fehler und gerieten in den ersten 30 Minuten gleich viermal in Unterzahl.

Der gefährlichste Löwe, Alexander Hermann, verkürzte zum 8:11 (24.) und 10:13 (26.). Die Gäste ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen: Simon Baumgarten traf vom Kreis zum 10:14, ehe Bitter vom Siebenmeterstrich und von Außen gegen Gunnarsson parierte. Mit einem raffinierten Hüftwurf überraschte Kraus den BHC-Torhüter Christopher Rudeck zur 15:10-Führung des TVB.

Nach kurzer Überraschung wieder souverän

Etwas schläfrig und offensichtlich überrascht von der plötzlichen Wucht der Löwen, präsentierten sich die Bittenfelder in den ersten drei Minuten des zweiten Durchgangs. Der BHC nutzte einen Fehlwurf von Kraus und zwei technische Fehler des Gegners konsequent zu drei Toren in Folge zum 13:15. Der TVB-Coach Markus Baur reagierte umgehend mit einer Auszeit, danach war sein Team schnell wieder in der Spur. Beim 15:17 durch Szilagyi (38.), der immer wieder Verantwortung übernahm oder übernehmen musste, hofften die Löwen-Fans noch auf die Wende. Doch der TVB reagierte souverän: Kraus und Schimmelbauer, der ein starkes Comeback feierte, besorgten das 19:15 für den TVB. In Unterzahl traf Baumgarten zum 20:15, womit der Pausenvorsprung wieder hergestellt war. Baurs Taktik, konsequent mit dem siebten Feldspieler zu agieren, hatte Erfolg.

Bedeutender Sieg

Beim 19:22 durch Hermann (47.) war der BHC noch dran. Dann jedoch legten die Gäste einen Zwischenspurt hin, dem das Schlusslicht nicht mehr gewachsen war. Nach zwei Treffern von Dominik Weiß und einem Tor von Bobby Schagen war beim 19:25 elf Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung gefallen. Endgültig eingetütet hatte der TVB die Punkte nach Schimmelbauers 29:22 (54.). Der Rest war Formsache für die längst in allen Belangen überlegenen Gäste. Beim 33:23 war die höchste Führung erreicht. Am Ende stand der in dieser Form nicht erwartete 35:26-Sieg in einem ziemlich bedeutenden Spiel für den TVB 1898 Stuttgart.

Die Aufstellungen

Bergischer HC: Gustavsson, Rudeck; Preuß (4), Hoße (1), N. Artmann, Gunnarsson (3/1), Nippes (2), J. Artmann, Hermann (6), Babak, Bettin, Vilovski (1), Szilagyi (5), Criciotoiu (4).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter (1), Jerkovic; Schimmelbauer (6), Lobedank (4), Weiß (4), Schagen (7/4), Schweikardt, Kraus (6), Coric (1), Baumgarten (2), Fotache, Kretschmer (1), Orlowski (3).

Stimmen zum Spiel

Sebastian Hinze, Trainer des Bergischen HC: „So ein Spiel hatte ich nicht erwartet. Ich dachte, meine Mannschaft hätte den Kopf frei. Stattdessen haben wir eine Viertelstunde sehr ängstlich gespielt. In den ersten 15 Minuten nach der Pause traten wir dann so auf, wie wir uns das vorstellen. Das ist natürlich viel zu wenig, schwer enttäuschend und macht mich extrem nachdenklich.“

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Ich bin natürlich super happy. Ein Lob an meine Mannschaft, die von Anfang an Bereitschaft gezeigt und in der Abwehr, im Verbund mit Jogi, gut gearbeitet hat. Kurz nach der Halbzeit sind wir ein bisschen ins Schwimmen gekommen, da war das Spiel am Kippen. Nach dem 15:17 sind wir aber wieder stabil geworden.“