TVB Stuttgart

Spielbericht: Schwacher Start, unglückliches Ende

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Stefan Salger (beim Wurf, vorne Max Häfner) hatten vor allem in den ersten 30 Minuten große Problem mit der Lemgoer Deckung (hier Fabian van Olphen). Am Ende reichte die Aufholjagd nicht zu einem Punktgewinn. © Cohen

Nichts ist es geworden mit dem zweiten Auswärtssieg in Folge für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Nach schwachen ersten 30 Minuten (8:14) erkämpfte sich der TVB beim TBV Lemgo zwei Minuten vor dem Ende das 21:21-Unentschieden. In der Schlussphase war das Glück auf Seiten des TBV Lemgo, der die Partie mit 24:21 für sich entschied.

Nach 129 Sekunden war das Abwehrkonzept der Bittenfelder bereits über den Haufen geworfen: Tobias Schimmelbauer traf den nach innen ziehenden Isaias Guardiola im Gesicht. Der Spanier ging – etwas theatralisch – zu Boden. Und die Schiedsrichter Christian vom Dorff und Fabian vom Dorff zückten nach kurzer Beratung die Rote Karte gegen den defensivstarken TVB-Linksaußen.

Unterirdischer Start in die Partie

Der TVB-Trainer Markus Baur musste seine Abwehr umbauen, als Entschuldigung für den unterirdischen Start in die Partie taugt dies indes nicht: Dominik Weiß, der nach seiner starken Schlussphase in Göppingen im Angriff das Vertrauen bekam, scheiterte gleich mit einem Konter am TBV-Keeper Peter Johannesson. Der Gastgeber nutzte drei weitere Fehlwürfe und technische Fehler der Bittenfelder und zog schnell über 3:0 und 4:1 auf 6:2 (12.) davon.

Der TVB fand gegen die bewegliche und aggressive Lemgoer Deckung kein Mittel, agierte viel zu statisch und unkonzentriert. Beim 7:3 nach 17 Minuten bat Baur seine Spieler zur Besprechung und forderte mutigere Aktionen von ihnen. Gefruchtet indes hat diese Ansage nicht: Lemgo, angeführt vom starken Guardiola, blieb klar die bessere Mannschaft. Christoph Theuerkauf besorgte nach 22 Minuten das 10:4. Der TVB war völlig von der Rolle und scheiterte immer wieder an Johannesson, der es zur Halbzeit auf elf Paraden und damit 58 Prozent gehaltener Bälle brachte.

Kein guter Tag für Mimi Kraus

Keinen guten Tag erwischte Michael Kraus, der im Abschluss bisweilen zu überhastet agierte. Ein Heber von Patrick Zieker über den gewiss nicht schlechten Johannes Bitter brachte den TBV Lemgo beim 14:7 (28.) mit sieben Toren in Vorteil in einem zu diesem Zeitpunkt ungleichen Duell. Stefan Salger, im ersten Abschnitt noch einer der Besten, verkürzte zum 8:14 zur Pause. Ziemlich bedient war der TVB-Geschäftsführer in der Halbzeit. „Uns fehlt alles, was man braucht, um hier zu gewinnen“, sagte Jürgen Schweikardt. „Mit dem 14:8 sind wir noch ganz gut weggekommen.“

Deutlich engagierter und wacher kehrten die Bittenfelder aus der Halbzeit zurück. Weiß und Michael Schweikardt trafen zum 14:10, Max Häfner zum 15:11 (35.). Der Youngster übernahm im zweiten Abschnitt, im Wechsel mit Schweikardt, die Spielmacherfunktion. Kraus musste mit dem Platz auf der Auswechselbank vorliebnehmen. Auch Florian Burmeister bekam im linken Rückraum seine Spielanteile. Die Lemgoer wirkten plötzlich nicht mehr so sicher in ihren Aktionen. Die Fehlerquote stieg rasant, was auch an der nun stabileren Bittenfelder Deckung lag vor dem immer stärker werdenden Bitter. Nach Bobby Schagens Treffer zum 16:13 (41.) war der TVB wieder auf Schlagdistanz, Salger setzte mit seinem vierten Tor zum 16:14 noch einen drauf.

ineffektiver Angriff, prächtige Abwehr

Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis die Gäste näher an den Gegner herankamen. Das lag vor allem an dem nach wie vor nicht besonders effektiven Angriff, der sich zu viele Fahrkarten leistete. Die Abwehr dagegen stand prächtig, nur fünf Gegentore kassierte der TVB in den ersten 20 Minuten in Hälfte zwei beim 19:16.

In der Schlussphase hatten die Gäste in der einen oder anderen Situation auch Pech. Schweikardt scheiterte frei am Pfosten, dann landete ein Abpraller wiederholt bei Lemgo. Nach Tim Hornkes 21:18 (54.) hatte Lemgo die besseren Karten. Doch das Team von Trainer Florian Kehrmann wurde immer nervöser. Weiß, Manuel Späth und Simon Baumgarten trafen mit drei Toren in Folge – zwei Minuten vor dem Ende – zum 21:21-Ausgleich. Mit einem umstrittenen Siebenmeter brachte Theuerkauf das Heimteam mit 22:11 in Front. Im Anschluss scheiterten Weiß und Salger an Johannesson. Guardiola sorgte mit dem 23:21 gegen die offensive TVB-Deckung für die Entscheidung, nach dem 24:21 von Theuerkauf per Konter gab’s für die Lemgoer Fans kein Halten mehr. Der TBV Lemgo zitterte sich mit viel Mühe ins Ziel. Der TVB 1898 Stuttgart verpasste die Chance auf weitere Auswärtspunkte vor allem aufgrund der extrem schwachen ersten 30 Minuten.

Stimmen zum Spiel:

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Die erste Halbzeit war wirklich sehr schlecht von uns. Die Rote Karte war sehr bitter. Wir hatten keine Beweglichkeit in der Abwehr, deshalb auch dieser deutliche Halbzeitstand. Wir haben uns in der Halbzeit als Ziel gesetzt, alle fünf Minuten ein Tor aufzuholen und am Ende den Showdown zu haben, den wir tatsächlich hatten. Im Angriff haben wir besser abgeschlossen als in der ersten Halbzeit, dadurch wurde es dann eng. Beim Ausgleich gab es einen Siebenmeter – kann man geben, muss man nicht. Das war am Ende dann für uns bitter, wenn man so kämpft und sich noch mal so reinhängt.“

Florian Kehrmann, Trainer des TBV Lemgo: „Wir sind super ins Spiel gekommen, ich glaube, in der ersten Halbzeit haben wir einfach eine sehr gute Abwehr gespielt und das dann auch zu einfachen Toren genutzt. Anfang der zweiten Halbzeit haben wir im Positionsspiel einfache Tore von Stuttgart bekommen. Da kamen wir nicht mehr richtig in die Abwehr rein und haben uns vorne schwergetan. Stuttgart hat sehr kompakt gedeckt mit einem super Johannes Bitter hinten drin. Letztendlich haben wir das Spiel noch zu unseren Gunsten entschieden, darauf sind wir super stolz.“

TBV Lemgo: Wyszomirski, Johannesson; Kogut (1), Guardiola (8), Ebner, van Olphen (1), Theuerkauf (6/2), Hornke (5), Hübscher, Suton, Zerbe, Lemke, Bartok (1), Valiullin, Klimek, Zieker (2).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer, Häfner (1), Salger (4), Weiß (3), Schagen (4), Schweikardt (3), Späth (1), Kraus (2), Baumgarten (1), Röthlisberger (1), Burmeister (1), Haspinger.