TVB Stuttgart

Trainer Baur: „Wir haben es selbst in der Hand“

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Jetzt heißt es nochmal volle Konzentration, damit endlich gefeiert werden darf (von links): Jogi Bitter, Teo Coric, Trainer Markus Baur, Bobby Schagen (hinten), Finn Kretschmer und Felix Lobedank. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der TBV Lemgo hat dem Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart mit dem 27:23 in Hannover die vorzeitige Feier des Klassenverbleibs vermasselt. Egal: Vor dem letzten Spieltag hat der TVB mit die besten Karten: Punktet das Team bei FA Göppingen, ist der Käse gegessen. Doch auch andernfalls müsste viel zusammenkommen, um noch auf den drittletzten Platz zu rutschen.

Hätte, hätte, hätte. Hätte der TSV Hannover-Burgdorf am Mittwoch endlich seinen ersten Rückrundensieg gelandet, wäre der TVB gerettet gewesen und im Bittenfelder Vereinsheim hätten Mannschaft, Verantwortliche und Fans einen draufmachen können.

Keine Schützenhilfe von Hannover

Doch beim Public Viewing ging schnell die Stimmung flöten. Der Drittletzte TBV Lemgo nutzte seine Chance im Abstiegskampf und besiegte vor allem in der zweiten Hälfte völlig indisponierte Hannoveraner verdient mit 27:23 (12:12). Auch Markus Baur verfolgte die Partie im Vereinsheim enttäuscht: „Das war erschreckend von Hannover.“

Der TVB-Trainer fügt aber sogleich hinzu: „Man kann sich nicht auf andere verlassen, sonst ist man verlassen. Am letzten Spieltag wäre das eine Oberkatastrophe gewesen. Aber wir haben es jetzt am Samstag selbst in der Hand, und das ist gut so.“

Kampf um den Klassenverbleib

Vor dem abschließenden Spieltag stellt sich die Situation im Kampf um den Klassenverbleib wie folgt dar: Mit dem Schlusslicht HSC Coburg und dem Vorletzten HBW Balingen-Weilstetten stehen zwei Absteiger fest, gesucht wird noch ein drittes Team, das den Gang in Liga zwei antreten muss.

Vier Mannschaften kämpfen noch. Die schlechteste Ausgangsposition hat der Bergische HC, der aufgrund des Lemgoer Sieges auf den drittletzten Platz zurückgefallen ist. Er muss unbedingt gewinnen – und darauf hoffen, dass Hannovers schwarze Serie auch im letzten Spiel nicht reißt.

Das Zünglein an der Waage

Denn der BHC erwartet eben jenes Team, das im Abstiegskampf zum Zünglein an der Waage werden kann. Spannend wird auch die Partie in Lemgo, der TBV trifft auf den nur einen Punkt entfernten direkten Konkurrenten VfL Gummersbach (13. Tabellenplatz). Dass dieser noch auf den drittletzten Rang purzelt, ist allerdings noch unwahrscheinlicher als der Abstieg der punktgleichen Bittenfelder (14.). Gummersbach hat zwei Punkte und 28 Tore Vorsprung auf den Bergischen HC, beim TVB sind es zwei Punkte und 15 Tore.

Die Rechnerei macht Markus Baur kein Vergnügen. Zwar sei es vorstellbar, dass Hannover in der derzeitigen Verfassung „beim Bergischen eine Rutsche kriegt“. Doch sein Augenmerk gilt zunächst nur der eigenen Mannschaft: „Ich als Trainer beschäftige mich damit, was wir zu tun haben.“ Die Frage, ob der TVB eventuell in Göppingen unter die Räder kommen könnte, stellt sich für ihn nicht. Weil er auf sein Team vertraut: „Wir gehen nach Göppingen, um was zu holen.“

Der TVB setzt die Konkurrenz unter Druck

Zu Recht verweist Baur darauf, dass seine Mannschaft stets in besonders brenzligen Situationen zur Stelle gewesen ist. „Wir haben das super gemeistert, als wir eigentlich tot waren.“ Mit dem Punktgewinn in Lemgo (24:24) – trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von Michael „Mimi“ Kraus – sowie den immens wichtigen Siegen in Minden (28:26) und zuletzt gegen Coburg (26:20) zog sich der TVB selbst aus dem tiefsten Sumpf und setzte die Konkurrenz unter Druck. Und die ließ Federn. Im Kampf um den Klassenverbleib „müssen jetzt andere einen Punkt holen oder hoch gewinnen“. Nämlich der TBV Lemgo und der Bergische HC.

Zudem sei es für die Bittenfelder durchaus möglich, in Göppingen zu gewinnen. Das Team habe in dieser Saison bewiesen, dass es auch gegen Favoriten mithalten könne. In der Hinserie unterlag der TVB im Heimspiel Frisch Auf zwar mit 29:35. Doch die Rückrunde verlief für die Göppinger eher holprig.

„Wir brauchen eine disziplinierte Leistung"

Sie leisteten sich sogar eine schlimme Schwächephase mit dem Tiefpunkt beim 19:29 in Wetzlar am fünftletzten Spieltag. Dann aber berappelte sich die Mannschaft von Trainer Magnus Andersson wieder, besonders der 31:27-Heimerfolg gegen den Vizemeister SG Flensburg-Handewitt ließ aufhorchen. Zudem gewann Göppingen den Europapokal. „Der hat der Mannschaft wieder Sicherheit gegeben“, sagt Markus Baur.

Dass trotzdem was möglich ist, zeigte der VfL Gummersbach am vorletzten Spieltag, wenn auch mit viel Glück. 22:22 endete das Heimspiel gegen Göppingen. Jetzt will der TVB in der EWS-Arena punkten und den Klassenverbleib feiern. Baur sagt, was dazu nötig ist: „Wir brauchen eine disziplinierte Leistung über 60 Minuten und eine bewegliche, aggressive Abwehr.“

Zudem gelte es, jede Möglichkeit zum Gegenstoß zu nutzen und im Tempospiel ein ebenbürtiger Gegner zu sein. Freilich hofft der Coach auch wieder auf eine starke Leistung seines Keepers Johannes „Jogi“ Bitter. Der Kader bleibt unverändert.

Verlassen können wird sich der TVB 1898 Stuttgart sicher auf seine Fans. 16 von 17 Heimspielen waren ausverkauft – und der Weg nach Göppingen ist auch nicht weit.

Letzter Spieltag

  • Folgende für den Abstiegskampf relevante Partien, außer jener des TVB in Göppingen, finden am letzten Spieltag am Samstag statt (16 Uhr): Bergischer HC – TSV Hannover-Burgdorf, TBV Lemgo – VfL Gummersbach.
  • Die weiteren Spiele: HC Erlangen – SC Magdeburg, HBW Balingen-Weilstetten – THW Kiel, SC DHfK Leipzig – Füchse Berlin, HSC Coburg – TSV GWD Minden, SG Flensburg-Handewitt – HSG Wetzlar, Rhein-Neckar Löwen – MT Melsungen.
  • Die TVB-Fans können natürlich am Samstag mit dem ZVW-Liveticker unter www.zvw.de/liveticker zuhause mitfiebern.
  • Nach Spielschluss gibt es ein Video auf www.zvw.de/tvb