TVB Stuttgart

TSV-Coach Bürkle sehnt ein Erfolgserlebnis herbei

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Vor 16 Jahren hat Jens Bürkle den TVB verlassen, die Verbindungen zum Ex-Club sind nach wie vor gut. Eng befreundet ist der 36-Jährige mit dem TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. © Ralph Steinemann

Zehnmal in Folge hat Jens Bürkle mit dem TSV Hannover-Burgdorf verloren, gegen seinen Ex-Club TVB 1898 Stuttgart sehnt der Trainer wieder ein Erfolgserlebnis herbei. „Wir möchten endlich wieder erfahren, wie sich ein Sieg anfühlt“, sagt der 36-Jährige im Interview.

Herr Bürkle, mit der Niederlage bei den Füchsen Berlin hat Hannover einen Vereinsrekord aufgestellt: Es war die zehnte Pleite in Folge. Haben Sie so eine Serie als Trainer oder Spieler jemals erlebt?

Mit Balingen hatte ich schon die eine oder andere längere Negativserie. Zehn Spiele am Stück habe ich allerdings noch nie verloren.

Zuletzt war im Umfeld sogar vom Abstiegskampf die Rede. Ist das nicht ein bisschen Panikmache bei 22 Punkten, Rang zehn und sechs Zählern Polster auf die Abstiegsränge?

Unter extremen Bedingungen könnten selbst die 22 Punkte nicht reichen. Wir haben keine Lust, zwei Spieltage vor Schluss zu merken, dass wir plötzlich mittendrin stecken im Abstiegskampf. Deshalb ist es schon verständlich, diesbezüglich rechtzeitig entgegenzuwirken.

Die Fans und Sponsoren dürften derzeit wenig begeistert sein. Wie schwierig ist es, bei so einem Negativlauf ruhig zu bleiben?

Bis jetzt haben wir es geschafft, die Ruhe zu bewahren. Ich denke, das Umfeld schätzt die Situation realistisch ein. Unser Ziel vor der Saison war ein Platz unter den ersten zehn. Und trotz der schlechten Serie sind wir immer noch Zehnter. Sicherlich profitieren wir jetzt von unserer sehr guten Hinrunde.

Blicken wir mal ein bisschen zurück auf den Saisonverlauf. Mit 6:2 Punkten sind Sie in die Saison gestartet, zur WM-Pause stand das Team mit 22:14 Punkten auf Rang fünf. Dann ging plötzlich gar nichts mehr – zumindest gab’s keinen Punkt mehr seither. Haben Sie eine Erklärung für diesen Negativtrend?

Zunächst einmal war der fünfte Platz zur WM-Pause natürlich top. Wir haben in der Hinrunde tolle Spiele gemacht, unter anderem in Leipzig, in Magdeburg und gegen Göppingen gewonnen. Eigentlich hatten wir nur die beiden negativen Ausreißer gegen Stuttgart und Balingen. In der Winterpause haben wir vernünftig trainiert, auch wenn zeitweise gerade einmal fünf Spieler da waren, weil viele für ihre Nationalmannschaften abgestellt waren und wir zudem ein, zwei Verletzte hatten. In Erlangen, wo wir in den letzten Sekunden das Spiel verloren, hatten wir einen schweren Start. Es folgten die Spiele gegen die Top-Clubs Rhein-Neckar Löwen und Flensburg – und die Heimniederlage gegen Balingen, die uns natürlich nicht hätte passieren dürfen. Von da an ging’s los. Wir waren völlig aus dem Rhythmus, es sind viele Dinge zusammengekommen. Wobei jedes Spiel eng war. Es ist schon verrückt, wenn die Ergebnisse nicht mit den Leistungen einhergehen.

Kämpferisch haben Sie Ihrer Mannschaft also keine Vorwürfe machen können?

Nein, überhaupt nicht. Es hat vielleicht hier und da so ausgesehen, weil durch die Niederlagenserie die Leichtigkeit verloren gegangen ist. Die Jungs hauen sich aber im Training voll rein. Ich bin überzeugt davon, dass es wieder laufen wird, sobald wir endlich mal den Bock umgestoßen haben.

In den verbleibenden sechs Spielen bekommen Sie es – abgesehen von Leipzig – ausschließlich mit Teams zu tun, die in der Tabelle hinter Hannover liegen. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf den Neunten HC Erlangen. Ist es das neue Saisonziel, den Aufsteiger noch abzufangen?

Das Saisonziel blieb unverändert: Wir wollen unter die ersten zehn. Wir spielen noch gegen Mannschaften, gegen die wir Punkte holen können. Und die sind von Hannover auch zu erwarten.

Der nächste Gegner hat zwar keine so schlechte Serie wie die Recken aufzuweisen, dafür aber deutlich größere Sorgen: Der TVB braucht jeden Punkt im Abstiegskampf und vermutlich noch zwei Auswärtssiege. In Hannover rechnet sich Ihr Ex-Club sicherlich etwas aus – und schöpft vermutlich Mut aus dem Hinspiel: Das 20:30 war die höchste Saisonniederlage für die Recken. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Spiel?

Der TVB hat gegen uns sicherlich sein bestes Saisonziel gemacht. Wir hatten 27 Fehlwürfe und sind am überragenden Jogi Bitter gescheitert. Ich denke, das Spiel in der Scharrena ist mit unserem in Magdeburg zu vergleichen: Irgendwann geht bei einer Mannschaft gar nichts mehr und bei der anderen funktioniert alles. Gegen Stuttgart wollen wir jetzt endlich wieder erfahren, wie sich ein Sieg anfühlt. Nach zehn Niederlagen in Folge hat man einfach keinen Bock mehr, wieder zu verlieren.

Wie schätzen Sie die Chancen des TVB im Abstiegskampf ein?

Der TVB hat eine sehr gute Mannschaft und allemal das Zeug dazu, den Ligaverbleib zu schaffen. Mittlerweile steht die Abwehr, und mit Bitter hat der TVB ein Faustpfand, wie es nur wenige Mannschaften im Abstiegskampf haben. Es wird zwar eng, aber ich glaube nicht, dass es Stuttgart treffen wird.

Sie hatten in der Hinrunde den Ex-Bittenfelder Kasper Kisum nachverpflichtet. An Weihnachten trennten sich die Wege schon wieder. Warum?

Wir holten Kasper in einer Phase, in der wir viele Verletzte hatten. Als die wieder fit waren, hatte er es schwer, zu Spielanteilen zu kommen.

Im Sommer vergangenen Jahres verlängerten Sie Ihren Vertrag in Hannover vorzeitig bis 2019. Es scheint zu passen bei den Recken ...

Meine Frau und ich fühlen uns hier sehr wohl. Wir haben ein sehr gutes Umfeld. Ich genieße die Zusammenarbeit mit unserem Geschäftsführer Benjamin Chatton und der Mannschaft. Es macht einfach sehr viel Spaß hier.

Zur Person:

  • Jens Bürkle wurde am 14. Oktober 1980 in Waiblingen geboren.
  • Zunächst spielte der Kreisläufer beim TV Oeffingen. In der A-Jugend wechselte er zum TV Bittenfeld, wo er bis 2001 aktiv war. Von 2001 bis 2005 trug Bürkle das Trikot des Zweitligisten TV Kornwestheim, ehe er sich dem Erstligisten Balingen/Weilstetten anschloss.
  • Für den HBW absolvierte er 179 Spiele und erzielte 277 Tore. 2011/12 übernahm Bürkle den Trainerposten beim Drittligisten DJK Rimpar Wölfe, mit dem er in die 2. Liga aufstieg.
  • Seit der Saison 2014/15 coacht Bürkle den Erstligisten TSV Hannover-Burgdorf.