TVB Stuttgart

Traktoren, ein Zebra – und ein Baur?

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Die TVB-Fans haben sich vor der Sparkassen-Arena in Kiel mit ihren Traktoren und dem THW-Maskottchen Hain Daddel in Position gebracht (von links nach rechts): Frank Luithardt, Roland Wissmann, Hans-Peter Laible, David Krammer, Volker Scholpp, Armin Rohn, Wolf Jung, Peter Penzenstadler, Bernd Wissmann und Thilo Kraisel. © Sascha Klahn

So hatten es sich die Fans des TVB 1898 Stuttgart vorgestellt: In Kiel feierten sie den Verbleib in der 1. Handball-Liga. Die 800 Kilometer an die Ostsee hatte eine kleine Abordnung spektakulär mit drei Traktoren zurückgelegt. Gut möglich, dass der TVB-Schlepper bald einen namentlich passenden Chef haben wird: Als Trainer für die nächste Saison wird Markus Baur gehandelt.

„Es hat alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt Roland Wissmann. Mit zwei Handvoll Fans hatte sich der Ur-Bittenfelder am Montag vor einer Woche auf den Weg gemacht von Bittenfeld ins über 800 Kilometer entfernte Kiel. Nicht jedoch mit dem Auto oder gar dem Flugzeug, sondern mit drei Treckern. Maximal 25 Kilometer legte die Abordnung in einer Stunde auf bisweilen arg romantischen Nebensträßchen zurück. Drei Bittenfelder saßen am Steuer, der Rest im Begleitfahrzeug. Gefahren wurde im Schichtbetrieb.

„Alle haben durchgehalten“, sagte Wissmann am Montagvormittag. Fahrer und und Motoren – wobei letztere hin und wieder ein bisschen Öl benötigt hätten. Nachdem die Trecker am Montagvormittag auf einen Lkw verladen worden waren, der die Fahrzeuge zurück in die Heimat brachte, machten sich die etwas müden TVB-Fans im Kleinbus auf die Rückreise.

Perfekt eingehalten wurde auch der Zeitplan unter der Woche: Am Samstag hatten die Bittenfelder ihr letztes Etappenziel erreicht, bei schönstem Wetter erholten sie sich am Timmendorfer Strand von den Strapazen. Am Sonntagmorgen ging’s auf die finale Etappe: 80 Kilometer bis nach Kiel. An der Sparkassen-Arena wurden die Bittenfelder von den Kieler Fans begeistert empfangen. „Sie haben uns zugejubelt, als ob wir den WM-Titel gewonnen hätten“, so Roland Wissmann. „30 Meter vom Haupteingang parkten wir unsere Schlepper auf einem VIP-Parkplatz.“

In der Halle genossen die TVB-Fans die grandiose Atmosphäre, 10 200 Zuschauer sahen den 32:23-Sieg der Zebras gegen die Wild Boys – und sie bekamen ein wenig Nachhilfe in Sachen Schwäbisch. Jedenfalls sollen die Kieler sich den „Biddafeld, Biddafeld“-Rufen angeschlossen haben.

Zuvor jedoch durften die TVB-Fans mit in die Halle einlaufen und ein Interview geben, das auf dem riesigen Videowürfel übertragen wurde. Auf Hochdeutsch übrigens. „Hans-Peter Laible hat das übernommen“, sagt Wissmann und lacht. „Der kann das.“ Womit die Bittenfelder mit dieser Aktion wieder einmal bewiesen haben, dass sie ein verrücktes Völkchen sind. „Es war eine einmalige, wunderbaren Sache“, sagte Wissmann.

Und für den TVB war’s ein würdiger Abschluss einer erfolgreichen Saison, die mit dem Ligaverbleib gekrönt wurde. Während für die Fans und Spieler nun erst einmal Erholung angesagt sein dürfte, müssen die Verantwortlichen noch ein wenig nachsitzen: In dieser Woche soll die Saison analysiert werden, auf den Prüfstand kommt dabei auch die Arbeit des Trainers.

Thomas König hat im Mai 2015 zwar einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben, so ganz fest im Sattel indes scheint der 52-Jährige nicht zu sitzen. Immer wieder kursieren Gerüchte, dass der TVB mit einem neuen Trainer in seine zweite Erstliga-Saison starten möchte. Der Name Rolf Brack tauchte bereits auf, auch von Markus Gaugisch war die Rede. Aktuell scheint Markus Baur ein aussichtsreicher Kandidat zu sein. Der Weltmeister von 2007 trainierte bis Dezember 2015 den Schweizer Erstligisten Kadetten Schaffhausen und ist derzeit für die deutsche U-20-Nationalmannschaft verantwortlich.

„Ich habe mich bisher nicht zu irgendwelchen Trainernamen geäußert und werde das auch jetzt nicht tun“, sagte der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt gestern auf Nachfrage.

Kommentare

Die Trecker-Fan-Fahrt wurde auch in den sozialen Medien eifrig kommentiert – ein Auszug:

Geile Nummer, bei Stuttgart rechnet man ja eigentlich mit einem Porsche-Geschwader.

Ich dachte schon, ich bin bescheuert, aber das toppt alles.

Hab’ sie bei der Abschlussfeier vermisst. Wo hatten sie sich versteckt? An den Getränkebuden – und die Trecker standen artig vor der Business-Lounge.

„Biddafeld“ ist absolut klasse. Danke, dass ich ein Fan sein darf.

Geile Aktion. Das ist Handball.