TVB Stuttgart

Teuer erkaufter Punkt: Mimi Kraus bricht sich Hand

9d12f1f7-2125-4e46-ba0f-d4ed8e94ff59.jpg_0
Mit bandagierter Hand versuchte Mimi Kraus (mit Ball) kurz weiterzuspielen, es ging aber logischerweise nicht. Der Bruch bedeutet das Saisonaus für den Spielmacher. Hier sperrt Simon Baumgarten gegen Jonathan Stenbäcken, Anton Mansson und Philipp Vorlicek (von links) frei. © Cohen

Mit einem 24:24-Unentschieden, nach einem 22:24-Rückstand, ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart aus Lemgo zurückgekehrt. Ob es ein gewonnener oder verlorener Punkt war, wird sich erweisen. Verloren hat der TVB jedenfalls Michael Kraus: Der Spielmacher brach sich die Hand und fällt für die restlichen fünf Spiele aus – eine bittere Nachricht im Abstiegskampf.

Am Samstagabend jubelten die Bittenfelder über den nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt, tags darauf gab’s lange Gesichter: Dass der TVB im Schlussspurt der Liga ohne seinen Taktgeber und besten Torschützen auskommen muss, ist ein schwerer Schlag. In der 14. Minute der ersten Halbzeit zog sich der 33-Jährige bei einem Wurfversuch einen Trümmerbruch der rechten Mittelhand zu. Kraus muss sich voraussichtlich einer Operation seiner rechten Hand unterziehen und fällt somit für den Rest der Saison aus.

"Das ist ein schwerer Schlag für uns"

„Das ist ein schwerer Schlag für uns“, so der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt in einer Pressemitteilung. „Das Team hat aber bereits in Lemgo nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Mimi gezeigt, zu was es in der Lage ist.“ Er sei davon überzeugt, dass die Mannschaft auch in den verbleibenden Spielen mit ihrem Teamgeist versuchen werde, den Ausfall zu kompensieren, um die noch fehlenden Punkte für den Klassenverbleib zu sichern.

Vier Punkte zum Ligaverbleib fehlen

Mit dem Unentschieden in Lemgo hat sich die Situation für den TVB nicht geändert: Er liegt einen Punkt vor den Abstiegsrängen und benötigt voraussichtlich aus den verbleibenden fünf Spielen vier Punkte zum Ligaverbleib.

Partie für Kraus beendet

Vor 4608 Zuschauern in der Lipperlandhalle, darunter etwa 50 lautstarke TVB-Fans, durfte der Trainer Markus Baur wieder auf Dominik Weiß und Michael Kraus zählen, die am Mittwoch in Flensburg nicht zur Verfügung gestanden hatten. Der TVB erwischte einen prima Start. Can Celebi traf per Doppelpack zur 2:0-Führung, Jogi Bitter parierte gleich einen Siebenmeter von Tim Hornke. Nach zwei Treffern von Kraus und einem Strafwurftor von Bobby Schagen führten die Gäste in der 13. Minute mit 6:3. Für Kraus war die Partie kurze Zeit später mehr oder weniger beendet. Mit eingetapter Hand versuchte es der Spielmacher später noch einmal, musste das Spielfeld aber wieder verlassen.

TVB machte Fehler

Beim TVB riss nach der Drei-Tore-Führung der Faden. Lemgo nutzte die Fehler der Gäste konsequent zu schnellen Toren, holte sich beim 8:7 (19.) binnen sechs Minuten die Führung – und legte sogar nach zum 11:8 (22.). Dem TVB war die Kontrolle verloren gegangen, Lemgo war mit diesem 8:2-Lauf heiß gelaufen. Felix Lobedank und Schagen verkürzten auf 10:11, Tobias Schimmelbauer glich nach zwei Bitter-Paraden zum 12:12 aus (29.). Der Linksaußen hatte per Konter sogar die Chance, sein Team zur Halbzeit in Führung zu bringen, scheiterte aber am guter Lemgoer Keeper Piotr Wyszomirsky. Auf der anderen Seite machte es Patrick Zieker besser, der Vorletzte ging mit dem knappen 13:12-Vorsprung in der nun ausgeglichenen Partie in die Pause.

Keine überzeugende Darbietung im Angriff

Im zweiten Abschnitt änderte sich nichts Wesentliches am Spielverlauf: Der TVB Stuttgart stellte, wie in den vergangenen Spielen, eine starke Defensive. Weniger überzeugend war die Darbietung im Angriff. Die Wurfquote war durchwachsen, zudem leistete sich der TVB 1898 Stuttgart zu viele technische Fehler. Lemgo machte es allerdings auch nicht viel besser in dem von großem Einsatz geprägten Abstiegskampfspiel.

Versuch: Siebter Feldspieler

Nach 38 Minuten donnerte Marian Orlowski den Ball zur 15:14-Führung der Gäste ins Lemgoer Tor. Es war jedoch die letzte in der Partie. Das Heimteam legte bis zum 18:17 stets einen Treffer vor, der TVB glich aus. Der TVB tat sich schwer im Positionsangriff und versuchte es mit dem siebten Feldspieler. Diese Variante ging zunächst nach hinten los, Zieker traf nach einem Fehlpass des TVB zum 19:17 (45.) ins leere Tor.

Gäste liefen Rückstand hinterher

Im weiteren Spielverlauf funktionierte diese Taktik besser, trotzdem hielt Lemgo den TVB knapp in Schach (20:19/21:20). Nach 51 Minuten verwertete Michael Schweikardt einen Abpraller zum 21:21-Ausgleich. Anschließend liefen die Gäste allerdings wieder einem Rückstand hinterher. Hornke traf per Kempa-Trick zum 23:21 (54.) und per Siebenmeter zum 24:22 (56.).

Zeitstrafe für Celebi 

Vier Minuten vor dem Ende hatte Lemgo alle Trümpfe in der Hand. Ein Schrittfehler des Kehrmann-Teams brachte den TVB in Ballbesitz. Zwei Minuten und neun Sekunden blieben ihm noch, wenigstens einen Punkt zu retten. Schagen behielt die Nerven und versenkte den Ball zum 24:23. Dann klaute Dominik Weiß dem Gegner den Ball und behielt 45 Sekunden vor der Schlusssirene die Nerven – 24:24. Im finalen Angriff der Heimmannschaft handelte sich Celebi noch eine Zeitstrafe ein, der Freiwurf von Azat Valiullin landete im Bittenfelder Block.

Einen Punkt für den TVB

Während die Spieler des TBV Lemgo enttäuscht vom Platz schlichen, bejubelte der TVB den Punkt. Wie viel der tatsächlich wert ist, wird sich in der Endabrechnung zeigen. Zumindest hat sich die Ausgangsposition für das Baur-Team im Abstiegskampf nicht verschlechtert. Die Personallage durch den Ausfall von Mimi Kraus allerdings schon.

So wurde gespielt

TBV Lemgo: Wyszomirski, Maier; Mansson (1), Kogut (6), Theuerkauf (3), Hornke (4/2), Stenbäcken (4), Suton (1), Lemke, Vorlicek, Valiullin, Klimek (1), Zieker (4).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (2), Lobedank (2), Weiß (2), Schagen (6/4), Schweikardt (3), Kraus (2), Coric, Baumgarten, Fotache (1), Kretschmer, Orlowski (4), Celebi (2).

 

Stimmen zum Spiel

Florian Kehrmann, Trainer des TBV Lemgo: „Ohne unsere drei Linkshänder im rechten Rückraum hatten wir nicht so die Breite im Spiel. Über eine verbesserte Abwehr sind wir dann ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit war es für beide Teams zäh, wir haben uns immer ein kleines Momentum erarbeitet. Nach dem 24:22 haben wir es nicht geschafft, den einen nötigen Zweikampf noch zu gewinnen. Am Ende hat ein technischer Fehler Stuttgart den Punkt geschenkt.“

Markus Baur, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir haben gut angefangen, zwischendurch hat Lemgo das Zepter übernommen und am Schluss können wir froh sein, dass wir einen Punkt geholt haben. Kurz vor der Halbzeit hatten wir die Chance zur Führung, haben den Gegenstoß nicht gemacht und so ist Lemgo mit dem psychologischen Vorteil in die Halbzeit. Das war ein kleiner Knacks für uns. In der zweiten Halbzeit sind wir diesem Rückstand hinterhergelaufen. Am Schluss haben wir zum Glück den Ball abgefangen und das Tor gemacht.“