TVB Stuttgart

Starker TVB lässt Erlangen keine Chance

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Torhüter Jogi Bitter war wieder einmal einer der Besten im Team des TVB und damit einer der Garanten für den so wichtigen Sieg. © Sportfoto Zink

Hochverdient und souverän hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart seinen sechsten Saisonsieg geholt: Vor 5146 Fans in der Nürnberger Arena war der TVB dem HC Erlangen beim 29:25 in allen Belangen überlegen, agierte konzentriert in der Defensive und effektiv im Angriff. Jogi Bitter und Dominik Weiß ragten aus dem starken Kollektiv heraus.

Bereits zehn Minuten vor dem Ende feierten die mitgereisten TVB-Fans den vierten Auswärtssieg ihrer Mannschaft, nachdem Martin Kienzle einen Konter sicher zum 26:19 abgeschlossen hatte.

Kienzle? Der Torschütze vom Dienst des Württembergliga-Teams war überraschend in den Kader gerückt, weil Michael Schweikardt wegen einer Oberschenkel-Verletzung nicht einsatzfähig war. Sein Fehlen indes machte sich nicht bemerkbar, weil seine Kollegen vom Anpfiff weg hellwach auftraten – und die Erlanger gleich kalt erwischten. Die waren seit drei Spielen ungeschlagen und nach dem beeindruckenden Sieg in Gummersbach selbstbewusst in die Partie gegangen – allerdings ohne den an der Wade verletzten Nikolas Katsigiannis.

Schwacher HCE ohne Nikolas Katsigiannis

Der Ausfall des ehemaligen deutschen Nationaltorhüters sollte sich für die Franken als schwerer Ballast erweisen. Gorazd Skof, 118-facher slowenischer Nationalkeeper, stand komplett neben sich und klar im Schatten seines Gegenübers: Jogi Bitter war – im Zusammenspiel mit der von Dominik Weiß, Manuel Späth und Samuel Röthlisberger sehr gut organisierten Deckung – der große Rückhalt des TVB.

Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt erwischte wie gegen Magdeburg einen glänzenden Start. Der überragende Christoph Steinert, der die Erlanger mit zehn Toren quasi im Alleingang im Spiel hielt, brachte den HCE mit 1:0 in Führung. Es war die erste und zugleich letzte in der gesamten Partie.

6:1 nach acht Minuten

Der starke Dominik Weiß vollendete den 6:0-Lauf nach acht Minuten zum 6:1. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Erlanger Trainer Adalsteinn Eyolfsson seine Spieler bereits zur Auszeit gebeten. Fortan versuchte der HCE, den Spielfluss des TVB mit einer 5:1- statt 6:0-Deckung zu stören. Das funktionierte phasenweise ganz ordentlich, nach einer Viertelstunde versenkte der ansonsten schwache Rechtsaußen Johannes Sellin einen Siebenmeter zum 6:7-Anschluss.

Sonderlich beeindrucken ließen sich die Bittenfelder davon nicht. Die Defensive ackerte unermüdlich, und an Bitter verzweifelten die Erlanger Schützen ein ums andere Mal. Beim 7:8 (17.) und 9:10 (21.) war das Heimteam noch dran, es musste sich jedoch im Positionsangriff ungemein quälen. Der TVB versuchte, die Erlanger Deckung mit langen Angriffen auseinanderzureißen – und machte dies sehr geschickt. Bobby Schagen knallte den Ball aus dem Rückraum zum 11:9 in den Kasten, dann trafen Michael Kraus und Stefan Salger für den deutlich variableren TVB zum 13:9 (27.). Der junge Linkshänder besorgte mit der Pausensirene das verdiente 15:12. Bis auf den energischen Steinert, der fünf der zwölf Erlanger Treffer erzielte, hatte der TVB alles im Griff.

TVB nutzte die Lücken

Mit einer noch offensiveren Deckung hoffte der HCE auf die Wende in den zweiten 30 Minuten, eine besonders gute Idee indes war das nicht. Der TVB nutzte die Lücken gnadenlos aus und führte nach 34 Minuten mit 18:13. Der entnervte Skof räumte seinen Platz für Michael Hassferter – und die Nummer drei des HCE machte eine deutlich bessere Figur.

An den Kräfteverhältnissen auf dem Spielfeld änderte dieser Wechsel allerdings nichts: Erstens hielt Bitter sein Niveau, zweitens blieb Steinert mehr oder weniger der Alleinunterhalter bei den Franken. Der gute Sascha Pfattheicher traf per Konter zum 19:14 (35.). Dann verlor der TVB für ein paar Minuten seinen kühlen Kopf und schloss zu überhastet ab. In Schwierigkeiten kam er aber nicht mehr. Michael Haaß’ Treffer zum 17:21 beantwortete Salger mit dem 22:17 (40.). Der eingewechselte Jonas Maier parierte einen Siebenmeter von Martin Stranovsky, Schagen machte es auf der anderen Seite besser und sorgte mit dem 23:17 (42.) für Ruhe auf den Rängen.

Erlangen kann nicht aufholen

Dort waren längst nur noch die TVB-Fans zu hören. Auch wenn die Gäste für ein paar Minuten nicht mehr ganz so konzentriert agierten, hatten sie weiterhin alles unter Kontrolle. Näher als auf vier Tore (19:23/44.) kam Erlangen nicht mehr heran. Spätestens nach Weiß’ 27:20 sieben Minuten vor dem Ende gab’s keine Zweifel mehr am Sieg des TVB. Maier hielt auch seinen zweiten Strafwurf, und beim 29:20 (55.) stolperte das Heimteam einem Debakel entgegen. In der Schlussphase ließ es der TVB etwas lockerer angehen, wodurch die Erlanger Niederlage beim 25:29 erträglicher ausfiel.

Ein wenig Hektik kam eine Minute vor Schluss auf: Die guten Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig schickten den starken TVB-Abwehrchef Manuel Späth nach einem Foul an Steinert mit der Roten Karte vom Feld. Die Freude über die wichtigen Punkte trübte dies freilich nicht.

Aufstellung

HC Erlangen: Skof, Hassferter; Sellin (2/2), Jonas Link (1), Lux (1), Haaß (1), Wagner, Büdel, Bissel (2), Stranovsky (4/2), Nikolai Link (3), Steinert (10), Thümmler, Bayer, Schröder (1).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner, Salger (4), Weiß (6), Schagen (5/1), Späth (2), Kraus (5/1), Baumgarten (1), Röthlisberger, Kienzle (2), Burmeister, Kretschmer, Orlowski (1), Pfattheicher (3).

Stimmen zum Spiel

Adalsteinn Eyolfsson, Trainer des HC Erlangen: „Wir haben gleich zwei, drei Chancen liegenlassen und gerieten schnell mit 1:6 in Rückstand, jeder Wurf von Stuttgart in dieser Phase war ein Treffer. Nach der Umstellung auf die 5:1-Deckung haben wir uns zurückgearbeitet. Unsere Rückraumwürfe wurden gehalten, auf der anderen Seite sind sie bei uns rein, auch in der Torwartecke. Es sind zu viele einfache Bälle reingerutscht. Auch vorne hatten wir Probleme, wir sind nie in den Rhythmus gekommen. Stuttgart hat gut gedeckt, und der Respekt vor dem gegnerischen Torwart war zu groß.“

Jürgen Schweikardt, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir sind überglücklich, dieses Spiel gewonnen zu haben. Ein Riesenkompliment an mein Team, wie es sich von der ersten bis fast zur letzten Minute reingehängt hat und unbedingt diesen Sieg wollte. Sehr geholfen hat uns, dass die Torhüterleistung deutlich auf unserer Seite war. Aber natürlich gehört auch die Abwehr dazu, die sehr gut gearbeitet hat. Vorne haben wir unsere Chancen weitgehend konsequent genutzt und verdient gewonnen.“

Dominik Weiß, Spieler des TVB: „Ich bin sehr stolz auf das Team. Wir wollten emotionaler auftreten als Erlangen, das haben wir geschafft.“