TVB Stuttgart

TVB analysiert die deutliche Niederlage gegen Kiel

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Einiges zu besprechen hatte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt (Dritter von links) mit seinen Spielern. Hier lauschen während einer Auszeit (von links) Elvar Asgeirsson, Manuel Späth, Robert Markotic, Sascha Pfattheicher, Dominik Weiß und Patrick Zieker. © Sascha Klahn

Ein Ostsee-Orkan ist hinweggefegt am Sonntag über den TVB Stuttgart, die 23:35-Pleite beim Spitzenreiter THW Kiel hat den Handball-Erstligisten kräftig durchgeschüttelt. Und das vor den wegweisenden Wochen im Abstiegskampf. „Kiel war mit Abstand das Beste, was uns in dieser Saison begegnet ist“, sagte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt am Tag danach. Zur deutlichen Niederlage habe allerdings auch die eigene Leistung beigetragen.

Die Diskrepanz war enorm zwischen den Auftritten der Stuttgarter in Melsungen am Donnerstag und in Kiel drei Tage später. Dabei hatte der TVB bis auf den verletzten David Schmidt seinen kompletten Kader beisammen. Im Tor kehrte der zuletzt angeschlagene Nick Lehmann für Finn Hummel zurück – und bekam überraschenderweise so viel Spielzeit wie noch nie in dieser Saison: Der 21-Jährige ersetzte in den zweiten 30 Minuten den glücklosen Johannes Bitter, der lediglich vier Bälle zu fassen bekam.

Bitters mentale Kräfte sind nicht endlos

Mit 11:19 lag der TVB zur Halbzeit im Hintertreffen – da wäre es auch mit dem Nationaltorhüter in Bestform kaum möglich gewesen, dem Rekordmeister noch einmal auf die Pelle zu rücken. Selbst wenn es so nicht geplant war: Die Gelegenheit, der Nummer zwei Spielanteile zu geben, war gekommen. „Nick hat es gut gemacht, wir werden ihn in dieser Saison sicher noch brauchen“, so Schweikardt. Am Ende hatte Lehmann jedenfalls mehr Bälle pariert als Bitter. Für den, Schweikardt, sei eine kleine Pause wichtig. Schließlich habe Bitter in den Partien nach der EM-Pause quasi durchgespielt. „Man darf nicht glauben, dass Jogis mentale Kräfte endlos sind.“

Die Defensive des TVB war dabei in der Sparkassen-Arena – trotz der 35 Gegentreffer – eher das kleinere Problem. Schwache und unvorbereitete Torabschlüsse machten es den Zebras einfach – falls der TVB überhaupt zum Abschluss kam. Oft landeten die Bälle vorab in den Händen des Gegners, der sich mit etlichen Tempogegenstoßtoren bedankte. „Unsere Stärke aus dem Melsungen-Spiel, das Spiel sechs gegen sechs in der Abwehr, kam so gar nicht zum Tragen“, sagte Schweikardt. „Wir kamen auch mit der offensiven Abwehr nicht zurecht.“

Ordentliche Trefferdifferenz verspielt

17 Fehlwürfe und 14 technische Fehler sind einige zu viel, um dem Rekordmeister – wie in den beiden Spielen im Dezember – ein ernsthafter Gegner zu sein. Die Kieler hätten ihre Selbstverständlichkeit von früher zurück, so Schweikardt. Die Euphorie sei von der ersten Minute an zu spüren gewesen. „Und wir haben, wie Erlangen, die volle Breitseite abbekommen.“ Der nächste Gegner des TVB war in der Sparkassen-Arena acht Tage zuvor mit 15:29 baden gegangen.

Mit der Zwölf-Tore-Pleite verspielten die Stuttgarter auch ihre zuvor ordentliche Trefferdifferenz, die im engen Abstiegskampf am Ende entscheidend sein könnte. Von allen Abstiegskandidaten hat der TVB nun, abgesehen von den abgeschlagenen Nordhornern, diesbezüglich die schlechtesten Karten. „Natürlich war das so nicht eingeplant, aber manchmal ist es eben nicht zu verhindern“, so Schweikardt.

Zeitz kann dem TVB helfen

Unterm Strich brachte die lange Reise in den hohen Norden wenig Erquickliches für den TVB. Zumindest ein Spieler indes kehrte mit einem guten Gefühl in den Süden zurück: Christian Zeitz hatte nach dem unrühmlichen Ende bei den Zebras mit ein paar Pfiffen gerechnet. Die gab’s jedoch nicht, offensichtlich würdigten die 10 000 Fans die Verdienste, die sich der 39-Jährige in den 13 Jahren bei den Zebras erworben hat. Begrüßt worden war der Linkshänder mit Applaus, nach Spielende gab’s sogar „Zeitzi, Zeitzi“-Sprechchöre – wofür sich der Neu-Stuttgarter mit einer kleinen Ehrenrunde bedankte.

Auch auf dem Spielfeld hatte Zeitz gezeigt, dass er dem TVB helfen kann. Dass er erst ein paar Tage mit seiner neuen Mannschaft trainiert, war nicht zu sehen. „Er hat unser System schnell verinnerlicht“, sagt Jürgen Schweikardt. Das überrasche ihn. Einerseits. Andererseits aber auch wieder nicht. „Es zeigt seine Extraklasse. Aber natürlich müssen wir bei ihm die Belastung steuern.“


Für die Partie des TVB gegen den HC Erlangen an diesem Donnerstag (19 Uhr) in der Scharrena gibt’s noch rund 300 Karten im Vorverkauf. Fürs Derby am Sonntag, 23. Februar (13.30 Uhr), in der Porsche-Arena sind noch 1000 Tickets verfügbar.